home

Diabetes und Hypertonie

  Artikel 

Diabetes und Hypertonie
Vortrag von Dr. Wolfgang Waldschütz, Gesundheitszentrum Süd WGKK, Diabetesambulanz 2, am 12. Juni 06 bei ADA-BEK

Hypertonie = Bluthochdruck ist die Volkskrankheit Nr. 1 - jeder vierte Österreicher ist betroffen! Bluthochdruck tut nicht weh und wird daher oft spät diagnostiziert. Hypertonie ist verantwortlich für Herzinfarkt, Gefäßverengungen und Schlaganfall und die häufigste Ursache für Tod und Invalidität - mehr als alle Krebserkrankungen!

Hypertonie bei Diabetikern ist 1,5-2mal häufiger als bei Nicht-Diabetikern, das Auftreten eines Diabetes Typ 2 ist bei Hypertonikern 2,5mal häufiger als bei normotensiven Patienten.

Hypertensive Diabetiker haben ein 4mal höheres kardiovasculäres Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko.

Der Blutdruck ist der in Blutgefäßen und Herzkammern herrschende Druck. Er ist abhängig von der Pumpkraft des Herzens, dem Gefäßwiderstand und dem Blutvolumen. Ist der Druck dauerhaft zu hoch, werden über die Jahre die Blutgefäße geschädigt, und es drohen Folgeerkrankungen, die den gesamten Körper betreffen können.

Wie wird der Blutdruck angegeben?

Der Blutdruck wird mit zwei Werten angegeben. Als optimaler Blutdruck gilt ein Wert unter 120 / 80. Der erste Wert gibt dabei den systolischen Blutdruck an, dies ist der höchste Druck, der bei der Kontraktion des Herzens erreicht wird. Der zweite Wert beschreibt den diastolischen Blutdruck - darunter versteht man den geringsten Druck, der in den Schlagadern herrscht, während das Herz sich mit Blut füllt.

Wie macht sich Bluthochdruck bemerkbar?

Die Hypertonie verläuft lange Zeit beschwerdefrei und macht sich häufig erst durch die Folgeerscheinungen bemerkbar. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind daher sehr wichtig.

• Mögliche Beschwerden bei sehr hohem Blutdruck: Kopfschmerzen, Herzklopfen, Atemnot, Schweißausbrüche , Sehstörungen, Schwindelgefühl,       Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe, Lähmungen, Bewusstseinstrübung, Verwirrtheit, Nasenbluten, Aushusten von blutigem Schleim.

Das plötzliche Ansteigen des Blutdrucks wird als hypertensive Krise (Hochdruckkrise) bezeichnet. Die genannten Beschwerden treten dabei akut und sehr stark auf. Es kann sogar zur Bewusstlosigkeit kommen. Ein derartiger Notfall erfordert eine umgehende ärztliche Versorgung.

Entscheidend ist der Schutz vor Schäden, die ein dauerhaft erhöhter Blutdruck verursacht. Eine unbehandelte Hypertonie führt zu einer deutlichen Reduktion der Lebenserwartung.

• Mögliche Folgeerkrankungen: Arterienverkalkung, Blindheit, Nierenversagen, Herzversagen, Herzinfarkt, Hirnblutung (Schlaganfall)

Häufig kann die Ursache für erhöhten Blutdruck nicht eruiert werden. In diesem Fall spricht man von primär erhöhtem Blutdruck (Essentielle Hypertonie).

Die Behandlung erfolgt mit...

• Diuretika (harntreibende Mittel)
• Alpha- und Beta-Blocker
• Kalziumkanal-Blocker
• ACE-Hemmer
• Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten
• Zentral wirkende Substanzen

Diuretika befreien den Körper von überschüssigen Salzen und zu viel Flüssigkeit. Dadurch wird das Blutvolumen verringert, der Gefäßwiderstand fällt. Diuretika werden in Thiazide, Schleifen-Diuretika und kaliumsparende Diuretika unterteilt, jedes wirkt auf einen anderen Bereich der Niere. Manchmal werden Kombinationspräparate verschrieben. Da diese Medikamente dem Körper Mineralstoffe entziehen, wird oft Kalium zugesetzt. Alternativ können Kaliumtabletten eingenommen werden.

Beta-Blocker wirken auf den Adrenalin-Haushalt. Das Herz wird entlastet und schlägt etwas langsamer.

Alpha-Blocker hemmen bestimmte Rezeptoren in den Gefäßwänden. Dadurch entspannen sich die Gefäße und der Blutdruck fällt.

Kalzium-Blocker senken die Spannung in den Gefäßwänden. Dadurch fällt der Blutdruck, das Herz muss sich weniger anstrengen. Außerdem wirken sie leicht entspannend auf Herzmuskelzellen und senken so den Sauerstoffbedarf des Herzens.

ACE-Hemmer und Angiotesin-II-Rezeptorantagonisten wirken gefäßerweiternd und damit blutdrucksenkend. Sie hemmen ein Hormon, das gefäßverengend wirkt und entlasten so das Herz.

Bei der Sekundären Hypertonie liegt dem Hochdruck eine andere Krankheit zugrunde (chronische Nierenleiden, Verengung der Nierenarterien, hormonelle Störungen, bestimmte Geschwüre, Arterienverkalkung). Auch kann es im Verlauf einer Schwangerschaft zu Bluthochdruck - zur so genannten Präeklampsie - kommen.

Welche Risikofaktoren gibt es?

• Familiäre Neigung zu erhöhtem Blutdruck, Schlaganfall oder Herzinfarkt
• Übergewicht
• Rauchen
• Diabetes Typ 1 und Typ 2
• Nierenleiden
• Alkoholmissbrauch / -abhängigkeit Regelmäßiger Alkoholkonsum von mehr als 2 Gläsern/Tag ist - nach Übergewicht - der zweitwichtigste Faktor       nichtgenetischer Ursachen für die primäre Hypertonie! Alkohol erhöht das Risiko für Schlaganfall 3-4 fach (unabhängig von Bluthochdruck)
• Fette, salzreiche Ernährung
• Erhöhter Cholesterinspiegel
• Zu wenig Bewegung
• Stress
• Medikamente (z. B. Kortisonpräparate und Schlankheitstabletten), Drogenmissbrauch
• Steigerung des Sympathikus, vermehrte Auschüttung von Adrenalin / Noradrenalin, direkte Wirkung auf die glatte Gefäßmuskulatur.

Therapieziele:

• Nichtdiabetiker: RR < 140/85 (Selbstmessung: RR < 130/80)
• Diabetiker: RR < 130/80 Diabetiker mit diabetischer Nierenschädigung: RR < 120/80

Das Alter ist nicht entscheidend!

Die Blutdruck-Selbstmessung soll immer zur gleichen Tageszeit im Sitzen (nicht stehend!) am gleichen Arm zu Beginn 2x täglich erfolgen und in den Blutdruckpass eingetragen werden!

Weißkitteleffekt („Praxis-Hypertonie“): Beim Arzt gemessener Wert ist meist höher als die Werte bei Selbstmessung. Achtung: Neigung zu Bluthochdruck

„Praxis-Normotonie“: Im Alltag erhöhter Blutdruck, beim Arzt normale Werte (z.B. Börsenmakler, Broker, Mütter mit Kleinkindern, für die ein Arztbesuch eigentlich Entspannung bedeutet)

Historie

Die unzulänglichen Methoden bei der Bestimmung von Herz-Kreislauf- Verhalten vor allem von Kindern veranlassten Riva - Rocci als Assistenzarzt an der Medizinischen Klinik in Turin etwa ab dem Jahre 1890 zur Entwicklung eines für Patienten schmerzlos einsetzbaren Blutdruckmessverfahrens.

1896 beschrieb er in dem Artikel „Un nuovo sfigmomanometro“ eine einfache Methode der „unblutigen“ Bestimmung des Blutdruckes und führte seinen Prototypen des modernen Blutdruckmessgerätes zur indirekten Bestimmung des Blutdrucks vor.
Riva-Roccis Sphigmomanometer bestand aus einem Fahrradschlauch, den er als Oberarmmanschette benutzte (wie dies auch heute üblich ist), aus einem Gummiballon zum Aufblasen der Manschette und aus einem Quecksilberbarometer, mit dem er den Druck in der Armarterie (Arteria brachialis) maß. Durch Betasten der Pulsader an der Handwurzel (Pulsus radialis) prüfte Riva-Rocci das Verschwinden bei steigendem (sytolischem) Druck.

 

Trotz heftiger Proteste gegen die angebliche „Entsubjektivierung der Diagnostik“ setzte sich Riva-Rocci´s Methode vor allem in Krankenhäusern rasch durch. Und schon um die Jahrhundertwende war die Illusion traditionsorientierter Ärzte, „dass kein Instrument den Finger zu ersetzen vermag“ angesichts des unaufhaltsamen Einzugs technischer erzeugter Körperdaten in die medizinische Praxis zerstört.

Im Jahre 1905 verbesserte der russische Militärarzt Nikolai Sergejewitsch Korotkow (1874-1920) die von Riva-Rocci angegebene Methode, wobei er das Stethoskop zur Bestimmung des Blutdrucks einsetzte. Dabei sind die typischen „Korotkowschen Geräusche“ (oder Töne) zu hören. Diese kommen dadurch zustande, dass das Blut verwirbelt wird und deren Bewegungsgeräusche hörbar sind.

Interessant

Streichelt ein Mensch eine Katze, sinken sein Blutdruck und die Frequenz seines Herzschlages. Bei manchen Menschen reicht sogar die bloße Anwesenheit eines Stubentigers, damit Entspannung einsetzt und der Puls langsamer wird. Die praktische Bedeutung dieses Effekts verdeutlicht eine Untersuchung der Universität Buffalo, USA.
Im Rahmen dieser Studie wurden Mitarbeiter der Börse einer Langzeitbeobachtung unterzogen. Diejenigen Broker, die sich während dieser Zeit eine Katze anschafften, zeigten bereits nach einem halben Jahr keine Stress-Spitzen mehr und konnten auf Herz-Kreislauf-Medikamente verzichten. Bei den Kollegen ohne Vierbeiner dagegen stieg der Blutdruck in Extremsituationen an, und das sogar trotz blutdrucksenkender Mittel.
Auch die australischen Wissenschaftler Anderson, Reid und Jennings konnten belegen, dass Katzenbesitzer niedrigere Blutfettwerte und einen geringeren Blutdruck haben und damit seltener an Herz-Kreislauf-Leiden erkranken. Zum Teil erklärt sich dies damit, dass Tierhalter generell aktiver und auch mehr an der frischen Luft sind. Doch neben der körperlichen Bewegung spielen auch psycho-soziale Faktoren eine Rolle. Denn wer mit einer Katze zusammenlebt, gibt Emotionen mehr Raum, fühlt sich seltener einsam, ist nicht so ängstlich und entspannt sich besser. All dies senkt das Risiko für das Entstehen einer Herzschwäche.
Doch Katzen haben nicht nur vorbeugend eine positive Wirkung auf Herz und Kreislauf des Menschen. Wie die amerikanische Professorin Erika Friedmann des New Yorker Brooklyn College feststellen konnte, lebten Patienten nach einem Herzinfarkt deutlich länger, wenn sie Katzen halten. Die Überlebenschance war 4x so hoch.

Herzlichen Dank für den informativen und eindrucksvollen Vortrag!
Gottfried Bitiste

Artikel