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Auf dem Jakobsweg

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Ein Bericht von unserer Aktiven Mag. Barbara Wagner

Heuer ging für mich ein langgehegter Wunsch in Erfüllung: Wir wanderten auf dem sog.
„Camino francais“ von St. Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela in Spanien.

Ein angenehmer Flug führte uns über Paris nach Biaritz; weiter ging es mit dem Bus nach Bayonne, wo wir ausgiebig französisch aßen und noch einmal vor unserer „Pilgerfahrt“ einen gewissen Luxus genossen. Am nächsten Morgen brachte uns eine Art Schülerzug nach St. Jean; wir holten uns den Start-Stempel im Pilgerpass, erhielten noch letzte Anweisungen und Ermahnungen und Werner ließ seinen Rucksack (15 Kilo ohne Getränk und Jause, also viel zu schwer!) wiegen; ich behielt meinen Rucksack vorsichtshalber am Rücken.

Vor diesem ersten Tag war ich etwas beunruhigt: Wir hatten ca. 25 Kilometer in den Bergen, 1000 Höhenmeter bergan und ca. 400 Hm bergab vor uns. Schönes Wetter, grüne Wiesen, saftige Almen, Nebel, Kälte und Regen begleiteten uns im Laufe des Tages; der Kraxenponcho wurde gleich am ersten Tag ausgiebig eingeweiht und später kaum mehr benötigt!
Am Abend ergatterten wir noch zwei der letzten fünf Betten in der Pilgerherberge, die einer Kirche viel ähnlicher war als einem Hotel. Wahrscheinlich schnarchten, furzten und rumorten 200 Leute in ihren Stockbetten im Schlafsaal. Mit 300 Zucker, einem undefinierten Abendessen (zusätzlich zu diesem Wert gegessen, weil es sonst nichts mehr gegeben hätte) und Gitterbettsperre um 22 Uhr haben wir kaum geschlafen.

Am nächsten Tag musste bis zur nächsten Bar, das heißt einem Frühstück, zuerst 5 Kilometer bei Schlechtwetter, Nebel und Kälte gewandert werden. Wir waren sauer! und wollten so sicher nicht weitertun. Nach diesem Tag, der sich doch noch sehr schön entwickelte, telefonierte ich um ein Hotelzimmer in Pamplona, wo wir zwei Nächte verbrachten und das weitere Vorgehen überlegten. Schnell haben wir uns wieder entspannt und eine Lösung gefunden:

  1. in einer Caja (sprich „Kacha“) schickten wir ca. 6 kg Gepäck postlagernd nach Santiago (auf der Post hatte man damit sichtlich Praxis, es brauchte uns also nicht peinlich zu sein, und als Pilger genießt man doch eine gewisse Bewunderung),
  2. beschlossen wir, in Hostals (netten, einfacheren Hotels, aber immer mit Dusche/WC und hervorragendem Menù del Dia (= Tagesmenü)
    zu nächtigen und die Pilgerherbergen zu meiden,
  3. versuchten wir, Straßenstrecken und die Passagen in und aus den Städten mit dem Autobus oder eventuell einem Taxi zu überwinden und
  4. genossen wir die Tage in Pamplona mit Kultur, gutem Essen, den lieblichen romanischen Madonnen in der Kathedrale etc.

Jetzt konnte es richtig losgehen. Wir waren frohen Mutes und wanderten täglich ca. 22 – 25 Kilometer durch Wein- (Rioja) und Getreidegegenden (sog. Mesetas), wo ziemlich der Wind ging. Das einzige Handicap war der noch immer (mit Wasser und Jause)
ca. 13 - 14 kg schwere Rucksack.
Unsere Mittagsrast machten wir üblicherweise vor einer Kirche, wo wir unsere Barra de pan (Brot), die Chorizo (Paprikawurst) und den Queso Manchego (pikanter Käse) und Obst schnabulierten. Beim Menù del Dia gab es immer viel Auswahl, meistens aßen wir Fisch.

Nach gut einer Woche übernachteten wir in einem Quartier, das eine Mischung aus Hotel, Pilgerquartier und Altersheim war, bevor wir
ca. 70 Kilometer mit dem Bus nach Burgos weiter fuhren. Dort genossen wir beinahe zwei Rasttage in einer wunderschönen Stadt am Fluss, mit vielen Straßencafes, Bars, lebenslustigen Menschen, einer sehr interessanten gotischen Kathedrale usw. usf.
Wir sahen viele elegante Leute bei diversen Festen, aßen gut und freuten uns schon auf das Weitergehen Richtung Leon.

In einer Höhe von meist ca. 1.000 Metern wanderten wir weiter durch Getreidefelder, windige Hochebenen, die Meere von Windrädern zierten. Am Tag war es oft ziemlich sonnig, aber durch den Wind angenehm; in der Nacht wurde es bitterkalt, was uns auch von der Übernachtung in der Klosterruine San Antòn bei Castrojeriz abhielt. Der Weg war so interessant und abwechslungsreich, dass wir glatt den Autobus nach Leòn versäumten und eine zusätzliche Etappe bis Carriòn de los Condes wanderten. Dann ging es jedoch mit einem Langstreckenbus (inkl. reserviertem Sitzplatz, Fahrkartenerwerb per Internet in der Bar an der Hauptstraße in Cariòn) ca. 70 Km nach Leòn; die zweite Woche war bereits verflogen. Auch das war eine interessante Stadt, wenn auch mit ganz anderem Flair als Burgos; wieder beeindruckte uns die Kathedrale sowie auch die Königskrypta in San Isidor mit romanischen Fresken sehr.

Nach Leòn – wir sind in der Region Kastillien – ging es in die Berge: Zuerst bestiegen wir den berühmten Rabanal mit einem Bergdorf und dem berühmten Cruz de Hierro (Eisenkreuz). Dem Kreuz werden mystische Fähigkeiten nachgesagt; in der Tat ist es leider eine Pilger-Müllhalde; den Stein aus meiner Heimat Eisenerz, den man traditionell am Fuße des Kreuzes ablegt, habe ich wieder mitgenommen. Nach 1000 anstrengenden Höhenmetern hinunter feierten wir unsere Geburtstage in Villafranca del Bierzo, das heißt es gab nochmals einen Rasttag, bevor wir uns auf den Anstieg zum O Cebreiro machten.

Wir waren jetzt schon in der Provinz Galizien, dem Kernland des Hl. Jakobs, und es fehlten nur mehr ca. 150 Km bis zum Ziel.
Vom O Cebreiro war es ein langer, beschwerlicher Abstieg – die Abstiege mit dem schweren Rucksack waren viel unangenehmer als die Anstiege – bis zum Benediktinerkloster Samos, mit dem größten Kreuzgang Spaniens.

Leider hat uns dort die Darmgrippe erwischt: Wir versuchten zwar am nächsten Tag, unseren Weg fortzusetzen, ich brauchte jedoch in der Einöde dann ein Taxi, das mich ins bereits reservierte Quartier (ein grindiges Hotel in einer unsympatischen Stadt) brachte.
Ich war trotzdem froh, dass ich mich vom Bauchweh und Fieber erholen konnte. Das Ganze wiederholte sich am nächsten Tag mit Werner: Ein Taxi war auf der Strecke notwendig, das Hotel war diesmal aber super und so schlossen wir gleich einen zusätzlichen Erholungstag an.

Frohen Mutes und wieder halbwegs gesund setzten wird dann unsere letzten ca. 130 Km fort. Es war ein Tag der zahllosen Hypos und das bei einem angegriffenen Magen. Am Abend konnte ich mich kaum noch auf den Beinen halten vor Übelkeit und Bauchschmerzen. Lediglich der Veterano, eine Art Brandy, kurierte mich. Werner empfahl mir, mit dem Bus nach Santiago zu fahren, uns ein nettes Quartier in der Stadt zu suchen und auf diesen letzten Gehtag lieber zu verzichten, was ich auch tat.

Das Ankommen in Santiago war auch mit dem Bus aufregend. Zwar waren wir mehr Wanderer als Pilger, haben unser Abenteuer genossen und uns nicht kasteit, trotzdem war es eine wunderbare „Pilgerreise“. Wir genossen zum Abschluss noch die zahllosen Kirchen von Santiago, der Begräbnisstätte des heiligen Jakobs, des ersten Pilgers, und waren stolz auf die ca. 380 gegangenen Kilometer (den Rest sind wir in kleinen Etappen mit dem Bus gefahren).

Es war für mich als Diabetikerin ein großes Abenteuer, wenn auch ein halbwegs kontrolliertes und geschütztes. Immerhin kommt man doch immer wieder in zumindest Dörfer und kann im Notfall bei den Pilgerherbergen Hilfe bekommen. Trotzdem war es eine Herausforderung: Fast jeden Tag weite Strecken gehen, den schweren Rucksack tragen, doch ein stark reduzierter Komfort, was Kleidung usw. betrifft, das undefinierbare Essen, Unmengen an nicht einschätzbarem Weißbrot etc.
Optimales Diabetesmanagement ist bei körperlicher Anstrengung natürlich doppelt gefordert. Jedenfalls war es eine tolle Reise mit vielen schönen Eindrücken, kleinen Abenteuern und viel Zeit zum Nachdenken. Buòn Camino!

Mein Pilgerpass:

 

Nähere Informationen zum Weg findet/ finden ihr/Sie unter www.mundicamion.com.

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