Logo der Aktiven Diabetiker Austria

Mittersteig 4/21, A 1050 Wien
Telefon & Fax: 01/587 68 94


Artikelanfang:

Tipps & Tricks zu Infusionssets in der Insulinpumpen Therapie

Vortrag von Ingrid Cemper, Firma Roche Diagnostics, beim ADA Pumpen Corner am 9. April 2008.

von Links: Renate Wagner, Ingrid Cemper, Gerhard Max

Für diesen Vortrag war Frau Cornelia Moser von der Firma Roche Diagnostics eingeladen. Da sie jedoch beruflich verhindert war, wurde sie von Frau Ingrid Cemper vertreten, die selbst eine langjährige und erfahrene Pumpenträgerin ist und als freie Mitarbeiterin PatientInnen auf Accu Chek Insulinpumpen schult.

Vorerst stellt sich die Frage, was denn eigentlich ein Infusionsset ist:

Es handelt sich hierbei um die sichere und diskrete Verbindung zwischen Insulinpumpe und dem Körper. Um das Insulin dem Körper zuführen zu können sind Kanülen notwendig. Nur die Firma Roche Diagnostics stellt für die Dauer von 4 Jahren zwei Insulinpumpen gleichzeitig zur Verfügung, bietet ein einzigartiges Angebot an verschiedenen Stahlkanülen und Teflonkanülen sowie unterschiedlichen Nadellängen und Schlauchlängen.
Da jeder Mensch eigene Ansprüche und Vorstellungen hat, werden auch diese verschiedenen Infusionssets angeboten:

Rapid-D Link:

  • Hat eine extrafeine, senkrechte Stahlkanüle mit nur 0,36mm Durchmesser und ist daher nahezu schmerzfrei, sicher und einfach einzuführen
  • Große, selbsthaftende Auflage
  • Optimale Fixierung auch bei stärkerer Belastung
  • Abkoppelbarer Schlauch mit Drehkupplung mit hörbarem „Klick“ beim Wiederankoppeln
  • Gewebeschonendes Koppeln durch den Abstand von der Einführungsstelle
  • Die Tragedauer beträgt 1 bis 2 Tage.

RapidLink:

  • Entspricht Rapid-D Link
  • Nicht abkoppelbar
  • Flachstes Infusionsset.

FlexLink:

  • Hat eine biegsame Teflonkanüle mit senkrechter Einführung
  • Optimal für Menschen mit Nickelallergie
  • Mit dem blauen Adaptergriff oder der Setzhilfe Accu-Chek LinkAssist einfach senkrecht zu setzen
  • Hörbarer Klick beim Einrasten
  • Die Kupplung befindet sich direkt an der Einführungsstelle
  • Die Tragedauer beträgt hier 2 bis 3 Tage.

TenderLink:

  • Hat eine biegsame Teflonkanüle für einen variablen Einführungswinkel und kann daher jedem Körpertyp angepasst werden
  • Optimal für aktive bzw. schlanke Menschen und/oder Menschen mit Nickelallergie
  • Kontrolle der Einführungsstelle ist durch ein Sichtfenster jederzeit möglich
  • Abkoppeln erfolgt auch hier direkt an der Einführungsstelle
  • Die große selbsthaftende Auflage garantiert eine optimale und angenehme Fixierung auch bei stärkerer Belastung.
  • Auch hier beträgt die Tragedauer 2 bis 3 Tage.

Um das Hautgewebe, das durch das Tragen des Infusionssets stark beansprucht wird, so gut wie möglich zu schonen, müssen wichtige Punkte beachtet werden:

  • Für eine optimale Resorption des Insulins muss die Kanülenspitze im Unterhaut-Fettgewebe (subkutan) liegen.
  • Gut geeignete Körperregionen für das Legen der Sets ist die Bauchregion (mindestens 3cm vom Bauchnabel entfernt!) und bedingt geeignet die Außenseite der Oberschenkel. Auf jeden Fall ist auf die individuelle Hautdicke zu achten.
  • Nicht geeignete Körperregionen sind: Arme, stark bewegte/aktive Bereiche, direkt über einem Knochen, unter dem Hosengürtel/Kleiderbund, vernarbtes Gewebe, OP Narben, Piercing, Tätowierungen, Blutergüsse, Stellen wo Fett abgesaugt wurde, vorhandene Lipohypertrophie und Lipodystrophie.

Vor dem Legen des Infusionssets sind die Hände gründlich zu waschen und alle Materialien bereit zu legen, wobei der Luer Anschluss und die Kanüle nicht berührt werden sollen. Die Haut muss man desinfizieren und 1 bis 2 Minuten trocknen lassen, aber nicht trocken reiben oder pusten.

Beim Legen des Infusionssets unbedingt den festen Sitz von Adapter und Luer Anschluss überprüfen, das Katheterfüllprogramm laufen lassen und anschließend kontrollieren, ob sich Luftblasen im Schlauch befinden.

Die Tragezeit der Kanülen ist unbedingt einzuhalten und muss zweimal täglich kontrolliert werden. Nach 1 bis 3 Stunden nach dem Wechseln des Infusionssets ist mittels Blutzuckermessung zu kontrollieren, ob die Insulinabgabe auch stimmt. Tipp: Kanüle nie vor dem Schlafengehen legen! Der Wechsel sollte im Uhrzeigersinn, innerhalb von Quadranten erfolgen. Wichtig: Immer mindestens 5cm Abstand von der alten Einführungsstelle lassen und erst nach 2 bis 3 Wochen zur alten Einführungsstelle zurückkehren.

Das Infusionsset ist sofort auszuwechseln bei:

  • Unerklärlich hohen Blutzuckerwerten
  • Jucken
  • Brennen
  • Schmerzen
  • Schwellungen
  • Rötungen
  • Verhärtungen an der Einführungsstelle
  • Blut im Schlauch
  • Defekter Schlauch (Löcher, Risse, Insulin läuft außen am Schlauch zurück bzw. die Auflage ist feucht)

Wenn diese wichtigen Hinweise nicht eingehalten werden, kann es zu Entzündungen an der Einführungsstelle, erhöhter Infektionsgefahr, Abszessen, Verhärtungen an der Einführungsstelle und Verdickungen des Unterhautfettgewebes kommen. In diesen Fällen ist die Konsultation eines Insulinpumpenzentrums bzw. Arztes angezeigt. Hierbei ergibt sich höchstwahrscheinlich eine verminderte Insulinwirkung und damit schwankende und erhöhte Blutzuckerwerte!

Und nun wichtige Tipps und Tricks, wenn folgende Probleme auftreten:

Verminderte Insulinwirkung:

Kanüle liegt zu lange oder liegt in einer Verhärtung. Insulin im Schlauch ist überhitzt oder unterkühlt. Kanüle und Einführungsstelle wechseln bzw. Insulinampulle wechseln.

Hautquaddel oder Brennen bei Bolusabgabe:

Kanüle liegt zu flach oder ist zu kurz: Längere Kanülen wählen oder Kanülenart wechseln.
Großer Bolus: Bolus splitten oder verzögern.
Zu kaltes Insulin: Insulinampulle frühzeitig auf Raumtemperatur bringen.

Blut im Schlauch / in der Kanüle:

Kleines Gefäß getroffen oder Kanüle ist zu lang: Kanüle wechseln oder kürzere Kanülenlänge wählen und Sicherheitsschleife anlegen.

Luft im Infusionsset:

Infusionsset ist undicht. Extreme Temperaturschwankungen. Luftblase in der Ampulle: Luer Anschluss überprüfen, Entfernen der Luftblase mit dem Katheter Füllprogramm. Kein Insulin sofort vom Kühlschrank in die Pumpe einsetzen.

Ständiges Herausreißen der Kanüle:

Haut von Desinfektionsmittel noch zu feucht beziehungsweise schweißige Haut. Kanüle nicht fixiert: Desinfektionsmittel lange genug trocknen lassen, eventuell Antitranspirant auf die Haut geben. Sicherheitsschleife mit Klebevlies machen.

Hautrötungen / Juckreiz durch die selbsthaftende Auflage:

Reaktion der Haut auf den Klebstoff: Einführungsstelle vorher mit Cavilon-Spray behandeln oder zuerst eine Folie auf die Haut kleben, dann die Kanüle hindurch legen und das Kanülenpflaster auf die Folie kleben (Sandwichverfahren).

Juckreiz/Rötungen/Bläschenbildung durch Folien:

Falsche Folie genommen. Zu lange in der Sonne gelegen: Wasserdichte Folien nicht zu lange tragen beziehungsweise halbdurchlässige Folien zum Baden verwenden; sonst sollten generell nur luftdurchlässige Folien getragen werden; Folien sollten so klein wie möglich sein. Achtung! Sonnenbrandgefahr bei Folien.

Schmerzen beim Stechen / Tragen der Kanüle:

Hautnerv getroffen, Angst vor der Kanüle: Einführungsstelle wechseln. Hautstelle vor dem Einstechen mit Eis oder Salbe unempfindlicher machen. Teflonkanüle probieren. Sicherheitsschleife legen.

Schmerzen beim Entfernen der Auflage:

Auflage muss fest haften, damit die Kanüle nicht ungewollt heraus gleiten kann: Unter der Dusche entfernen (bei Vlies); Ablösen mit Sprühdesinfektion.

Klebereste auf der Haut:

Mit Babyöl oder Dermasol entfernen.

Hautreaktionen nach langer Pumpentragedauer:

Starke Beanspruchung der Haut durch Desinfektionsmittel und Klebestoffe: Regelmäßige Hautpflege mit nicht parfümierten Cremen, Lotionen oder Cremeschaum.

Hyperlipotrophie / Atrophie:

Zu lange Liegedauer der Kanülen: Empfohlene Liegedauer der Kanüle beachten.

Zu dichter Haarwuchs:

Genetisch bedingt: Rasierte Stelle erst nach 2 Tagen Ruhepause verwenden.

Insulin tritt nach Entfernen der Kanüle aus der Einführungsstelle:

Kanüle lag in einer Verhärtung oder nicht tief genug: Einführungsstelle wechseln; längere Kanüle nehmen; Blutzuckerverlauf wegen des fehlenden Insulins kontrollieren.

Insulin kommt an der Kanüle entlang zurück nach außen und löst die Auflage ab:

Zu kurze Kanüle; zu hoher Druck unter der Haut; großer Bolus: Längere Kanüle; schräge Kanüle; Teflonkanüle verwenden; Bolus splitten oder verzögern.

Schlauchverschluss Kanülenverschluss:

Zu lange Liegedauer der Kanüle; falsch gekoppeltes Infusionsset: Wechseln des Infusionssets.

Information über diverse Pflaster und Folien erhalten Sie bei Ingrid Cemper:
Telelefon: 06991 946 0458

Wir danken Frau Cemper für diesen informativen Überblick, bei dem es auch für erfahrene Pumpenträger viele Neuigkeiten gab.

Ingenieur Günter Dangl




zurück zur Übersicht


ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 28.07.2011 - 15:43 Uhr

Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien