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Ernährung bei Diabetes

Vortrag von DDA&EMB Doris Lasar, KH Lainz, am 12. April 05

Der heutige Wohlstand, das Nahrungsangebot und die Produktvielfalt führten zu einer ‘Genuss-Gesellschaft’ mit ernährungs-/lebensstilbedingten Erkrankungen - Essstörungen durch falsch verstandene Schönheitsideale auf der einen Seite und Adipositas = hohes Übergewicht auf der anderen Seite.
<b>Adipositas</b> wird nach dem Body-Mass-Index klassifiziert:
BMI = Ist-Gewicht/ (Größe in m)2


 
 
BMI
Normalgewicht
19 - 24,9
Übergewicht
25 - 29,9
Adipositas
> 30


Risiken durch Adipositas

« Bluthochdruck (Mit der Gewichtsreduktion sinkt der Blutdruck!)
« Insulinresistenz / Typ 2-Diabetes 'abdominelle' = bauchbetonte Adipositas! - Bauchumfang:
        weiblich - über 88 cm
        männlich - über 102 cm
        WHR=Taillenumfang/Hüftumfang:
        weiblich - über 0,85
        männlich - über 1

« Hyperlipidämie / Dyslipidämie (Chol á, HDL â, TG á, LDLá)
« Koronare Herzerkrankung, Herzinsuffizienz
« Schlaganfall
« Mortalität (BMI á, Sterblichkeit á)
« Schlafapnoe-Syndrom (ca. 2/3 sind adipös)
« Gicht
« Gallenblasenerkrankungen
« Orthopädische Komplikationen (Arthrosen, Rückenprobleme)
« Psychosoziale Komplikationen

Der Energiebedarf besteht aus dem Grundumsatz = Ruheumsatz (1 kcal/ KG/Stunde) + dem Leistungsumsatz:
- Frauen: ca. 2150 kcal/Tag
- Männer: ca. 2700 kcal/Tag bei eher sitzender Tätigkeit mit zeitweiligem Gehen und Stehen.*
    *DACH-Referenzwerte 2000

Die Energiezufuhr sollte dem Energieverbauch entsprechen.


Energiegehalt der Nahrung:
1 g Eiweiß - 4 kcal oder 17 kJ
1 g Fett - 9 kcal oder 37 kJ
1 g Kohlenhydrate - 4 kcal, 17 kJ
1 g Alkohol - 7 kcal oder 29 kJ


Unsere Nahrung besteht aus den Hauptnährstoffen (E, F, KH), Ballaststoffen, Flüssigkeit, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen.

Aktuelle Empfehlungen
für Diabetiker
Eiweiß:
Bedarf: 0,8 g/kg KG, bei Nephropathie nicht mehr als 1 g/kg KG

Fett:
Zufuhrempfehlung: ca. 30 Energie%


Gesättigte Fettsäuren
(keine Doppelbindungen) haben ungünstige Wirkungen (Cholesterin im Blut á, v.a. LDL á, Triglyceride á im Blut) bei überhöhter Zufuhr
(< 10 % der Gesamtenergie empfohlen)
vor allem enthalten in: Fleisch, Wurstwaren, Milch-, Palmkern-, Kokosfett

Ungesättigte Fettsäuren haben eine oder mehrere Doppelbindungen (einfach - mehrfach ungesättigt).
Einfach ungesättigte Fettsäuren sind gesund, sie erhöhen das HDL- und verringern das LDL-Chol.
- Olivenöl, Rapsöl, Erdnussöl

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren bestehen aus W 3 (Omega-3)- und W-6-Fettsäuren. W 3 haben eine protektive Wirkung (LDL ↓) und sind teilweise ‘essentiell’ (können nicht vom Körper selbst produziert werden).
- Fischöl, Leinöl, Walnussöl, Rapsöl,Sojaöl
W 6 vermindern auch das LDL-Chol., ‘Vitamincharakter’ der Linolsäure, und sind teilweise ‘essentiell’ - Distelöl, Sonnenblumenöl, Maiskeimöl,...

Günstig ist das Verhältnis
W 3 : W 6 = 1 : 5

Trans-Fettsäuren haben eine ungünstige Auswirkung auf die Gesundheit:
LDL ↑, HDL ↓ - Effekt vergleichbar - etwas stärker - mit gesättigten Fett-säuren, die Wirkung ist dosisabhängig, daher sollte die Aufnahme von Trans- Fettsäuren möglichst eingeschränkt werden.
Herkunft:

- Milchfette von Wiederkäuern (3-6% Trans-Fettsäuren)
- Fette aus industrieller Härtung (Margarine: früher 1-17%, heute 1-2%)
- Erhitzen von Ölen und Fetten (z.B.: Frittieren) bei zu hohen Temperaturen
- häufigste Quellen: Frittiertes, industriell gefertigte Nahrungsmittel.


Kohlenhydrate:


Bedarf: ca. 45 – 60 Energie %

1BE = 12 Gramm Kohlenhydrate

Als Broteinheit wird die Menge eines kohlenhydrathältigen Nahrungsmittels angegeben, in der 10 – 12 g verfügbare Kohlenhydrate enthalten sind.

Zu berechnen:
- Getreideprodukte
- Flüssige Milchprodukte
- Kartoffeln, Mais, Reis
- Obst, Obstprodukte, Gemüsesäfte


BE und Kalorien: 1 g KH liefert 4 kcal
1 BE = 12 g KH ► 1 BE = 48 kcal


Bei der empfohlenen Nährstoffverteilung von 50% KH + 50% F+ E hat eine richtig "belegte" BE ca. 100 kcal
- z.B. 1 BE Brot mit wenig Schinken, Spaghetti mit wenig (fettarmen) Sugo.


Ballaststoffe


sind Bestandteile pflanzlicher Nahrung, die großteils von den körpereigenen Enzymen des menschl. Magen-Darmtraktes nicht abgebaut werden
Ernährungsphysiologische Bedeutung: - verzögerte Magenentleerung
- BZ- Anstieg nach dem Essen verzögert /Resorptionsgeschwindigkeit
- hohes Wasserbindungsvermögen
- viel trinken!
- Darmperistaltik ↑
- Senkung des Cholesterinspiegels
- Sättigungsgefühl


Glykämischer Index


Zur Ermittlung des GI werden Dauer und Höhe des Blutzuckeranstiegs nach Verzehr von 50g verwertbaren Kohlenhydraten aus einem Lebensmittel gemessen. Als Referenzwert gilt der Blutzuckeranstieg nach Aufnahme von 50g Glucose oder Weißbrot (keine einheitlichen Testsysteme!). Kohlenhydrathaltige Lebensmittel, die einen schnellen und/ oder hohen Blutzuckeranstieg auslösen, haben also einen hohen GI.


Glykämische Last


berücksichtigt Portionsgrößen = verwertbare KH-Menge pro Portion mal GI / 100 und ist ein praxisrelevanter Indikator für die glykämische Antwort auf ein Lebensmittel (Insulinausschüttung).  

Neue, noch nicht wissenschaftlich bewiesene Arbeiten empfehlen eine Umstellung der Nährstoffverteilung: Low Glycemic Index Pyramid (LOGI-Pyramide) nach LUDWIG, D.S.

Die Ernährungsgrundlage bildet nach dieser Empfehlung Obst und nicht stärkehaltiges Gemüse (zubereitet mit ‘gesunden’ Ölen), während - anders als die hierzulande bekannte Ernährungs-pyramide - Getreideprodukte aus Weißmehl, Kartoffeln und Süßwaren die obere Spitze der Pyramide und damit den geringsten Anteil an der Ernährung ausmachen.

Vollkornprodukte, Nudeln und Reis sind nach dieser Pyramide nur eingeschränkt empfehlenswert und stehen auf der zweithöchsten Stufe. Eine Stufe niedriger sind nach der LOGI-Pyramide fettarme Eiweißlieferanten, wie Fleisch, Fisch und Geflügel, Milch und Milchprodukte sowie Nüsse und Hülsenfrüchte. Ganz eindeutig ist das Ziel dieser Empfehlungen, den GI - und damit auch die Insulinausschüttung - so niedrig wie möglich zu halten, um gespeicherte Energie besser umsetzen, Hungergefühle vermeiden und so die Gewichtsabnahme fördern zu können.


SÜSSUNGSMITTEL

Für Diabetiker "wird ein moderater Umgang mit Zucker empfohlen" (< 10 % der Tagesenergiemenge - nicht in ‘isolierter Form’). Honig besteht zu 80 % aus Zucker.
Zuckeraustauschstoffe (Fruktose, Zuckeralkohole) erhöhen den BZ langsamer, haben jedoch dieselben kcal.
Künstliche Süßstoffe haben keine kcal, sollten jedoch nicht übermäßig konsumiert werden (ADI-Werte).


FLÜSSIGKEIT

Flüssigkeitsbedarf: ca. 20-45 ml/kgKG/T = ca. 1½ – 2 l*
     *DACH-Referenzwerte 2000
Für Diabetiker sind Energie- und zuckerfreie bzw. zuckerarme Getränke empfehlenswert. Achtung bei Wellness-Getränken - teilweise hoher Zuckergehalt!

Alkohol: Mann<20g, Frau<10g (nicht täglich empfohlen)
- 20 g Alkohol = 0,5 l Bier, 0,25 l Wein, 0,06 l Weinbrand

Vorsicht - Hypogefahr!


ERNÄHRUNGS – EMPFEHLUNGEN

- Die Energiezufuhr soll dem Energieverbrauch entsprechen.
- Fettreduziert und fettmodifiziert
- Kohlenhydratreich - ballaststoffreich
- 5 kleinere gesunde Mahlzeiten am Tag
- phantasievolles Würzen - weniger Kochsalz
- Abwechslungsreiche, pflanzenbetonte Mischkost

Vielen Dank für das sehr informative Referat!
Dr. Helga Grillmayr