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Die diabetische Retinopathie

Vortrag von Professor Doktor Christoph Scholda am 22.1.2009 bei der Pro Retina Plus Vortragsreihe im Louis Braille Haus.

Dr.Scholda

Als Spätschaden eines Diabetes mellitus kann sich eine diabetische Netzhauterkrankung, die so genannte diabetische Retinopathie entwickeln. Die Netzhaut ist die innerste Schicht der Augenwand, der eigentlich sehende Teil des Auges.
Im Rahmen des Diabetes kommt es zu Verschlüssen der kleinsten Blutgefässe sowie zu Veränderungen der Gefäßwände selbst. Dies führt zu einer Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff und zur Entwicklung einer diabetischen Retinopathie. Die diabetische Netzhauerkrankung die häufigste Erblindungsursache im erwerbsfähigen Alter in der westlichen Welt. Da die diabetische Retinopathie lange Zeit symptomlos verläuft, ist die frühzeitige Diagnose – bereits vor dem Auftreten von Symptomen – extrem wichtig. Dies unterstreicht die Bedeutung regelmäßiger Kontrollen durch den Augenarzt.

Normale Netzhaut
Netzhaut mit diabetischer Retinopathie






Die so genannte nicht proliferative diabetische Retinopathie ist eine Frühform, die oft symptomlos verläuft und mit gutem Sehvermögen einhergehen kann. Bei anhaltend schlechter Versorgung der Netzhaut mit Sauerstoff kann es zur Entwicklung der so genannten proliferativen diabetischen Retinopathie kommen:
die unterversorgten Zellen schütten einen so genannten Wachstumsfaktor (VEGF) aus, und es kommt zur Neubildung von Gefäßen und Bindegewebe an der Netzhautoberfläche, zu Blutungen und Netzhautabhebungen. Unbehandelt führen diese Veränderungen oft zur Erblindung des betroffenen Auges.
Bei der diabetischen Maculopathie, einem diabetischen Schaden der zentralen Netzhaut (Macula), kommt es zu Durchblutungsstörungen, zum Austritt von Flüssigkeit aus den geschädigten Gefäßen, zur Ablagerung von Lipiden und zur Dickenzunahme der zentralen Netzhaut, was zu starker Sehverschlechterung bis hin zur teilweisen Erblindung führen kann.

Zur Behandlung der diabetischen Retinopathie gehört vor allem die Diabetes-Einstellung. Starke Blutzuckerschwankungen sind für die Netzhaut ebenso schädlich wie ein zusätzlich vorhandener erhöhter Blutdruck (über 120/80 mmHg). Erhöhte Blutfettwerte sowie eine eingeschränkte Nierenfunktion verschlechtern die Prognose.
Die wichtigste Behandlung der diabetischen Retinopathie ist die so genannte Laserkoagulation. Dabei werden mit einem Laser an der Netzhaut winzige Koagulate erzeugt. In vielen Fällen kann damit sogar ein Stillstand der Retinopathie erreicht werden. Durch die Entdeckung des für die diabetische Retinopathie verantwortlichen Wachstumsfaktors (VEGF) hat sich eine neue Behandlungsmöglichkeit eröffnet. So wurden Medikamente entwickelt, die in das Auge injiziert werden und so direkt der diabetischen Retinopathie entgegen wirken. Zu diesen Medikamenten gehören das Triamcinolon – Acetat, ein Kortison Präparat, sowie das Pegaptanib (Macugen®), das Ranibizumab (Lucentis®), sowie das Bevacizumab (Avastin®). Durch Kombination dieser Medikamente mit der Laserkoagulation kann der wesentliche Nachteil der neuen Medikamente, die zeitlich begrenzte Wirkung, ausgeglichen werden. Ist die diabetische Netzhauterkrankung bereits fortgeschritten, so besteht die Möglichkeit eines operativen Eingriffes. Durch winzige Öffnungen werden unter dem Mikroskop Instrumente in das Augeninnere eingebracht, der Glaskörper wird entfernt (Vitrektomie) und die Veränderungen an der Netzhaut werden beseitigt. Die Anwendung modernster, nahtloser Mikro – Operationstechniken ermöglicht eine deutliche Schmerzreduktion und eine viel raschere Rehabilitation. So kann in vielen Fällen auch bei fortgeschrittener diabetischer Retinopathie ein gewisses Sehvermögen erhalten werden.

Für den sehr informativen Vortrag bedanken sich Theresa und Josef Baumgartner und alle Anwesenden.

Text:
Professor Doktor Christoph Scholda
Leiter der Diabetischen Netzhaut Ambulanz
Augenklinik – AKH, Medizinische Universität Wien
E-Mail: christoph.scholda@meduniwien.ac.at
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