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DIABETIKER - SCHULUNG      Teil 1

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DIABETIKER-SCHULUNG
Eine Informationsserie von Dr. Susanne PUSARNIG


Liebenswürdigerweise hat sich Frau Dr. Pusarnig bereit erklärt, für unsere Leser/innen alle wichtigen Aspekte im Umgang mit dem Diabetes in mehreren Folgen zu beleuchten
- herzlichen Dank!

1. Folge: Stoffwechsel beim Nicht-Diabetiker - Arten des Diabetes

Diese Texte sind eine Sammlung aus Informationen zu Diabetes mellitus und meinen Erfahrungen in 15jähriger Arbeit als begleitende Ärztin von Diabetikern in der Diabetes-Ambulanz Lainz in Wien, in der Diabetes-Ambulanz am Wienerberg und nun seit 2003 in meiner eigenen Ordination.
Hier kann ich mit Mitarbeitern, die ich mag und sehr schätze, Diabetiker sehr individuell behandeln, betreuen und begleiten - und versuchen, mit und für jeden Patienten die Therapieform zu finden,

- mit der er oder sie mit Alltag am besten zurecht kommt,
- die eine möglichst gute Einstellung ergibt zur Vorbeugung der Folgeschäden,
- die selbst-bestimmtes Leben möglich macht,
- die ohne Verbote auskommt, wohl aber „Spielregeln“ kennt.

Mehr über Diabetes wissen = besser damit zurecht kommen.


Bei ihnen ist ein erhöhter Blutzucker festgestellt worden...


Eins gleich zu Beginn: Diabetes mellitus geht nicht mehr weg - die Diagnose wird Sie Ihr Leben lang begleiten.
Aber Sie können damit genau so lange leben wie jemand ohne Diabetes, können mit ganz wenigen Ausnahmen jeden Beruf haben, viel Bewegung,
jeden Sport, jede Reise machen! In Einzelfällen ist es sogar möglich, durch Wissen, Gewichtsabnahme und Bewegung Blutzucker-Werte wie bei
einem Stoffwechsel-Gesunden durch viele Jahre auch ohne Medikamente zu erreichen.

Ich werde Ihnen hier ganz kurz und ganz einfach erklären, wieso die Sache mit dem Zucker so wichtig ist, wie das im Körper funktionieren sollte und
wie es überhaupt dazu kommt, dass der Blutzucker ansteigt.

Der „Zucker im Blut“ heißt auf den Labor-Befunden meist Blut-Glukose. Dieser Blutzucker ist gar nichts Schlimmes: jeder Mensch hat immer Zucker im Blut. Das Gehirn vor allem, aber auch Muskel- und Fettgewebe, Leber und Niere, brauchen Zucker als Energie-Lieferanten. Zucker ist für unseren
Körper fast dasselbe wie Benzin fürs Auto! Nur zuviel davon sollte nicht im Blut herumschwimmen...-...das tut‘s bei Ihnen aber!

Damit Sie verstehen, was da in ihrem Körper passiert, erzähle ich Ihnen hier zuerst, wie der Zuckerhaushalt beim Gesunden funktioniert:

Bitte stellen Sie sich eine Muskelzelle vor: Die hat Zucker-Vorräte eingelagert, von mir als kleine Zucker-Stückchen in der Zelle drin gezeichnet. Klar ist das ganz stark vereinfacht, aber schauen wir es uns erst mal so miteinander an:
Aus den Zucker-Lagern holt sich die Zelle ihre Energie: zum Leben, für Arbeit, Bewegung, Sport... Die Zucker-Vorräte werden also immer weniger,
Nachschub muss her!

Die Zelle braucht Zucker! Woher? Der Zucker kommt mit dem Blut zu den Zellen. Manche Zellen, wie die im Gehirn, brauchen sogar dauernd ein wenig Zucker-Nachschub, deshalb hat jeder Mensch immer Zucker im Blut, das ist gut und richtig so!

Wo kommt der Blutzucker denn her? Na ganz einfach: Der kommt aus dem Essen. Sie spüren ja, wie Sie hungrig werden, wie Ihr Körper neue Energie braucht. Wenn Sie nun etwas essen, wo Zucker drin ist, ist es logisch, dass der Zucker im Darm in den Körper aufgenommen wird und bald als Blutzucker rumschwimmt, aus dem unsere Muskelzelle ihre Vorräte auffüllen sollte.

Es gibt auch viele Lebensmittel, die „Kohlenhydrate“ (vor allem: Stärke) enthalten, wie Brot, Nudeln, Reis, Erdäpfel, Knödel, Nockerln... Stärke ist
nichts anderes als ein lange Kette von vielen Zucker-Molekülen; die sind aneinander gehängt und das schmeckt dann nicht mehr süß.
Schon im Mund beginnt der Speichel, die Stärke-Moleküle abzubauen, zu kürzeren Ketten zuerst, dann zu den einzelnen Zucker-Molekülen. Das können Sie selbst bemerken: wenn Sie zum Beispiel eine Semmel essen und sie lange kauen, schmeckts plötzlich süß, obwohl in der Semmel ja nur Mehl drin ist! Da haben Sie den Beweis, dass die Stärke im Mehl zu Zucker abgebaut wird.

Das Zerlegen der Kohlenhydrate geht im Magen und Darm weiter, bis zuletzt die einzelnen kleinen Zucker-Moleküle durch die Darmwand schlüpfen
und nun auch im Blut als Blutzucker angekommen sind. Die Stärke in Brot und Beilagen wird also auch zu Zucker abgebaut, nur dauert das und so kommt der Zucker viel langsamer ins Blut als wenn Sie Süßigkeiten essen oder Cola trinken.

So, zurück zu unserer hungrigen Muskel-Zelle: die braucht also Zucker-Nachschub. Sie haben was gegessen und nach einiger Zeit schwimmt nun mehr Zucker im Blut herum. Auch das ist ganz normal und bei jedem Menschen und bei jedem Säugetier so! Nun sollte man meinen: „Passt! Die Zelle hat Hunger, da schwimmt mit dem Blut leckerer Zucker an ihr vorbei, den braucht sie sich nur holen!!“
Doch das geht nicht so einfach. Jede Zelle hat um sich herum die Zellwand, und da kann der Zucker alleine nicht durch! Es gibt zwar Kanäle durch die Zellwand, durch die der Zucker da hineinschlüpfen könnte, aber die sind normalerweise verschlossen...

Und so muss die hungrige Zelle zusehen, wie der Blutzucker an ihr vorüber schwimmt, den sie so gerne in sich drin hätte, um wieder Energie zu bekommen..
Zum Glück gibt‘s da jemanden, der die Zucker-Kanäle in der Zellwand „aufsperren“ kann:
Das Insulin, das „Zuckerhormon“,

von dem Sie vielleicht schon gehört haben.
Hinten im Bauch liegt die Bauchspeichel - drüse (das „Pankreas“).
Sie macht Verdauungssäfte und hier wird auch dieses wichtige Hormon, das Insulin hergestellt.
Den ganzen Tag über macht die Drüse ein bisschen Insulin, und wenn Sie etwas essen, sogar schon, wenn Sie etwas Gutes erst im Mund haben, beginnt sie ganz stark zu arbeiten und erzeugt innerhalb einiger Minuten viel mehr Insulin, bis zum Achtfachen vom „Ruhebetrieb“!
Das Insulin ist ein Hormon, und wird wie jedes Hormon ins Blut abgegeben.
So, nun zeichnen wir es dazu: im Blut schwimmt jetzt der Blutzucker herum und auch das Insulin (und viele viele andere Stoffe, die uns jetzt gar nicht interessieren).
Das Insulin sucht sich „Andock - Stellen“ auf der Zellwand („Rezeptoren“), setzt sich dort drauf und - „macht ein Türchen auf, damit der Zucker in die Zelle kann“!
So sollte das sein - nun ist wieder alles in Ordnung: Die Zelle bekommt ihren Zucker-Nachschub und ist zufrieden.

So sollte das sein.....

Sie denken sich bestimmt schon „aber bei mir muss damit irgendwas nicht in Ordnung sein, wenn mein Blutzucker zu hoch angestiegen ist!“

 

WARUM wird denn jemand „zuckerkrank“, also Diabetiker?

WIE genau kann es denn geschehen, dass der Stoffwechsel so aus dem Gleichgewicht kommt, dass die Blutzuckerwerte zu hoch werden ?

WAS passiert da im Körper?

Ist das bei allen gleich?

Nein ist es nicht!

Typ 1 / Typ 2


Es stimmt zwar, dass alle „Süßen“ eins gemeinsam haben: die erhöhten Blutzucker-Werte. Das ist aber auch schon alles – die Blutzucker-Werte sind höher als bei Gesunden, aber dafür gibt es verschiedene Ursachen. So wie ja zum Beispiel Fieber auf ganz verschiedene Krankheiten
hindeuten kann, auf eine Lungenentzündung oder einen Harnwegsinfekt oder einfach einen Sonnenbrand – oder…..

Eins gleich vorweg: früher hat man Ausdrücke verwendet wie „Alterszucker“ (waren das nur Alte, die zuckerkrank waren? Oder Leute, die schon lange Zeit Diabetes haben?) oder „jugendlicher Diabetes“ (wie heißt das dann, wenn ein Jugendlicher erwachsen wird?) .

So nennt man die Erkrankungen heute nicht mehr. Man benennt nun die verschiedenen Arten des Diabetes nach ihrer Entstehungs-URSACHE. Das ist nicht nur interessant zu wissen – die Ursache des Diabetes zu kennen ist ganz wichtig für die Behandlung - es gibt Methoden und Medikamente, die bei einem Diabetes-Typ sehr gut, beim anderen aber gar nicht oder nur wenig wirken!

Wenn daher bei Ihnen ein erhöhter Blutzucker-Spiegel festgestellt wurde, sollten Sie unbedingt Ihren Arzt fragen, um welchen Diabetes-„Typ“ es sich handelt. Fragen Sie ruhig auch, womit der Arzt seine Diagnose begründet.
Denn: wenn Sie das wissen, können Sie selbst viel besser über Ihre Behandlung mitentscheiden – und wann immer Sie zu einem anderen Arzt oder ins Spital kommen, werden Sie gefragt: „So, Sie haben also Diabetes? Typ 1 oder Typ 2?“.
Irgendwie peinlich, wenn man drauf keine Antwort weiß…

Hier erst ein kurzer Überblick, ich werde auf die einzelnen Diabetes-Formen in den nächsten Heften gerne noch näher eingehen:
Die wichtigsten Hauptgruppen sind:


I. Typ 1 Diabetes mellitus:
eine Autoimmunkrankheit, die zur Zerstörung der Insulin-produzierenden Zellen führt. Diese Erkrankung kann in JEDEM Lebensalter auftreten
– und wurde früher oft „jugendlicher“ Typ 1 Diabetes genannt. Ich kenne selbst einige Menschen, die erst in der Pension Typ 1 Diabetiker wurden – nun, denen kann man schwer erzählen, dass sie „jugendliche“ Diabetiker seien… Die meisten sind bei der Entdeckung eher junge Menschen, Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene – aber es gibt eben auch die älteren mit dieser Erkrankung.

Typ I Diabetiker müssen IMMER von Anfang derErkrankung an Insulin spritzen!

II. Typ 2 Diabetes:
der ist wesentlich häufiger, 90 von 100 Diabetikern sind „Typ 2-Diabetiker“. Eine Erkrankung, bei der der Körper unempfindlicher aufs Insulin wird – man nennt dies „Insulinresistenz“. Vor allem die Zellen im Muskel, in der Leber und im Fett können dann nicht mehr gut aufs Insulin reagieren. Zusätzlich können bei diesen Menschen meist die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse nicht mehr genug Insulin produzieren.

III. Andere Diabetestypen
Die sind selten, da gibt’s zum Beispiel genetische Defekte der Funktion der insulinbildenden Zellen oder der Insulinwirkung an der Zelle.
Auch Erkrankungen der ganzen Bauchspeicheldrüse können dazu führen, dass die Beta-Zellen im Zuge dieser Erkrankung geschädigt oder
zerstört wurden - auch dann entsteht ein Insulin-Mangel und damit erhöhte Blutzucker-Werte.
Manchen Menschen müssen die Bauchspeicheldrüse, oder Teile davon, operativ entfernt werden, etwa nach schweren Unfällen oder bei
Tumor-Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Wenn die gesamte Bauchspeicheldrüse weg ist, kann natürlich kein Insulin mehr gebildet werden
– auch diese Menschen müssen Insulin spritzen!
Bei manchen anderen Erkrankungen Hormon-produzierender Drüsen kann auch der Blutzucker-Stoffwechsel mitbetroffen sein und die Betroffenen
können Diabetiker werden.
Ganz selten können manche giftige Substanzen Diabetes auslösen, und es gibt manche andere genetischen Erkrankungen mit Bezug zu Zuckererhöhungen.

IV. Schwangerschafts-Diabetes
Durch die starken Hormon-Veränderungen in der Schwangerschaft verändert sich auch der mütterliche Stoffwechsel. Bei bis zu 5% aller
Schwangeren werden dabei die Blutzuckerwerte zu hoch - also wird ca. bei jeder 20. Schwangeren ein „Schwangerschaftsdiabetes“
festgestellt.
Deshalb ist es so wichtig, dass werdende Mütter unbedingt einen Zucker-Belastungs-Test zwischen der 24. und der 28. Schwangerschafts-Woche machen - auch wenn es in ihrer Familie bis jetzt keinen Diabetes gegeben hat! Wenn sie allerdings einen oder mehrere der folgenden Risikofaktoren hat, sollte bereits im 1. Drittel der Schwangerschaft der Test durchgeführt werden:
Übergewicht, Diabetes in der Familie,Schwangerschafts-Diabetes in einer früheren Schwangerschaft, Geburt eines Kindes, das über 4500 Gramm
gewogen hat, wenn sie bereits eine Totgeburt durchgemacht hat, und auch wenn es vor dieser Schwangerschaft drei oder mehr Fehlgeburten
hintereinander gegeben hat.

Dr. Susanne PUSARNIG
Praktische Ärztin
Diabetes-Beratung

1230 Wien, Ketzergasse 435-437
(Endstelle Tram 60 von Hietzing (U4) Bus 60A, 253,255 von S-Bahn Liesing)

Tel. 01 / 888 67 23
E-mai-: ordination@pusarnig.at
Homepage: www.pusarnig.at

 

Mehr über den Zuckerbelastungs-Test u.v.a. in der nächsten Ausgabe.

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