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Diabetes mellitus Typ 2 und seine Folgen am Beispiel der diabetischen Retinopathie

Vortrag von Dr. Josef Diglas, Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie, am 7. Juni 2010

Dr. Josef Diglas

Die weltweite Zunahme der Diabeteshäufigkeit – im Jahr 2025 werden voraussichtlich 380 Millionen Menschen an Diabetes leiden – lässt neben der Steigerung der absoluten Fälle der diabetesbedingten Sterblichkeit auch eine direkten Steigerung der Kosten durch Diabetes erwarten. Grund dafür sind die diabetischen Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel die diabetische Retinopathie (diabetische Augenhintergrunderkrankung), ein Vertreter der sogenannten mikrovaskulären Komplikationen, also der kleinen und kleinsten Blutgefäße. Diabetes ist übrigens der häufigste Grund für Erblindung im erwerbsfähigen Alter.

Die diabet. Retinopathie kann sowohl Typ 1 als auch Typ 2 Diabetiker betreffen, allerdings ist die Erkrankungshäufigkeit bei Typ 2 Diabetikern mit bis zu 30 % wesentlich höher als beim Typ 1 Diabetes (bis 3 %). Daneben lässt eine längere Erkrankungsdauer an Diabetes die Wahrscheinlichkeit, an diabet. Retinopathie zu erkranken, ansteigen.

Risikofaktoren für diabet. Retinopathie:

  • Diabetestyp (Typ 1 oder 2)
  • erhöhtes HbA1c
  • erhöhte Blutzuckerwerte
  • Unterzuckerungen
  • Diabetesdauer
  • hoher Blutdruck
  • Nikotingenuss
  • erhöhte Blutfettwerte
  • Harneiweißausscheidung
  • Pubertät, Schwangerschaft

Ebenso ist das Vorliegen einer Eiweißausscheidung im Harn (als Zeichen einer diabet. Nierenerkrankung; dies ist eine weitere mögliche mikrovaskuläre Diabetesfolge) je nach Stärke des Eiweißverlustes mit einer vermehrten Anzahl an Augenhintergrunderkrankungen verbunden.

Das Vorliegen einer mikrovaskulären Erkrankung bedeutet wiederum eine höhere Wahrscheinlichkeit für mikrovaskuläre Schäden an weiteren Organen (Niere, Herz, Gehirn), aber auch ein höheres Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Der Augenarzt unterscheidet mehrere Schweregrade der diabetischen Retinopathie (von mild bis schwer), wobei für den Patienten merkbare Beschwerden zumeist fehlen. Der Arzt kann bei den regelmäßigen Untersuchungen den Verlauf der Erkrankung erkennen und bei Bedarf eine gezielte Behandlung beginnen oder fortsetzen. Verschiedene Formen der
Laserphotokoagulation haben sich etabliert, der Einsatz von Medikamenten und auch operative Verfahren sind weitere Möglichkeiten. Die optimale Zuckereinstellung ist stets anzustreben.

Interessant und für die Praxis wichtig ist die studienmäßig belegte Tatsache, dass die Senkung des HbA1c um 1 % die Rate an mikrovaskulären Folgen um 37 % senkt! Das heißt, eine optimale Zuckereinstellung ist die Grundlage zur Risikominimierung von diabetischen Folgeschäden.

Leitlinien zu den Behandlungsstandards (adaptiert):

  • HbA1c < 7,0 %
  • Nüchternzucker < 110 mg/dl
  • 2-Std-Wert nach dem Essen < 135 mg/dlbei Selbstmessung
  • Blutdruck < 130/80 mmHg
  • Optimierung der Fettspiegel
  • Rauchstopp

Neben der diabetesbedingten Erkrankung der Netzhaut gibt es noch weitere Krankheitsformen, die den Sehnerv, die Augenmuskeln oder die Augenlinse betreffen können. Hier können sich Gesichtsfeldausfälle,
Doppelbilder oder Verringerung der Sehleistung bemerkbar machen.

Durch regelmäßigen Besuch beim Zuckerarzt und Augenarzt kann eine diabetische Augenerkrankung rechtzeitig erkannt und behandelt werden, wodurch 90 % der durch Diabetes verursachten Erblindungen vermieden werden können.
© 2010 Dr. J. Diglas

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