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Schau mir in‘s Auge

Diabetes und Auge. Erhöhte Zuckerwerte führen zu Veränderungen am äußeren und inneren Auge.

Dr. Wilfried Obermayer

Vortrag von Augenarzt
Dr. Wilfried Obermayer
bei der ADA-Gruppe Laxenburg
am 26. Jänner 2010

Xantelasmen sind die deutlichsten Veränderungen an der Lidhaut. Es sind gelbliche Erhabenheiten als Ausdruck von Cholesterin- und Lipidansammlungen, meist an der Nasenwurzel der Oberlider. Ihre Therapie ist die chirurgische Entfernung.

Durch Diabetes wird die Tränenfilmzusammensetzung verändert. Die Schleim- und Fettphase werden vermindert produziert → die Tränenfilmaufrißzeit wird verlängert. Die Hornhaut fühlt sich trocken an und auf Befehl des Gehirns wird die Tränensekretion (die Wasserphase) vermehrt. Ein tränendes Auge – welches eigentlich ein trockenes ist.

Rubeosis: Durch erhöhte Glucosewerte kommt es zu Gefäßwandschäden, dadurch zu verminderter Sauerstoffversorgung von Geweben. Als Zeichen von Sauerstoffmangel im Organ Auge kommt es zu Gefäßentstehung an der Iris = Regenbogenhaut. Dies nennt man Rubeosis.

Ein schlecht eingestellter Glucosestoffwechsel ist verantwortlich für Gefäßschäden in allen Geweben des Körpers – natürlich auch in der Netzhaut.

Durch die entstandenen Gefäßwandschäden werden Blutbestandteile und Wasser in die Netzhaut eingelagert. Die Netzhaut selbst wird gleichzeitig schlechter mit Sauerstoff versorgt – ihr Untergang und damit rapide Sehverschlechterung sind vorprogrammiert.
Lasertherapie der Netzhaut ist eine Möglichkeit die Verschlechterung zu verlangsamen. Aber Achtung: der Laser kann den Zustand der Netzhaut nicht verbessern – er soll nur verhindern, dass dieser nicht noch schlechter wird. Nur ein HbA1c-Wert unter 6,4% kann zu einer Regeneration der Netzhaut führen, wenn der „point of no return“ noch nicht überschritten ist. Ein ausgewogener Zuckerstoffwechsel ist der Garant für eine Verbesserung von Netzhautschäden. Bei einem Netzhautschaden mit Gewebsuntergang ist keine Heilung mehr möglich. Hier kann eine nachträgliche Verbesserung des Zuckerstoffwechsels die untergegangene Netzhaut nicht mehr zum Leben erwecken.

Zuckerbedingt kann auch ein „grauer Star“ früher als üblich auftreten. Nebel- und Schleiersehen sind die Folge. Diese Komplikation kann durch eine „Graue-Star-Operation“ beseitigt werden. Wenn die Netzhaut in Ordnung ist, kann die Sehleistung sogar wieder auf 100% angehoben werden. Ein großer Unterschied also zur Netzhautschädigung.

Durch erhöhte Glucosewerte kann auch die Linse im Auge Wasser aufnehmen und ist nun dicker geworden. Der Betroffene ist jetzt kurzsichtig. Bevor eine Brille angepasst wird, soll der Glucosewert eingestellt werden. Ist dies geschehen ist die Sehleistung meist wieder wie vorher und der Kauf einer Brille ist unnötig.

Nur der Langzeitzucker = HbA1c-Wert gibt Auskunft über die tatsächliche Zuckerstoffwechselsituation. Der Nüchternblutzucker, der so gerne gemessen wird, ist Nahrungsabhängig und von der Einnahme der antidiabetischen Medikamenten gesteuert. Er ist daher variabel und hat geringere Aussagekraft als der HbA1c-Wert, der zweimal im Jahr gemessen werden sollte. Alle Diabetiker mit Netzhautschäden sollten alle drei Monate ihre Netzhaut vom Augenarzt kontrollieren lassen.

Text von Dr. Obermayer

Dr. Wilfried Obermayer
2491 Neufeld, Hauptstraße 25

Telefon: 026 24 / 54 080




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