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Diabetiker - Schulung 2. Folge ( Behandlung )

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" Diabetiker - Schulung " Eine Informationsserie von Dr. Susanne PUSARNIG

 

2. Folge: Typ 2 Diabetes-Behandlung

In den folgenden Heften werde ich ihnen viel von den verschiedensten Möglichkeiten, Diabetes Mellitus Typ 2 zu behandeln, berichten.

Wir begleiten eine Wiener Diabetikerin, von der Entdeckung des Diabetes 2001 bis heute.
Sie hat zugestimmt, dass ich ihre Geschichte berichte – die Fakten, die Sie hier lesen, sind wahr, ihren Namen und andere persönliche Angaben habe ich verändert.

Frau Corinna ist im Sommer 2001 gerade 43 Jahre alt geworden. Sie hat zwei Söhne, 15 und 17 sind die beiden - da ist in der Familie immer etwas los. Sie ist Sekretärin in einer Computer-Firma, in der letzten Zeit war das Arbeitsklima eher schlecht, es gab sehr viel zu tun und sie ist oft erst spät nach Hause gekommen. Klar war sie da oft müde...
Umso mehr hat sie sich auf den Sommerurlaub auf einem Salzburger Bauernhof gefreut. Nur: die Müdigkeit wird dort eigentlich immer ärger, sie mag gar keine Ausflüge mehr machen und ist immer so schnell erschöpft. als die Wirtin bemerkt, dass sie noch dazu fast den ganzen Tag irgend etwas trinkt, schickt sie ihren Gast recht energisch zum praktischen Arzt. Der macht gleich in der Ordination einen Blutzucker-Test: 325 mg%!

Er schreckt sich sichtlich, und als Corinna darauf besteht, erstmal Urlaub zu machen und sich nicht weiter um diesen Befund kümmern will, wird er sehr ernst: er erklärt ihr, dass bei gesunden Menschen der Blutzucker tagsüber nie höher als 200mg% ist und dass auch ihre Müdigkeit und ihr Grant vom hohen Zucker verursacht sind.
Na gut, aber Corinna will sich erst in Wien behandeln lassen und fährt eine Woche früher als geplant nach Hause. Darauf kommt sie zum ersten Mal zu mir, der Blutzucker nun 347mg%, das HbA1c 11,9%, auch im Harn finden sich Zucker - und zum Glück nur Spuren von Aceton.
Sie ist recht verzweifelt - sie mag doch nicht zum Arzt gehen, und Tabletten schlucken mag sie schon gar nicht! Da ist sie ganz stur. Und einige Bekannte haben ihr gesagt „Oje zuckerkrank! du Arme! Da darfst Du ja gar nichts mehr....“. Genau das befürchtet sie ja auch - und da will sie am liebsten nicht allzuviel von alledem hören...

Aber für ein Blutzucker-Messgerät interessiert sie sich schon, denn dann „kann ich auch zuhause nachschauen ob der Zucker da auch so hoch ist... und ob das wirklich was damit zu tun hat, wenn ich mich manchmal so komisch fühle!“
Ich bin zwar ziemlich besorgt, aber wir handeln eine gute Vereinbarung aus: Corinna wird einige Tage hindurch ihren Blutzucker mehrmals täglich messen. Sie wird mir drei Tage später persönlich davon berichten, dann sehen wir weiter, und falls es ihr schlechter geht, soll sie mich sofort anrufen, das verspricht sie mir gerne.

Nach drei Tagen zeigt sie mir ihre Blutzucker-Werte. Sie hat schon herausgefunden, dass die ein bisschen nach unten gehen, wenn sie längere Zeit
gar nichts isst und wenn sie im Garten arbeitet. Sie sieht aber auch, dass die Blutzucker-Werte von alleine gar nicht mehr „normal“ werden wollen - und sie stimmt nun zu, als erstes Medikament das Metformin zu versuchen, erstmal in einer kleinen Dosis von 500mg zum Frühstück.
„das sind aber große Tabletten!“
- „ Ja leider, Metformin gibt’s nicht kleiner! Versuchen Sie es doch bitte, erstmal nur mit einer halben Tablette zum Frühstück!“

Sie fragt, was sie denn jetzt essen soll - und ist ganz erstaunt, als sie hört, dass sie nicht sofort Broteinheiten zählen soll, sondern dass es vielmehr
darauf ankommt, Fleisch, Wurst, Käse etwas zu reduzieren - und dass sie ganz normale Portionen von Beilagen und Brot essen darf, wobei Vollkorn-Produkte zwar günstiger, aber nicht unbedingt nötig sind.
Dass sie ab jetzt keine Cola und keine anderen „Zuckersafteln“ mehr trinken wird, ist für sie fix, als sie hört, dass in einer Flasche Cola ca 150 g Zucker drin sind - 15 Dekagramm!
Damit kann ich ja einen ganzen Kuchen backen!“. Cola light wäre okay, aber das schmeckt ihr nicht. Na, sie wird es nochmal probieren - und sonst einfach Wasser trinken. Der Durst ist ja gar nicht mehr so arg - sie hat aber auch gar keinen Zucker mehr gegessen, seit sie vom Diabetes weiß.
Und weil sie ja nicht wusste, was man da essen darf, hat sie generell weniger gegessen - ihre Werte gestern und heute waren zwischen
200 und 300mg%.
Sie sagt, sie habe ohnehin in den letzten Wochen 5 kg abgenommen - leider muss ich ihr da erzählen, dass das von den viel zu hohen Blutzucker-
Werten ausgelöst wurde - und dass das vor allem Verlust von Wasser war, als ihr Körper versuchte, mit viel Harn den Zucker loszuwerden.

Wir sehen oder hören uns dann regelmäßig, Anfang September hat sie bereits 77kg, also schon 5kg abgenommen, und die Blutzucker-Werte
bewegen sich zwischen 90 und 170 mg%. Sie ist erstmal damit sehr zufrieden, fühlt sich viel besser: „Richtig jünger fühle ich mich, ich hab ja gar nicht gemerkt, was ich alles nicht mehr gemacht habe! Nichts hat mir mehr Spaß gemacht und ich wollte abends immer nur schlafen und nicht weggehen. Diese Woche war ich schon mit meinem Mann im Kino und dann Essen und auch in der Arbeitgeht’s viel leichter, ich schaffe einfach
wieder mehr an einem Tag!

Das Metformin hat sie gesteigert - erst auf eine ganze Tablette á 1000mg täglich, dann kam eine zweite Tablette abends dazu. Ganz am Anfang hatte sie ein wenig Bauchgrummeln - aber da war sie vorgewarnt und das gab sich auch bald.

Drei Monate nach der Diagnose Diabetes hat Corinna nur mehr 74 kg, sie schaut blendend aus, hat fast 2 Kleidergrößen weniger, und das HbA1c liegt bei 7,7%. Corinna und ich sind begeistert - und ich gratuliere ihr herzlich zu ihrem tollen Erfolg.

„Aber das HbA1c soll doch unter 7 sein? das hab ich gelesen!“- „Jaja, stimmt schon, aber seien Sie doch bitte nicht allzu ungeduldig! Es war
sooo hoch am Anfang, erinnern Sie sich noch? 11,9 im August! das heißt, da war ihr Blutzucker durchschnittlich über 250 mg%!
Und jetzt haben Sie fast nur mehr Werte zwischen 70 - 160mg% - das wird das nächste Mal ein Super-Hba1c, aber das braucht noch ein bisschen!“ - Und weil Corinna so neugierig ist, machen wir schon nach weiteren sechs Wochen, Anfang Dezember 2001, wieder ein HbA1c: 6,4%! Super! Bravo!

Tja - so beginnt die Diabetes-Geschichte von Corinna - und es geht spannend weiter, denn es ist nicht immer gleich alles so glatt gegangen. Manchmal wurde es richtig spannend - aber davon erzähle ich im nächsten Heft weiter!

Metformin - Vor- / Nachteile


+ Blutzuckersenkung ohne höheren Insulinspiegel
+ keine Gewichtszunahme
+ keine Hypogefahr
+ günstiger Einfluss auf den Fettstoffwechsel (Senkung der Triglyzeride)
+ leichte Appetit-Minderung
+ Gefäß-schützende Effekte

- es gibt Kontra-Indikationen (Zustände, bei denen das Medikament nicht
    verwendet werden darf):
    Niereninsuffizienz, hohes Lebensalter, schwere Herz- oder
    Lungenkrankheiten
- evtl. Nebenwirkungen am Anfang der Therapie und bei höherer Dosierung:
    Durchfälle, Bauchschmerzen

 

Metformin

Metformin senkt vor allem die Blutzucker- Werte nach dem Essen. Es beeinflusst die Blutgerinnung positiv und dürfte auch eine leicht vorbeugende
Wirkung haben gegen Krankheiten, die durch Arteriosklerose ausgelöst werden. Die Insulin-Spiegel im Blut werden geringer bei besseren Blutzucker- Werten - ein durchaus positiver Effekt!
Durch Metformin können keine Unterzuckerungen (Hypoglykämien) auftreten. Es macht die Gewichtsabnahme etwas leichter und kann auch die Triglyzeride (Neutralfette) im Blut senken.
Daher ist es ein sehr gutes Medikament für Patienten mit metabolischem Syndrom, also Patienten, die übergewichtig sind und auch einen zu hohen
Blutdruck haben. Metformin wird nun schon seit fast 40 Jahren verwendet und ist das am besten untersuchteMedikament für Diabetes Mellitus 2.
Es wirkt deutlich und verlässlich.
Metformin wird daher weltweit als wichtigstes Medikament bei übergewichtigen Typ2-Diabetikern eingesetzt. Es kann deutlich bei der Verbesserung
der Einstellung helfen, Hba1c-Rückgänge von 1,5 % sind gut möglich.

Nebenwirkungen

Metformin darf nicht von Patientenmit einer eingeschränkten Nierenfunktion genommen werden, nicht bei schweren Lebererkrankungen, Pankreatitis,
Alkoholismus!, schweren Herz- und Lungenerkrankungen - alles Zustände, die zu einer schlechten Sauerstoff-Versorgung des Gewebes führen.
Man sollte es auch nicht bei extremen Hungerkuren nehmen (die aber ohnehin nicht mehr zur Abnahme empfohlen werden sollten, weil sie meist auf Dauer nicht wirken), auch nicht bei Alkoholismus. Und natürlich nicht bei beginnender Stoffwechselentgleisung beim Diabetes Mellitus!

Am Beginn der Behandlung kann es zu leichten Beschwerden im Magendarmbereich kommen: Völlegefühl, Blähungen... fast immer geben sich
diese Beschwerden nach der ersten Woche!
Um dies möglichst zu verhindern, kann man mit einer geringen Dosis (zb. 500 -850 mg zum Frühstück) anfangen und erst, wenn diese gut vertragen
wird, die Dosis steigern; zuerst auch abends 850 mg; insgesamt maximal 3000mg/Tag.
Zur Vermeidung der Bauchbeschwerden hilft es auch, Metformin zu den Mahlzeiten und nicht auf nüchternen Magen zu nehmen!
Dosierung: Beginn meist mit 1 x 500 oder 850 mg, morgens oder abends zu den Mahlzeiten. Langsam steigern, bis auf maximal 3000 mg/d.
Achtung! in den letzten drei Tagen vor einer Operation oder einer Kontrastmittel-Untersuchung sollte Metformin abgesetzt werden. Dann fehlt
aber die Wirkung des Medikamentes - die Patienten müssen das wissen und werden daher in diesen drei Tagen ganz besonders gut auf die Diät achten - und damit meist mit einem guten Blutzucker-Wert im Krankenhaus erscheinen!
Metformin hat bei manchen Patienten eine leicht appetit-verringernde Wirkung.
Dass es unter Metformin zu keiner Gewichtszunahme bei sehr guter Wirksamkeit des Medikamentes kommt, ist ein Hauptvorteil dieser Substanz!

Dr. Susanne PUSARNIG
Praktische Ärztin
Diabetes-Beratung
1230 Wien, Ketzergasse 435-437

(Endstelle Tram 60 von Hietzing (U4)
Bus 60a, 253, 255 von S-Bahn Liesing)
tel. 01 / 888 67 23
e-Mail: ordination@pusarnig.at
Homepage: www.pusarnig.at

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