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Diabetes und Herz

Menschen mit Diabetes weisen ein 3-fach erhöhtes Risiko für tödliche Komplikationen der Herzgefäße im Vergleich zu gleich alten Personen ohne Diabetes auf.

„Ich kann mich wirklich nicht daran erinnern, dass ich je einen Herzinfarkt gehabt habe“, berichtet die Patientin dem Kardiologen, welcher im EKG aber klare Hinweise für einen abgelaufenen Herzinfarkt erkennt. Wir wissen aus großen Datensätzen, dass bei Menschen mit Diabetes mellitus und längerer Diabeteslaufdauer, bis zu 30% einen so genannten stummen Herzinfarkt haben, das heißt, im EKG liegen Zeichen eines abgelaufenen Infarktes vor, obwohl die Betroffenen kein Ereignis wahrgenommen haben. Eine wichtige Ursache dafür scheint die Schädigung der Nerven durch die jahrelange Zuckerkrankheit zu sein, die die Schmerzleitung vom Herzen zum Gehirn übernehmen. Aber auch solche stummen Infarkte erhöhen das Risiko, dass weitere Ereignisse auftreten, deutlich.

Von den Folgeerkrankungen, die mit einem Diabetes mellitus in Zusammenhang stehen, kommen der Erkrankung der Herzkranzgefäße und dem damit verbundenen Risiko für Herzinfarkte eine wichtige Bedeutung zu. Menschen mit Typ-1 und Typ-2-Diabetes weisen ein etwa 3-fach erhöhtes Risiko für tödliche Komplikationen der Herzgefäße im Vergleich zu gleich alten Personen ohne Diabetes auf. Dabei spielt nicht nur der Blutzucker eine wesentliche Rolle, sondern auch weitere Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte oder Rauchen, die frühzeitig reduziert werden sollten. Wie eine schwedische Studie aus diesem Jahr gezeigt hat, sind wir durchaus erfolgreich: im Zeitraum zwischen 1998 und 2014 konnten die tödlichen Gefäßkomplikationen bei Typ-1-Diabetes um ein Drittel reduziert, bei Typ-2-Diabetes halbiert werden.

Was ist eine koronare Herzkrankheit und wie tritt sie auf?

Es handelt sich dabei um eine Atherosklerose (Gefäßverkalkung) der Herzkranzgefäße, die mit einer Funktionsstörung der Gefäßinnenwand (Endothel) beginnt und durch Blutzucker, erhöhten Blutdruck, erhöhte Blutfette oder auch Rauchen hervorgerufen wird. Durch andauernde Störung der Gefäßfunktion kommt es schließlich zum Auftreten von Fett- und Kalkablagerung in der Gefäßwand, was zu einer Einengung des Gefäßes führt. Überschreitet diese Einengung eine kritische Größe (meist ca. 70%) so reicht die Durchblutung des Herzmuskels unter Belastung nicht mehr aus und es treten typischerweise stabile Angina pectoris Beschwerden (Drücken oder Brennen hinter dem Brustbein mit Ausstrahlung in den linken Arm oder den Hals), aber auch Atemnot bei Belastung auf. Nach dem Ende der Belastung verschwinden auch die Beschwerden wieder. Genau diese Beschwerden können bei Menschen mit Diabetes nicht mehr so typisch sein oder vollkommen fehlen, wie bereits oben beschrieben.
Die Gefäßablagerungen (Plaques) können im Akutfall aufreißen und es kommt in diesem Bereich zur Aktivierung der Blutplättchen und des Gerinnungssystems, sodass ein Gerinnsel (Thrombus) entsteht, das das Gefäß ganz verschließt und so zu einem Herzinfarkt führt, der sich typischerweise wieder in Form von starken Brustschmerzen und Atemnot präsentiert. Die Beschwerden verschwinden nicht nach einigen Minuten, sondern halten an und es sollte unbedingt umgehend das nächste Krankenhaus aufgesucht werden, wo meist mittels einer Herzkathetheruntersuchung das verschlossene Gefäß wieder eröffnet werden kann.

Einer Herzerkrankung vorbeugen

Eine der wichtigsten Maßnahmen ist das Einstellen des Rauchens, als einen der wichtigsten Risikofaktoren für Gefäßfunktionsstörungen. Ernährung, arm an gesättigten Fettsäuren und ballaststoffreich sowie regelmäßige körperliche Aktivität (zumindest 5×30 Minuten pro Woche) sind die Grundpfeiler der Prävention.
Für die Blutzuckereinstellung gilt, dass für die meisten Betroffenen ein HbA1c von <7.0 – 7.5% (53-58 mmol/mol) angepeilt werden sollte. Für den Blutdruck gilt ein Zielwert von <140/90 mmHg und für das LDL-Cholesterin sollte entsprechend dem österreichischen Lipidkonsensus optimalerweise bei Diabetes-Typ-2 ein Wert von <70 mg/dl angestrebt werden. Bei Typ-1-Diabetes sollte dieser Wert spätestens bei Vorliegen eines Endorganschadens (z.B. Eiweißausscheidung im Harn, Retinopathie, Atherosklerose, etc.) auch erreicht werden. Liegen keine Endorganschäden vor, wird man individuell und abhängig vom Gesamtrisiko, dem Alter des Patienten, bestehendem Kinderwunsch, etc. entscheiden, wann eine Therapie eingeleitet werden sollte.

Herzschwäche das langfristige Problem

Verengte Herzkranzgefäße und somit schlechte Sauerstoffversorgung des Herzmuskels führen langfristig zum Absterben von Herzmuskelzellen und zu einer Pumpschwäche des Herzens. In Österreich sind rund 300.00 Menschen von einer Herzschwäche betroffen und es ist nach den obenstehenden Fakten auch nicht verwunderlich, dass Menschen mit Diabetes häufiger mit Herzschwäche konfrontiert sind als jene ohne. Neben der Erhebung von klinischen Symptomen wie Leistungsschwäche, Atemnot, geschwollenem Bein oder nächtlichem Harndrang, ist die Herzultraschalluntersuchung heute die entscheidende Untersuchung in der Diagnostik einer Herzschwäche.

Die Therapie der Herzschwäche umfasst die bereits oben erwähnten allgemeinen Maßnahme wie regelmäßige Bewegung und Kontrolle der Herz-Kreislauf-Risikofaktoren. Zusätzlich haben sich bei reduzierter Pumpleistung des Herzen einige Medikamente wie Betablocker, ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker als vorteilhaft bei Herzschwäche erwiesen. Zur Symptomentherapie sind oft entwässernde Medikamente notwendig. Von den blutzuckersenkenden Medikamenten wurde für die Klasse der SGLT-2-Hemmer (z.B. Jardiance®, Forxiga®) gezeigt, dass sie zu einer Reduktion von Herzschwäche führen können.

Zusammenfassung

Herzkranzgefäßverkalkung ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die durch das Vorliegen eines Diabetes mellitus deutlich beschleunigt wird.
Die konsequente Kontrolle der Risikofaktoren durch nicht-medikamentöse und medikamentöse Maßnahmen ist sowohl zur Vorbeugung als auch in der Therapie, sollte die Herzkranzgefäßverkalkung bereits vorliegen, ganz entscheidend. Auch wenn Studiendaten eine deutliche Verbesserung der Situation über die letzten Jahre zeigen, so ist das Risiko für eine Herzkranzgefäßerkrankung bei Menschen mit Diabetes mellitus im Vergleich zu Nicht-Diabetikern weiterhin noch immer deutlich erhöht.

Foto: © Sissi Furgler

Assoz.Prof. Priv.Doz. Dr. Harald Sourij
Klinische Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie, Medizinische Universität Graz

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