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Mit Diabetes in Afrika

Mein Mann Werner hatte sich zum 50. Geburtstag eine Tour auf den Kilimanjaro gewünscht. Und natürlich wollte er, dass ich mit ihm komme.

Ein Bericht von Frau Mag. Barbara Wagner.

Ich habe seit beinahe 30 Jahren Typ 1-Diabetes, daher: Check im Spital, Rücksprache mit den Firmen (Pumpe, BZ-Testgerät, Insulin), ob alles bis 6.000 Höhenmeter einwandfrei funktionieren wird → eindeutig ja, noch schnell einen Weisheitszahn gezogen, diverse Tropenimpfungen gemacht, Sport- und Hyponahrung eingekauft und so konnte es am 7. August Richtung Nairobi gehen.

Der Flug war sehr lange und ziemlich anstrengend. Weiter ging es dann mit einem Kleinbus für ca. 16 Personen (wenn man die Reserve- und Klappsitze einrechnet) über großteils Schotterstraßen nach Arusha (Tansania). Nach einer Nächtigung im 5 Sterne – Hotel starteten wir zum Arusha-Nationalpark und auf den Mount Meru (4.562,13 Hm). Ich hatte vorher eifrig trainiert und keine Sorge wegen der täglichen Aufstiege von ca. 1000 – 1200 Hm, auch weil man zur Höhenakklimatisation und zur Vermeidung der Höhenkrankheit langsam gehen sollte.

Aber Schnecken: Die Gruppe rannte zügig den Berg hinauf und ich war spätestens beim 1. BZ-Messen nach einer halben Stunde weit zurück. Nur durch meinen “Schrittmacher” Minscha, den lokalen Chefguide, konnte ich dann pole, pole (langsam, langsam) die erste einfache Nächtigungshütte erreichen und war wieder hoffnungsfroh. Ab dem kommenden Tag schloss sich Maria, eine 70jährige Tirolerin, uns an; wir hießen die „Pole-Pole-Group“. In der zweiten Nacht waren wir beide höhenkrank (ich konnte ab 2.500 Höhenmetern fast nicht mehr schlafen), daher ließen wir den Gipfel des Mount Meru aus, bestiegen jedoch den Little Meru (3.801 Hm) und den Rhino-Point (3.800 Hm). Nach 4 ereignisreichen Tagen im Bergurwald und den ersten Giraffen, Zebras und Büffeln kehrten wir zum Duschen und Packen für den Kili ins 5 Sterne – Hotel zurück.

Start war beim Machame-Gate; wir gingen also nicht die sog. Coca-Cola-Route, sondern eine etwas anspruchsvollere Strecke, auf der es oft hinauf und hinunter geht. Die erste Übernachtung – ab jetzt im 2-Personen-Zelt – war auf 3.000 Hm (Machame-Hut). Gewaschen wurden nur mehr die Hände und das Gesicht (und selbst das hätte man sich sparen können, weil der Lavasand einen umgehend wieder „einstaubte“), der Rest wurde mit div. Tücherln erledigt. Von allen Impfungen war die Tetanusimpfung für mich wohl am wichtigsten, denn beim Hinaufgehen (täglich ca. 1.000 bis 1.200 Hm) testete ich ½-stündlich meinen BZ (die schmutzigen Finger wurden vorher abgeschleckt). Das Insulin hatte ich auf 70 % reduziert; zusätzlich essen musste ich wenig.

Kilimanjaro

Am 2. Tag stiegen wir zum Shiraplateau mit einer kürzeren Kraxelei auf (3.600 Hm). Jeden Tag war der Kili zu sehen (was sehr selten ist) und das Wetter war uns die ganze Reise hold (ungefähr wie schönes Herbstwetter bei uns).

Der 3. Tag führte unterhalb des Lava-Towers zum Barranco-Camp mit den archaischen Senecien. Für Maria war dieser Tag sehr anstrengend und sie entschied daher, dass sie – so wie ich – den Gipfeltag auslassen werde.

Am 4. Tag mussten wir ca. 2 Stunden über eine Steilstufe kraxeln. Ich hatte davor ein wenig Angst und so ging auch Werner mit der Pole-Pole-Group. Minscha trug meinen Rucksack am Rücken, den von Maria vorne und nahm uns auch die Stöcke ab. So kamen wir gut oben an und hatten bis zum Karanga-Camp noch einiges an Auf- und Ab (nicht beim Zucker, wohl aber beim Weg!). Die Landschaft wurde immer karger.

Bergsteiger

Am 5. Tag ging es auf 4.600 Hm zu unserem letzten Camp (Barafu), das eine tolle Aussicht (insbesondere vom Klohäuschen aus) auf den Vulkan Mawenzi hatte. Werner war etwas höhenkrank. Mir ging es ganz gut und ich konnte entspannt den halben Rasttag auf 4.600 Hm genießen. Insgeheim war ich ganz froh, dass ich nicht um ½ 1 in der Früh bei Kälte und Finsternis zum Gipfel aufbrechen musste. Die anderen hatten wahrscheinlich ihr erstes Frühstück vor Mitternacht, dann ging es los (auf 5.895 Hm). Um 6 Uhr beim Sonnenaufgang kamen leider die ersten Umkehrer wegen Höhenkrankheit zurück; gegen 11 Uhr dann die Gipfelsieger.

Der weitere Abstieg war auch für uns noch ca. 2.000 anstrengende Hm. Am letzten Morgen fand die Verabschiedung von den Trägern statt (inkl. Trinkgeldverteilung) und der rutschige Abstieg zum Mwekwa-Gate. Beim Kilimanjaro-Lied stiegen mir die Tränen in die Augen und gleichzeitig war ich stolz und glücklich, dass ich dieses Abenteuer gut und gesund überstanden hatte (keine Ketoacidose, kaum Hypos).

Insgesamt war es eine sehr anstrengende Reise (inkl. der drei Tage Safari) und meine erste Reise, die ich mit ziemlich gemischten Gefühlen im Zusammenhang mit meinem Diabetes angetreten habe. Alles ist gut gegangen. Afrika war ein großartiger Eindruck (Löwen, Elefanten, Geparden, Affen, Giraffen, Zebras, Strauße, Hyänen …, Massai, Landschaft und Berge).

Danke dem Gipfelsieger Werner, dass er – obwohl auch er Angst um mich hatte – mit mir gemeinsam diese Reise gemacht hat.




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