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Was tun bei einer Stoffwechselentgleisung

Tipps für einen unbeschwerten Urlaub mit Diabetes

Jeder Mensch braucht von Zeit zu Zeit einmal Urlaub. Veränderung, Abwechslung, einfach heraus aus der gewohnten Umgebung. Damit Sie einen unbeschwerten Urlaub haben, sollten Sie einige grundlegende Dinge beachten – auch in Bezug auf den Diabetes.

Man kann sagen, dass fast jeder chronisch Kranke, wenn er auch nur ein paar bestimmte Dinge beachtet, nahezu unbegrenzt reisen kann.
Zu Recht aber sollte sich jeder Diabetiker die Frage stellen: Was tue ich, wenn mein Blutzucker im Urlaub entgleist?

Was tun bei Entgleisung?

Erbrechen und Durchfall gehören zu den typischen Beschwerden bei Magen-Darm-Erkrankungen im Urlaub. Gerade bei Diabetikern kann es so zu extremen Flüssigkeitsverlusten kommen. In der Regel sollten täglich etwa 1,5 bis 2 Liter getrunken werden – in südlichen Ländern eher mehr. Bei extremen Durchfall können Mineralkonzentrate hilfreich sein, da der Körper bei Durchfall und Erbrechen wertvolle Mineralsalze verliert. Kann keine Nahrung mehr aufgenommen werden, muss eine Behandlung über die Vene durch den Arzt erfolgen, wobei vor allem Blutsalze und Flüssigkeit ersetzt werden müssen. In einer solchen Situation ist die engmaschige Kontrolle des Blutzuckers erforderlich, gelegentlich auch des Urins zum Nachweis einer Blutzuckerentgleisung (Auftreten von Aceton).

Zudem droht die Gefahr, dass der Körper bei hohen Blutzuckerwerten durch den starken Flüssigkeitsverlust austrocknet. Besonders insulinspritzende Diabetiker, speziell Insulinpumpenträger, müssen zum Nachweis oder Ausschluss von Aceton im Blut bei Übelkeit oder Erbrechen immer einen Acetontest im Urin durchführen. Ist der Acetontest zwei- oder dreifach positiv, so handelt es sich um eine Stoffwechselentgleisung – und nicht, wie zunächst vermutet, um eine harmlose Darmgrippe, bei der ebenfalls Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen die ersten Anzeichen sein können. In einer solchen Situation wird erfahrungsgemäß eine größere Menge an schnell wirkendem Insulin benötigt – der Körper ist aufgrund der beginnenden Übersäuerung des Blutes weniger insulinempfindlich. Üblicherweise ist jeder insulinspritzende Diabetiker geschult, wie er eine beginnende Stoffwechselentgleisung Richtung Ketoazidose behandeln muss. Typ-1-Diabetiker wissen, dass sie bei Übelkeit und Erbrechen nie ganz auf das Insulin verzichten dürfen – selbst wenn sie keine Nahrung zu sich nehmen! Auch wenn Sie gar nichts essen, können Sie zwar auf das Mahlzeiteninsulin, in der Regel aber nicht auf das Basalinsulin verzichten. Extrem hohe Blutzuckerwerte müssen darüber hinaus zusätzlich mit Kurzzeitinsulin abgedeckt werden. In einer derartigen Situation von Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen ist es darüber hinaus sinnvoll, möglichst leicht verdauliche Kohlenhydrate zu sich zu nehmen:

Nahrungsmittel 1 BE enthalten in
normale Cola 100 ml
Salzstangen ca. 15 Stück
Schwarztee mit 12g Traubenzucker
Zwieback 15 g, ca. 2 Stück
Knäckebrot 20 g
Haferschleim 2 Essl. Haferflocken, ca. 20 g
Reis gekocht eine kleine Tasse, ca. 45g
Banane ½, mittelgroße, mit Schale ca. 90 g
geriebener Apfel ein kleiner Apfel, ca. 110 g

Was Sie tun sollten…

Bei Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall sollte unbedingt beachtet werden:

  • Engmaschige Blutzuckerselbstkontrollen sind wichtig, aber auch Testung des Urins auf Aceton, wenn eine Insulintherapie durchgeführt wird (Typ-1-Diabetiker / insulinabhängige Typ-2-Diabetiker).
  • Wenn Sie nichts essen, sollten Sie trotzdem mehr und regelmäßig trinken.

  • Körperliche Anstrengung vermeiden. Wenn Sie nicht zurechtkommen, unbedingt einen Arzt informieren.

Typ 2: Tabletten absetzen

Typ-2-Diabetiker, die mit oralen Antidiabetika (Zuckertabletten) eingestellt sind, müssen in der Regel die blutzuckersenkenden Tabletten bei Übelkeit und Erbrechen (Darminfekt) absetzen, da oft nicht klar ist, was überhaupt vom Magen aufgenommen wurde. Aber auch den Blutzucker nicht senkende Medikamente wie Metformin müssen wegen der Gefahr der Übersäuerung abgesetzt werden. In einer derartigen Situation bleibt Typ-2-Diabetikern leider nur übrig, einen Arzt aufzusuchen – auch wenn man möglicherweise noch den Blutzucker und den Urin auf Aceton getestet hat. Der Arzt kann dann eine eventuell notwendige Insulininjektion zur Blutzuckersenkung vornehmen und gegebenenfalls den Darminfekt behandeln. Die Blutzuckerentgleisung geht bei Typ-2-Diabetikern in der Regel viel langsamer vonstatten als bei Typ-1-Diabetikern. Oft geschieht dies innerhalb mehrerer Tage, wobei die Blutzuckerwerte ganz enorm steigen können. Man hat starken Durst, muss extrem häufig Wasser lassen, ist müde und schlapp. Übelkeit und Erbrechen sind bei Typ-2-Diabetikern eher Zeichen einer tatsächlichen Darminfektion. Insbesondere bei zusätzlichem Fieberstress für den Körper (Adrenalin etc.) steigt der Blutzucker stark. Die Gegenspieler des Insulins gewinnen die Oberhand und treiben den Blutzuckerspiegel in die Höhe, so dass oft bis zu 40 Prozent mehr Insulin und nicht weniger benötigt wird.

Für Typ-1-Diabetiker und für insulinabhängige Typ-2-Diabetiker gilt:

Bei unklaren Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen immer auch an eine Stoffwechselentgleisung denken, sofort den Urin auf Aceton testen und einen Blutzuckertest durchführen. Aber: Natürlich kann es auch eine Darminfektion sein!

Mögliche Beschwerden bei Stoffwechselentgleisung:

  • Müdigkeit
  • Schlappheit
  • Häufiges Wasserlassen und Durst
  • Wadenkrämpfe / Muskelschwäche
  • Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen

A und O: Dosis anpassen!

Typ-1-Diabetiker sollten so geschult sein, dass sie sowohl den basalen als auch den Mahlzeiten-Insulinbedarf dieser veränderten Situation anpassen können. Auch Typ-2-Diabetiker, die z.B. mit einem Mischinsulin eingestellt sind, können ihren Insulinbedarf anpassen und sollten zum Beispiel bei fieberhaften Infektionen mit hohen Blutzuckerwerten die Tages-
Gesamt-Insulindosis um etwa 20 Prozent erhöhen und gleichzeitig etwas häufiger als normal ihren Blutzucker testen.
Sollten Sie damit jedoch nicht klarkommen, müssen Sie unbedingt einen Arzt informieren.
Typ-2-Diabetikern muss dringend davon abgeraten werden, im Krankheitsfall blutzuckersenkende Tabletten selbständig zu erhöhen, da dies eher gefährlich werden kann. Aus diesem Grund ist es auch sinnvoll, sich vor Urlaubsbeginn über die Adresse eines evtl. deutschsprechenden Arztes vor Ort zu informieren.

Was ist mit Impfungen?

Insbesondere vor Fernreisen sollten entsprechende Impfungen (z.B. Hepatitis A/B, Malaria, Tetanus etc.) durchgeführt und ein mögliches Vorgehen bei Krankheit besprochen werden. Bei einem Urlaub in Deutschland oder dem nahe gelegenen Österreich etc. (entsprechende Regionen) sollten Sie sich auch über eine Impfung gegen FSME (Zecken) informieren, die immer häufiger Ursache einer Hirnhautentzündung ist (eine Schnellimpfung ist möglich). Rechtzeitige und vernünftige Vorbeugemaßnahmen helfen, einen unvergesslichen Urlaub zu erleben – gerade, wenn Sie Diabetes haben.

In das Handgepäck

In das Handgepäck eines jeden Diabetikers gehören:

  • Alles für die Blutzuckerselbstkontrolle: Blutzuckerteststreifen, Urin- bzw. Aceton-Teststreifen, Messgerät, Stechhilfe.
  • Die von Ihnen verwendeten Medikamente einschließlich des von Ihnen verwendeten Insulins sowie Traubenzucker.
  • Zwischenmahlzeiten (evtl. lagerfähige Zwischenmahlzeiten wie Zwieback, Knäckebrot etc.).
  • Pens, Spritzen, Nadeln.

In die Reiseapotheke

Reiseapotheke

In die Reiseapotheke gehören außerdem:

  • Fieberthermometer.
  • Medikamente, die Sie bei Durchfall oder Übelkeit benötigen.
  • Fertige Mineralmischungen zum Ausgleich der Blutsalzverluste.
  • Evtl. fiebersenkende oder schmerzlindernde Tabletten.

Quelle:
Aus www.diabetes-world.net 10.05.2007 Quelle: Schmeisl, GW, ‚Wenn der Blutzucker im Urlaub entgleist‘, Diabetes-Journal Heft 7, 2006 Jahrgang 55, S 40-42




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