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Schulung für Alle!

Mindestens 400.000 Diabetiker sind nicht geschult, oder nicht in ihrem Leben mit Diabetes begleitet: das ist für ein Gesundheitssystem wie das unsrige eine Schande.

Um in unserem Gesundheitssystem eine Bewegung anzuregen, habe ich am Salzburger Diabetologenkongress einige führende Persönlichkeiten angesprochen. Diesen habe ich meine Vorschläge als SMS auf dem jeweiligen Handy lesbar gemacht, mit der Bitte, meine Überlegungen weiterzugeben und mit den Kollegen zu besprechen.

Neue Definition der Schulung

Kommunikation ist wichtig.
Weitergabe der Ergebnisse von Berater zum Arzt.
Therapie muss patientengerecht angepasst werden, den sozialen Lebensbedürfnissen entsprechend.

Daher:

  • Arzt legt Therapie fest
  • Berater bespricht Leben mit Diabetes und versucht im Rahmen der Schulung die Akzeptanzmöglichkeiten beim Betroffenen herauszufinden
  • meldet dies dem Arzt
  • Therapie wird festgelegt

Änderungen müssen möglich sein, um optimale Akzeptanz und krankheitsbedingte Anpassungen zu ermöglichen.
Kommunikation in diesem Sinne auch extramural einrichten, als Teil von Therapie aktiv fordern und zur Bezahlung durch Krankenkassen vorschlagen.

Das österreichische politische System (hier Finanzen der Bundesländer: dort Finanzen der Beitragszahler/Krankenkassen) verbietet beiden Seiten, auf meine Vorschläge einzugehen, denn es werden bedeutende Geldbeträge von den Spitälern zu den niedergelassenen Ärzten verschoben – und das ist mit großen politischen Machtkämpfen verbunden. Dass dabei Patienten zu Schaden kommen, interessiert leider niemanden.

Dies kann nur von der ÖDG, der Gesellschaft unserer Diabetesärzte, als Definition neu der Schulung, sozusagen ex cathedra durchgesetzt werden, nur so muss dies allseits akzeptiert und finanziert werden.
1340 der Beilagen über eine Regierungsvorlage gemäß Art. 15a B-VG über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens sagt im Art. 8, Abs. (3) folgendes: „Die Sicherstellung der Qualität einschließlich der Teilnahme an bundesweiten Qualitätssicherheitsmaßnahmen ist – unabhängig davon, …von welchem Gesundheitsdiensteanbieter sie erbracht werden – verpflichtend.“
Also sind unsere Diabetologen aufgerufen, dieser Verpflichtung zu folgen und Schulung im Sinne einer besseren Wirkung neu zu definieren.

Schulung und Anpassungsschleife – wer bezahlt?

Arzt setzt Therapie fest.
Berater erarbeitet mit Betroffenem die für ihn akzeptabelste Therapievariante und meldet dies dem Arzt.
Dieser setzt die angepasste Therapie fest.
Wiederholungen müssen möglich sein, vor allem bei Änderungen im Leben des Betroffenen, oder zur Verbesserung der Zuckerführung.

Finanziell bedeutet die Erarbeitung einer vom Patienten akzeptierten Therapie eine wesentliche Mehrbelastung der beitragsfinanzierten Seite und eine Entlastung der Spitäler.
Im Zeitablauf bringt dies Verbilligung für alle Bereiche und viel angenehmere letzte Jahre für den Betroffenen.

Durchsetzen kann dies nur die ÖDG, durch eine neue Festsetzung der Therapie. Schulung ist Bestandteil jeder Diabetestherapie.
Alle anderen Systembeteiligten können und dürfen dies nicht, unser
Demokratiesystem verhindert dies.

Nur ein Gewaltakt der ÖDG kann Durchsetzen, dass dies bei allen Abrechnungsvarianten möglich wird.

Mein Standpunkt, dass wir von 800.000 Diabetikern 400.000 ungeschult, oder unbegleitet leben lassen, dürfte unbestritten sein. Wenn die Schulung beim Betroffenen nicht seinem gewohnten Leben, seinen sozialen Notwendigkeiten, seiner individuellen Akzeptanz entspricht, steigt er aus der Therapie, die ihm empfohlen wird, aus und wendet nur einen Teil an. Bis er korrekte Anwendung begreift und auch ausübt, können Jahre vergehen, begleitet von vielen Versuchen.

Unsere Verbesserungsversuche waren zuerst auf Abschaffung eines Teiles des § 50a vom Ärztegesetz gerichtet, bis wir gelernt haben, dass Krankenschwestern als DiabetesberaterInnen laut Gesetz ohnehin schulen dürfen, allerdings ohne auf die Therapie einzugehen.

Aus diesen Gründen nun der Versuch, Schulungen durch Anpassung der Therapie an unsere Lebensumstände begreiflich zu machen. Das Argument: „der Patient will ohnedies nicht“ kann ich nicht anerkennen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand lebensverbessernde oder das Leben verlängernde Maßnahmen nicht befolgt, wenn er diese versteht und diese auch mit seinem Leben in Einklang zu bringen sind.

Foto: © WA Kassin

Dr. Erich Wolfrum
Obmann der „Aktiven Diabetiker Austria“

E-Mail: erich.wolfrum@aktive-diabetiker.at
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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 28.12.2016 - 18:19 Uhr

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