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Ein Leben mit Diabetes

Mag. jur. Klaus Martin Gerhold ist seit über 75 Jahren Typ-1-Diabetiker.

Als ältester Sohn eines evangelischen Pfarrers wurde ich 1938 in Leipzig geboren. Dass ich mit fast 80 Jahren am Leben bin, kann ich nur als Wunder empfinden! Im Oktober 1944 kam ein Flüchtling aus Siebenbürgen im evang. Pfarramt in Linz/Donau vorbei. Er suchte einen diabetischen Landsmann, der noch vor ihm vor den Russen geflohen war. Ihm sollte der Suchende einen größeren Vorrat diverser Insuline übergeben. Trotz aller Bemühungen konnte dieser Siebenbürger nicht gefunden werden! Mein Vater, Jahrgang 1910, war im Frühjahr 1939 an Diabetes-Typ-1 erkrankt! Meine Eltern konnten dem Siebenbürger den Insulin-Vorrat abkaufen, der unser Leben bis Juni 1945 rettete! Dann gab es wieder Insulin!

Bei mir wurde Diabetes-Typ-1 am 13.9.1942 im Diakonissenkrankenhaus Linz manifestiert! Die Mutter meines Vaters verstarb im Dezember 1917 an Lungenkrebs und Diabetes. (Insulin war noch nicht verfügbar).
Nach mir kamen – bis 1958 – noch 3 Buben und 2 Mädchen in unsere Familie! Die 5 Geschwister, deren 14 Kinder und bis heute 19 Kindeskinder, sind – ebenfalls bis heute – gesund! Dass ich – bis auf den Diabetes – ebenfalls gesund und munter bin, dass bei mir Wunden und Infektionskrankheiten fast schneller heilen als bei meinen Geschwistern führe ich vor allem auf die gesunden GENE meiner Eltern zurück! Auch bei mehreren schweren Operationen gab es nie Komplikationen!

Laut neueren Statistiken (Med.Uni Graz) bin ich mit über 75 Jahren Diabetes-Dauer der „dienstälteste“ Diabetiker der Steiermark und einer der 10 „Dienstältesten“ Österreichs! Dass es mir so gut geht, habe ich vor allem auch meiner lieben Frau Hilde, die diplomierte MTA i.P. ist, zu verdanken!
2016 konnten wir – altersbedingt gesund – unsere GOLDENE Hochzeit zusammen mit der SILBERNEN unserer einzigen Tochter feiern!

Unsere Großfamilie ist seit 1956 in Graz, wo ich 1958 am Akademischen Gymnasium maturierte. Meine Eltern ermöglichten es, dass wir sechs Kinder alle studieren konnten, was finanziell sicher nicht leicht war! Ich konnte sogar 2 Studien absolvieren: Mathematik-Physik und darstellende Geometrie und etwas später – neben dem Bankberuf – noch JUS!
Mein 33-jähriges Berufsleben in der Hypo-Bank Steiermark schloss ich 1995 als Bankfilial-Direktor ab.

Ich wuchs, wie mein Vater, die ersten 42 Diabetiker-Jahre „konservativ“ auf und war mit all den „Grauslichkeiten“ dieser Epoche konfrontiert! Vor allem die schweren und schwersten Hypoglykämien, meist nachts, hinderten mich oft mehrere Tage am Schulbesuch! Aber als Bub – wir wohnten von 1946 bis 1956 auf dem Land in der Nähe von Linz – habe ich mir – wie auch später – nichts abgehen lassen und auf nichts verzichtet! Wenn ich es genau bedenke, habe ich NIE DIÄT gehalten – später auch nach der Direktive vom REHAB-Zentrum Aflenz, wo das Wort „Diät“ aus dem Vokabular für Diabetiker entfernt wurde. Ich konnte von 1987 bis 2012 insgesamt 12 mal an Rehab-Kuren teilnehmen und habe dort auch – nach längerem Zögern – von OA. Dr. BERGER („Pumpenpapst“) 2006 meine erste Insulin-Pumpe erhalten! Dadurch hat sich mein HbA1c konstant auf 6,25 -6,5% eingependelt. Meine tägliche BE-Menge beträgt zwischen 10 und 15 BE. Mein langjähriges Analog-Insulin (für die Pumpe) ist das NOVO-Rapid mit durchschnittlich 35 i.E. pro Tag. Als Korrektur-Insulin verwende ich das LILLY-HUMALOG-Insulin.

Natürlich habe ich nach 75 Jahren Diabetes eine autonome Polyneuropathie! Ich spüre auch sehr tiefe BZ- Werte nicht mehr (z.B. 25 oder 30 mg/dl), kann aber trotzdem selbst Gegenmaßnahmen ergreifen. Ich habe einen verminderten Geruchs-, Geschmacks- und Tastsinn und ein beeinträchtigtes Temperaturempfinden an Händen und Beinen. Nicht betroffen sind meine Augen! Nach einer einmaligen Laserung vor 35 Jahren hat sich nichts mehr geändert! Ich gehe 2 mal jährlich zur Augenarzt-Kontrolle! Mein Gehörsinn ist altersbedingt etwas eingeschränkt (2 Hörgeräte).

Seit April 2017 verwende ich das „Free StyleLibre“ von der Fa. ABBOTT und kann dadurch – bei ca. 15 Messungen pro Tag bzw. 3 Messungen nachts unwahrscheinlich genau die Zuckerwerte kontrollieren! Dieses Prinzip der Messung wird sicher mit der Zeit alle Blutzucker-Messgeräte (mit Streiferln) ersetzen (müssen)!

In unserer Freizeit reisen wir noch immer gern per Reisebüro und Busfahrt: Kroatien, Slowenien, Italien, aber auch Tagesfahrten per Bus in die nähere Umgebung. Das sind unsere “Tapetenwechsel”. Seit 2007 haben wir kein Auto mehr und seit 2014 fahre ich auch nicht mehr mit dem Fahrrad! Mit ÖFFIS und BUS kommt man doch überall hin!?

Psychisch hatte ich Zeit meines Lebens keine Probleme!
Ich hatte eine sehr glückliche Kindheit, eine Jugend voller Erlebnisse und auch das Erwachsenwerden geriet ganz passabel, immer getragen von der Großfamilie, die auch heute noch der gemeinsame Hafen für uns alle ist!

Ad multos annos!

Mag. jur. Klaus Martin Gerhold




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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 27.06.2018 - 18:26 Uhr

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