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" DIABETIKER-SCHULUNG"
Eine Informationsserie von Dr. Susanne PUSARNIG |
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Erinnern Sie sich noch an Corinna? Frau Corinna war jene Diabetikerin, die im Sommer 2001 bei Blutzucker- Werten um 400 mg% ihren Diabetes entdeckte - und die es dann nur mit Metformin, Bewegung und Gewichtsabnahme schaffte, im Dezember 2001 sehr gute Blutzucker-Werte und ein HbA1c von 6,4% zu haben.
Ich hab Ihnen versprochen zu erzählen, wie es dann weitergegangen ist.
Also, Frau Corinna hat ihren Termin im Februar 2002 mehrmals telefonisch verschoben - sie kam dann 2002 knapp vor Ostern - und der HbA1c war auf 7,6% geklettert. Sie hatte 2 kg zugenommen und erzählte, dass sie es nicht mehr geschafft habe, so diszipliniert wie in den ersten Monaten zu essen - und im Winter mache sie halt auch weniger Bewegung. Das sei aber doch alles nicht so schlimm, wo sie doch schon Werte um 400 ganz gut ausgehalten habe - immerhin sei das jetzt ja noch immer viel besser!
Ja, das stimmt schon - trotzdem hab ich ihr sagen müssen, dass ein HbA1c über 7 einfach zu hoch ist und dass sich an der Behandlung ihres Zuckers etwas ändern muss. Ich sah damals zwei Möglichkeiten: entweder wieder zurück zum gesunden Leben, die 2 kg oder besser noch ein wenig mehr abnehmen - und eine Kontrolle in knapp 3 Monaten fix vereinbaren.
Oder, wenn Corinna meint, dass das "im Moment einfach nichts werden kann mit dem Abnehmen" - dann ist das eben jetzt so und ich akzeptiere das - es gibt Zeiten, da hat man einfach nicht die Kraft dafür, vielleicht geht's ja etwas später wieder. Aber dann ist es sehr wichtig, trotzdem das HbA1c unter 6,5 zu senken - und dann braucht sie auf jeden Fall ein neues Medikament zusätzlich zum Metformin.
Frau Corinna meinte, sie werde bestimmt ihr Gewicht wieder reduzieren
können und wir vereinbarten einen Termin für Mai 2002.
Nur leider, als sie da wieder kam, hatte sie nicht 2 kg abgenommen, sondern
1 kg zugenommen! Sie hatte immer wieder versucht weniger zu essen, dann ging
ein halber oder ein ganzer Kilo runter - und schnell wieder rauf. Sie erzählte
nun auch, dass der eine Sohn große Probleme in der Schule hatte, was ihr
Mann überhaupt nicht verstehen könnte - der meinte einfach immer nur,
der Bub sei schlicht zu faul zum Lernen. Es läge nur bei ihr damit umzugehen,
mit den Lehrern zu reden und zu überlegen, wie es am besten für ihren
Sohn weitergehen könnte. Für Ausgleichssport war da leider keine Zeit,
sie hatte auch noch im Beruf gerade viel zu tun und auch ein wenig Ärger
mit einer neuen Mitarbeiterin. Wir bestimmten das HbA1c - 8,2%! Nun musste
aber wirklich etwas geschehen, Frau Corinna war bereit, ein zusätzliches
Medikament zu nehmen.
An dieser Stelle verlassen wir Frau Corinna wieder, denn: heute gibt es ein Medikament, das ich ihr in dieser Situation gerne gegeben hätte, das aber damals noch gar nicht erhältlich war: Es ist das neue Januvia®, das "Sitagliptin", das ist der chemische Name dazu. Januvia® kann nun schon auf Krankenkassenkosten verordnet werden, es wäre damals das ideale Medikament für Frau Corinna gewesen - nur leider gab's das noch nicht!
Weil ich aber weiß, dass sich immer alle Diabetiker besonders für Neues interessieren, beschreibe ich hier die Wirkung von Januvia® - und Frau Corina begleiten wir das nächste Mal weiter!
Januvia®
im Handel als Tabletten mit 100mg. Januvia® ist für die Kombinationstherapie mit Metformin oder Insulin-Sensitizern (Glitazonen, also Actos® oder Avandia®) zugelassen, wenn sich mit diesen Medikamenten plus Bewegung und Diät keine ausreichende Blutzuckerkontrolle erzielen lässt.
Wirkung
Seit langem weiß man schon, dass auch unser Darm Hormone herstellt, die eine wichtige Rolle im Zucker - Stoffwechsel spielen: Wenn man einem Menschen dieselbe Menge Glukose (Zucker) einmal zu trinken gibt und einmal als Infusion, dann produziert der Körper nach dem Trinken der Zuckerlösung viel mehr Insulin als wenn dieselbe Menge in die Vene als Infusion gegeben wird - ein erstmal überraschender Befund!
Die Ursache dafür: Im Dünndarm werden Darmhormone hergestellt, man nennt sie "Inkretine". Die beiden wichtigsten heißen GIP (Gastric Inhibitory Peptide) und GLP-1 (Glucagon-like-Peptide-1), sie wurden schon in den 8O-Jahren entdeckt.
Wenn zuckerhältige Nahrung in den Darm kommt, stellt der Darm mehr von diesen Hormonen her. Die bewirken dann, dass die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin freisetzt.
Leider haben Menschen mit Typ 2-Diabetes auch zu wenig von diesen Darmhormonen. Daher versuchte man, diesen "Inkretin-Effekt" zur Behandlung zu nutzen - was bis jetzt nicht möglich war, weil das GLP-1 in ganz kurzer Zeit, wenige Minuten nachdem es hergestellt wurde, auch schon wieder abgebaut wird - durch ein Enzym, das DPP-IV heisst (Dipeptidyl-Peptidase IV). Diese DPP-IV baut auch andere, ähnlich gebaute Eiweiße im ganzen Körper ab. Januvia® hemmt nun seinerseits diese DPP-IV - das heißt, das Enzym, welches das Darmhormon GLP-1 abbaut, wird in seiner Wirkung behindert. Also kann das DPP-IV das Darmhormon nicht so schnell abbauen - und dieses kann länger wirken! Daher verstärkt Januvia® die Wirkung der Inkretine (Darmhormone).
Die Darmhormone GLP-1 und GIP bewirken eine stärkere Insulin-Freisetzung nach dem Essen - sie bremsen die Freisetzung von Glukagon, dem "Gegenspieler-Hormon" des Insulins, daher wird der Blutzucker-Spiegel nach dem Essen besser reguliert.
Januvia® ist für die Kombinationstherapie mit Metformin oder Insulin-Sensitizern (Glitazonen) zugelassen, wenn mit diesen Medikamenten, Diät und Bewegung die Blutzucker-Einstellung nicht gut genug wird. Es ist nur für Typ 2 Diabetiker zugelassen.
Derzeit, Anfang 2008, ist Januvia® in Österreich in der "dunkelgelben Box" -das heißt, es kann vom Chefarzt bewilligt werden:
Die Behandlung darf nur bei Patienten mit einem Body Mass Index größer als 26 begonnen werden.
Januvia® darf nicht mit Insulin kombiniert werden. Alle 6 Monate ist eine HbA1c-Bestimmung durchzuführen.
Nebenwirkungen:
Wenige - im Allgemeinen wird es sehr gut vertragen. Es kann
anfangs zu leichten Beschwerden im Magen-Darm-Bereich kommen, meist Völlegefühl,
ganz selten Erbrechen.
In einigen Studien ist eine Steigerung der Infekt-Anfälligkeit beobachtet
worden, ganz selten Wasser-Ansammlungen (Ödeme) in Armen und Beinen. Bei
leichter bis mittelschwerer Leber- und Nieren-Insuffizienz kann Januvia®
weiterhin genommen werden, bei schwerer Leber- oder Nieren-Insuffizienz müsste
die Dosis angepasst werden - aber nur wenige dieser Patienten werden Januvia®
brauchen.
Über die langfristige Verträglichkeit, besonders in immunologischer Hinsicht, sind derzeit noch keine Aussagen möglich.
Dosierung sehr einfach - einmal täglich 100mg, also 1 Tablette
Auswirkung auf das Gewicht:
Januvia® erhöht NICHT das Gewicht! Viele Diabetiker können damit leichter abnehmen. In einer Studie, in der es kombiniert mit Metformin genommen wurde, führte es zu einer Gewichtsabnahme von 1,5 kg in 24 Wochen. Worauf besonders zu achten ist: Es sind keine unerwünschten Wirkungen mit anderen Medikamenten zu erwarten.
Vorteile:
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Dr. Susanne PUSARNIG Praktische Ärztin 1230 Wien, Ketzergasse 435-437 Tel. 01 /888 67 23 |