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Großer Diabetes
Infotag am 11. 11. 06
im Bundesamtsgebäude Wien 3 |
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Statt Frau BM Rauch-Kallat, die sich entschuldigen ließ,
leitete unser wohl berühmtester Aktiver Diabetiker
Geri Winkler den Diabetes Infotag ein, der wie immer toll besucht war.
Geri schilderte uns seine einmalige Route mit dem Fahrrad (8.
000 km!) durch sieben Länder vom tiefsten Punkt der Erde, dem Toten Meer
in Jordanien durch die Wüsten des Nahen Ostens und die Bergwelt Kurdistans,
durch den Iran mit seinen Kulturschätzen und hilfsbereiten Menschen, durch
die Wüste Belutschistans und quer durch das quirlige Indien bis ins Himalaya-
Massiv in Nepal, dann seinen Gipfelsieg als erster Diabetiker und Wiener am
‚Dach der Welt‘, dem Mount Everest - ein acht Monate langes, von Erfolg gekröntes
Abenteuer, das uns zeigt, dass auch mit Diabetes fast alles möglich ist!
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Im Anschluss passte das Thema ‚Bewegung als
wichtiger Teil unserer Therapie‘ Mag. Günter Schagerl, Sportwissenschaftler
und Leiter der Abteilung für Fitness und Gesundheitsförderung
der ASKÖ-Bundes- organisation sowie Initiator der Diabetes- Fit-Aktion, klärte uns über die Möglichkeiten, auch als ältere/r und untrainierte/r Diabetiker/in mit moderatem gezieltem Training den Gesundheitszustand deutlich zu verbessern, auf. Lesen Sie dazu sein mit vielen Fallbeispielen interessantes und motivierendes Buch ‚Diabetes fit‘ und informieren Sie sich über die vielen Angebote des ASKÖ in ganz Österreich: ASKÖ FIT, Tel. 01/869 32 45 / 15 oder 16; e-mail: guenter.schagerl@askoe.or.at |
Danach führte uns Physiotherapeut Walter Lindbauer aus Braunau noch näher in die Grundlagen der Bewegungstherapie - Bestimmung der Belastbarkeit mit Ergometrie und Laktatmessung, verschiedene Sportarten - und die äußerst positive Wirkung von Ausdauer- und Krafttraining auf den Stoffwechsel und damit die Gefäße ein.
Nach der Pause folgte im Großen Saal der Vortrag von
Frau Prof. Dr. Kinga Howorka zum Thema
‚Typ 2 Diabetes geht selten alleine... und was ist jetzt zu tun?‘‚
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Typ 2 Diabetes kommt selten allein, ist nahezu immer ein Teil des metabolischen Syndroms und VERKÜRZT DAS LEBEN!‘, leitete Prof. Dr. Howorka ihren Vortrag ein. Beim Metabolischen Syndorm, dem sog. ‚Tödlichen Quartett‘, bestehend aus zentralem Übergewicht - Bauchfett - und Insulinresistenz, Hyperlipidämie (erhöhte Blutfette), Hypertonie (Bluthochdruck) und Diabetes, spielen sowohl Erbanlagen, das Alter als auch Bewegungsmangel und falsche Ernährung eine Rolle. Zuerst besteht meistens eine Insulinresistenz - der Körper reagiert auf Insulin zu träge und zu wenig, produziert noch mehr Insulin - der BZ und das Risiko für Gefäßschäden steigen an - Typ 2-Diabetiker sind eine Hochrisikogruppe für Herzinfarkt! |
Behandlungsstrategien bei Typ 2 Diabetes:
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- Insulinresistenz vermindern: Gewicht
abnehmen & Bewegung, Insulinsensitizer - Glukoseproduktion der Leber vermindern - Metformin - Insulinproduktion erhöhen - Sulfonylharnstoffe - Kohlenhydratabsorption verlangsamen - a-Glucosidase Inhibitoren - Insulin |
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Diabetes und die assoziierten Begleiter
- Bluthochdruck
- Blutfetterhöhung
- zentrales Übergewicht
können mittels Selbstbehandlung effektiv behandelt werden, daher strukturierte SCHULUNG!
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Frau Prof. Dr. Howorka besprach noch viele Aspekte der
Typ 2-Therapie, wobei sie auch für Insulin-bedürftige Typ 2-Diabetiker/innen
Mischinsulin ablehnt, weil es regelmäßiges Essen erfordert
und keine gute Stoffwechselkontrolle sichert Auch der Blutdruck, der große Bedeutung für die Gefäße hat, muss mit einer 24-Stunden-Messung, Selbstkontrolle und gezielter Medikation ausreichend behandelt werden, ebenso die Blutfette. Dabei wurde wohl allen Besucher/innen klar, dass das nötige Wissen und Können die Voraussetzung für die Umsetzung der lebenswichtigen Maßnahmen sind. |
Prof. Dr. Howorka und ihr Team bieten an:
- Diabetikerbasis-Schulung
- Hypertonie/Nephropathie
- Hyperlipidämie
- Schlank & FIT-Kurs und Treff
- FIT-Schulung, FIT-Update
- Schwangerschaft / Diabetes
- Hypoglykämie-Prävention
Auskunft und Anmeldung unter Tel. 40400-1993 (9h - 13h)
TANZ DICH FIT!!!
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Die Tänzer der ADA-Spaßgruppe
zeigten im kleineren Saal, was sie in einem Jahr TANZ - FIT gelernt haben. Wenn Sie mittanzen möchten kommen Sie
doch einfach vorbei: |
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Danach referierte Herr Dr. Reinhold Glehr, Arzt für Allgemeinmedizin
in Hartberg, über das wichtige Thema
Disease Management Diabetes mellitus - Was erwartet uns?
Lebt man mit einer funktionellen Schwäche, soll man über das Vorhandensein,
Wesenheit und Risiken, die Bedeutungen von Beschwerden, förderliches Verhalten,
hilfreiche Medikamente und sinnvolle Kontrollen Bescheid wissen.
Der Arzt hat das Wissen um die Krankheit und soll seine
Patienten informieren, motivieren, instruieren und stützen.
Frau Dr. Doris Langeder, ARGE Diabetiker & ÖDV, die auf Einladung von Dr. Wolfrum als Sprecherin der Diabetiker/innen teilnahm, meinte, dass wir dringend mehr gut informierte Ärzte brauchten, die sich sowohl um die Früherkennung bemühen (Wie viele Hausärzte messen den Bauchumfang?) als auch den ‚leichten‘ Diabetes ernst nehmen und richtig behandeln.
Dr. Glehr setzte fort, dass der Arzt vor allem
bei Diabetes die wichtige Aufgabe hätte, seine Patienten zur Selbsthilfe
anzuregen, d.h. zu mehr Selbstverantwortung und Eigenaktivität:
Verständnis: Ich weiß über Wesen, Risiken und Chacen...
Handhabbarkeit: Ich weiß, was ich tun kann und versuche es...
Bedeutsamkeit: Ich beobachte mich und bin ehrlich zu mir...
Diese von uns allen erwünschte Art der Behandlung erfordert
jedoch mehr Zeit, die dem Arzt derzeit nicht honoriert wird...
Mit dem Disease Management Programm DMP, das vom BM für Gesundheit ausgearbeitet
wurde, sollen den Betroffenen durch Information (Schulung) und aufmerksame Nachbetreuung
eine verbesserte Lebensqualität, weniger Folgeschäden und damit ein
längeres Leben ermöglicht und den behandelnden Ärzten bei entsprechender
Dokumentation eine Honorierung geboten werden.
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V. l. n. r. : Dr. Langeder, ARGE Diabetiker & ÖDV Mag. Wagner, ADA Dr. Wolfrum, ADA Dr. Glehr |
Disease Management bedeutet einen systematischen
Behandlungsansatz mit dem Ziel, für chronisch Kranke eine
kontinuierliche und qualitativ hochwertige Versorgung nach dem neuesten Stand
der Wissenschaft zu organisieren.
Die Behandlungsrichtlinien für Diabetes wurden in den Leitlinien der Österreichischen
Diabetesgesellschaft und
in ‚Arznei und Vernunft‘ definiert.
‚Den durchschnittlichen Diabetikern und auch vielen Ärzten sind diese
Leitlinien nicht bekannt‘, gab Dr. Langeder zu bedenken.
Heute treten bei der Behandlung häufig folgende Probleme auf:
- zu später Behandlungsbeginn
- Unterschiede in der Behandlung
- Kosten durch Doppelgleisigkeiten
- mangelndes Schnittstellenmanagement (Hausarzt - Spital- Internist)
- zum Teil fehlende Spezialstrukturen (Fußambulanz)
Typ 2 Diabetiker haben ein hohes potentielles Risiko:
- 2-mal häufiger Bluthochdruck
- 2-mal häufiger Herz-Kreislauferkrankungen
- 30-mal häufiger Amputationen
- 4- bis 10-mal häufiger Schlaganfälle
- 2- bis 6-mal häufiger Verschlusskrankheiten
Deshalb sind die Vorsorge und frühe richtige Behandlung sowohl für
den Einzelnen als auch gesundheitspolitisch
von großer Bedeutung.
Was bringen DMPs dem Patienten?
- Disease Management Programme reduzieren die Krankenhausaufnahmeraten und erhöhen
die Lebensqualität
- Verbesserung des Wissens über Diabetes
- 94 % der Patienten bewerteten DMPs als exzellent, sehr gut oder gut
- Kosteneinsparungen z.B. durch geringere Anzahl von Notfällen
Grundlagen des Disease Managements sind:
- Vernetzte Leistungserbringung über die gesamten Krankheitsverläufe
- Umfassende Kenntnisse zu Prävention, Diagnose, Behandlung und Nachbetreuung
- Kontinuierliche Weiterentwicklung der Betreuungsprozesse innerhalb festgelegter
Qualitätsrahmen
- Praxisrelevante Behandlungsrichtlinien
- Informationssysteme
Die am DMP teilnehmenden Ärzte erhalten eine Ausbildung in Train the Trainer
Seminaren, ihre Namen / Adressen
werden vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger bekannt gegeben.
Die am DMP teilnehmenden Patienten sollen gemeinsam mit dem Arzt eine Zielvereinbarung
über die weitere Behandlung treffen (HbA1c, Blutdruck, Lipidsenkende Therapie,
Lebensstiländerung (Nikotin, Alkohol, Bewegung), Gewicht, Fußkontrolle)
und erhalten Unterlagen, Beratung und bei Bedarf eine Gruppenschulung mit einer
Diabetesberaterin.
Mind. 1 x jährlich führt der DMP-Arzt Untersuchungen auf Begleit-
und Folgeerkrankungen durch, dokumentiert diese und überprüft und
korrigiert gemeinsam mit den Patienten ev. die Zielvereinbarung.
Die individuelle Zielvereinbarung mit dem Arzt und das Wissen über die
Risiken und richtige Behandlung sind wichtig für das Einverständnis
der Diabetiker/innen, aus dem ‚Du musst‘ soll ein ‚Ich möchte‘, also Motivation
entstehen.
‚Das Disease Management ist eine Chance - informierte Ärzte bieten umfassende
Betreuung, informierte Patienten
holen sich Hilfe zur Selbsthilfe‘, fasste Herr Dr. Glehr seine Ausführungen
zusammen.
‚Wir begrüßen diese österreichweite Initiative zur Verbesserung
der Diabetikerbetreuung, an der wir Selbsthilfevereine auch mitgearbeitet haben,
natürlich‘, meinte Frau Dr. Langeder.‚
Bedauerlicherweise sind Kurse zur so wichtigen Bewegung im DMP nicht vorgesehen,
auch würden wir uns Vereinfachungen für die Patienten wie etwa bei
der chefärztlichen Bewilligung für Analoga oder Medikamente für
drei Monate mit einer Rezeptgebühr wünschen.‘
Nach der Pause las die aus Wiesbaden angereiste Typ 1-Autorin Grit Ott
aus ihren beiden Büchern - schön, dass sie nach 50 Jahren Diabetes
so gut drauf ist!
Vielen Dank an alle Referent/innen für ihre honorarfreien Beiträge,
an alle Firmen - vor allem jene, die Preise für unser Preisausschreiben
zur Verfügung gestellt haben - und an die vielen, vielen Besucher/innen
für ihre Teilnahme!
Großer Dank gebührt auch den vielen hilfreichen Aktiven!
Dr. Helga Grillmayr