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Zeitbombe Diabetes
Typ 2
Vortrag von Frau Dr. Claudia Francesconi, Gesundheitszentrum Wien Mitte der WGKK, Diabetes- & Stoffwechselambulanz, am 19. September 06 |
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Mehr als 120 interessierte Besucher/ innen strömten in den Vortragssaalvon Fa. Novo Nordisk, um dem Referat von Frau Dr. Claudia Francesconi zu lauschen.
‚Typ 2-Diabetes kommt nicht alleine‘, leitete Frau Dr. Francesconi ihre Ausführungen ein.

Die Insulinresistenz - die Unfähigkeit der Körperzellen, auf das eigene Insulin richtig zu reagieren - als Basis des Typ 2-Diabetes bedingt nicht nur erhöhte Blutzuckerwerte. Sie stellt auch die Grundlage für alle anderen Stoffwechselstörungen wie hohe Triglyceride, niedriges HDL (=gutes) Cholesterin, hohen Blutdruck und eine Fettleber dar. Meist bestehen diese Störungen schon lange vor der Diagnose des Typ 2-Diabetes. Die Kombination aus erhöhtem Blutdruck, Blutfetten, Blutzucker und Übergewicht wird als metabolisches Syndrom bezeichnet.
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Auch Typ 1-Diabetiker können ein metabolisches Syndrom in Form einer Stoffwechselstörung haben! Die Insulinresistenz macht Übergewicht, Übergewicht führt bei entsprechender Veranlagung zu Insulinresistenz, welche vor allem durch freie Fettsäuren aus der Nahrung und das gefährliche Bauchfett verursacht ist. |
Das metabolische Syndrom stellt ein hohes Herzkreislaufrisiko dar, das ohne ausreichende Behandlung zu gefährlichen Gefäßverengungen, der Atherosklerose, führen kann, in Folge zu Schlaganfall, Herzinfarkt und -veränderungen sowie Durchblutungsstörungen in den Beinen.
‚Sie selbst können viel dagegen tun, doch nicht alles liegt
in Ihrer Hand‘, betonte Frau Dr. Francesconi.
Sie können ändern: Übergewicht und sitzende Lebensweise durch
gesunde Ernährung und Muskeltraining (Bewegung spielt eine Schlüsselrolle!!!),
mit dem Rauchen aufhören („Rauchende Diabetiker schaufeln sich die eigene
Grube!“).
| Atherosklerotische Veränderungen in den größeren Gefäßen, wie Herzkranzgefäßen, Halsschlagader sowie Beingefäßen führen zu Plaquebildung. Plaques sind mit Fett und Entzündungszellen gefüllte Vorwölbungen der Gefäßwand, die den Blutfluss behindern und im Falle des Platzens zu einem kompletten Verschluss des Gefäßes führen. | ![]() |
Hohe Blutfette, vor allem das LDLCholesterin, Bluthochdruck und hoher Blutzucker, Rauchen, mangelnde Bewegung und Fehlernährung führen zu den gefährlichen instabilen Plaques, entzündlichen ‚Gefäßpickel‘ vergleichbar.
Mit gesunder Lebensweise und richtiger Therapie (optimaler
Blutzuckereinstellung, Blutdruckmanagement sowie Absenken des
LDL-Cholesterins auf < 100 mg/dl, ASS =niedrig dosiertes Aspirin) können
diese in weniger gefährliche stabile Plaques umgewandelt und damit das
Risiko für Gefäßverschlüsse verringert werden.
Typ 2-Diabetiker haben ein ebenso hohes Herz-Kreislaufrisiko wie Nicht- Diabetiker, die schon einen Herzinfarkt hatten!
Folgeschäden des Diabetes
am Herzen:
Herzinsuffizienz (Pumpleistungsstörungen), koronare Herzkrankheit (Angina
pectoris = ‚enge Brust‘, Verengungen der Herzgefäße), Herzinfarkt
Die periphere arterielle Verschlusskrankheit paVK
basiert auf den gleichen Gefäßveränderungen wie die Koronare
Herzkrankheit. Betroffen sind die Bein- und Beckenarterien, beim Diabetiker
vor allem die Unterschenkelgefäße. Leitsymptom ist die Claudicatio
intermittens oder „Schaufensterkrankheit“.
Die Diagnose und Behandlung der pAVK ist sehr wichtig, denn Patienten mit pAVK
haben ein hohes Risiko für zusätzliche Erkrankungen der Herz und Hirngefäße!
Die Diagnose erfolgt durch die Messung des Dopplerindex mittels Ultraschallsonde. Der Dopplerindex ist der Quotient des Blutdruckes von Bein und Arm, bei Gesunden ist er > 0,9. Ein weiteres Diagnosekriterium ist das arterielle Flussmuster sowie die Bestimmung der Mediasklerose, einer Verkalkung der Arterienmittelschichte. Diese Untersuchungen sollten Sie in Gefäßambulanzen oder spezialisierten Ordinationen durchführen lassen.
Rauchen ist generell schädlich, jedoch in diesem Patientengut besonders schlecht, und fördert das rasche Fortschreiten der Erkrankung.
Behandlung: Generell ist eine optimale Blutzucker-, Blutdruck- und Lipideinstellung obligat. Statine und ASS können das Fortschreiten verlangsamen oder stoppen.
Gehtraining bis zur Schmerzgrenze ist der wichtigste
konservative Beitrag zur Verbesserung der Symptomatik.
Durch eine Ballonkatheterdehnung kann eine Stenose wieder erweitert werden,
im Beckenbereich verwendet man wie am Herzen Stents, damit die Engstelle offen
bleibt. Falls eine Dehnung nicht möglich ist, gibt es die Möglichkeit
einer Bypaßoperation.
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Bluthochdruck = RR ist die wichtigste Ursache für Schlaganfall und Koronare Herzkrankheit. Wie die große UKPD-Studie gezeigt hat, können 44% der Schlaganfälle mit einer guten Blutdruckeinstellung verhindert werden! Daher soll der Blutdruck auf < 130/80 gesenkt werden. Je älter man ist, desto wichtiger ist der niedrige Blutdruck! Im Alter steigt der systolische Druck (1. Wert) an, was ein hohes Risiko für Schlaganfall, KHK u.a. bedeutet. |
Warum ist die Blutdruckselbstmessung wichtig?
- Werte beim Arzt durch „Aufregung“ beeinträchtigt
- Messung einmal pro Monat zu wenig aussagekräftig
- Tageszeitliche Schwankungen des Blutdrucks
- Bessere Therapiekontrolle für Arzt und Patient
Wann soll man messen?
- Zu Beginn der Selbstmessung 2 -3 mal täglich
- Morgens vor Einnahme der RR Medikation, eventuell mittags und abends vor Einnahme
der RR Medikation.
- Der wichtigste Wert ist der Morgenwert.
- nicht vergessen Werte aufzuschreiben und Protokoll zum Arzt mitnehmen.
Mit der Langzeitblutdruckmessung können unerkannt hohe Werte, bes. in der Nacht, entdeckt werden. Die meisten Schlaganfälle ereignen sich in den frühen Morgenstunden!
Fettstoffwechsel
Man unterscheidet beim Typ 2-Diabetes drei wesentliche
Störungen des Fettstoffwechsels, die alle einen gemeinsamen Ursprung in
der Insulinresistenz haben:
- Zu hohe Triglyceride
- Zu niedriges, verändertes HDL Cholesterin (= gutes Cholesterin)
- Verändertes, aggressives LDL Cholesterin ( = böses Cholesterin)
Die Konsequenzen sind einerseits rasch fortschreitende Gefäßverkalkung mit all ihren Folgeschäden, eine höhere Wahrscheinlichkeit Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, andererseits die Entstehung einer Fettleber.
Behandlungsstrategien
- Senkung der Insulinresistenz (Lifestyle / medikamentös)
- Senkung der erhöhten Triglyceride - Senkung des bösen Cholesterins
(LDL < 100mg/dl)
- Anhebung des guten Cholesterins (HDL >40mg/dl)
Behandlungswege
- Langsame aber stetige Gewichtsreduktion
- Konsequentes Bewegungsprogramm, vorzüglich im Ausdauerbereich, aber auch
Krafttraining hilft
- Verbesserung der Ernährungsqualität
- Omega 3 Fettsäuren
- Medikamente
Die Hypertriglyceridämie ist die am direktesten mit der
Insulinresistenz im Zusammenhang stehende Fettstoffwechselstörung. Bedingt
durch den im Rahmen der IR bestehenden erhöhten Fluss von freien Fettsäuren
durch die Leber kommt es zu einer erhöhten Produktion und Speicherung von
Triglyceriden in derselben (= Fettleber).
In gewisser Weise stellt dieser Umstand die Grundlage
zur Entstehung der beiden anderen Fettstoffwechselstörungen dar (LDL, HDL).
Studien an Patienten mit hohen Triglyceriden haben gezeigt, dass vor allem postprandial
( = nach dem Essen) das Gerinnungssystem negativ beeinflusst wird, und es in
erhöhtem Maße zu Gefäßverschlüssen kommen kann, wenn
beispielsweise ein Plaque ruptiert. Dies liegt daran, dass sowohl die Gerinnung
aktiviert wird als auch gleichzeitig die Auflösung von Thromben behindert
wird.
Triglyceride sind am besten durch Gewichtsabnahme, Ernährungsänderung,
Alkoholkarenz oder -Einschränkung und Bewegung zu beeinflussen.
Falls diese Maßnahmen nicht genügen oder eine zusätzliche Störung
im Abbau besteht, kann man auch Medikamente einsetzen ( Fibrate). Medikamente,
die zur Senkung der IR führen, senken in der Regel auch die Triglyceride
(Metformin, Pioglitazon), auch einige Statine (Sortis, Crestor) und Niaspan
haben einen positiven Effekt auf den Triglyceridspiegel.
Omega 3 Fettsäuren haben ebenfalls eine senkende Wirkung auf den Triglyceridspiegel.
Ziele zur Verhütung von Schäden:
- HbA1c Wert < 7,0%
- LDL Cholesterin < 100 mg/dl
- RR Wert < 130/80 mm Hg
- BMI < 26 - > 30 min. Bewegung/Tag
- Tabakkarenz
Herzlichen Dank für diesen sehr informativen Vortrag mit anschließender angeregter Diskussion!
Dr. H. Grillmayr