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Sie haben es in der Hand, was aus Ihrem Diabetes wird.

Ohne Bierbauch

Wir lassen es uns oft zu gut gehen. Das Wohlstandssyndrom kann uns aber in den Diabetes mit seinen bösen Folgen treiben.

Diabetes mellitus Typ 2 entsteht nicht von heute auf morgen. Die Mehrzahl der Erkrankungen bildet sich auf der Basis des sogenannten Metabolischen Syndroms (Wohlstandssyndroms). Dazu gehören vier Faktoren: Stammfettsucht (Bierbauch!), Bluthochdruck, erhöhte Blutfette (Cholesterin, Triglyceride), erhöhter Blutzucker.

Beginn ist unspektakulär

Oft bleibt der Diabetes lange unentdeckt, da seine Symptome im Gegensatz zum Diabetes Typ 1 nicht sehr ausgeprägt sind und häufig übersehen werden.

Dennoch: Auch wenn die Symptome kaum vorhanden und die Lebensqualität noch nicht beeinträchtigt ist, verursacht der vielleicht nur gering erhöhte Blutzucker schon erste Schäden. Je länger der Diabetes unbehandelt bleibt, umso schwerwiegender sind die Folgen. Natürlich können auch bei behandelten DiabetikerInnen Folge- und Spätschäden auftreten.
Viel liegt dabei in der Hand der PatientInnen selbst, die den Verlauf der Krankheit unterschätzen (erhöhter Blutzucker tut nicht weh!), die eine vernünftige Diät, körperliche Aktivität und regelmäßige Blutzucker-Kontrollen vernachlässigen. Auf alle Fälle gilt: Je früher ein erhöhter Blutzucker entdeckt wird und je früher eine Behandlung einsetzt, umso besser sind die Chancen, die Folgeerkrankungen möglichst gering zu halten.

Ein über lange Jahre erhöhter Blutzucker schädigt vor allem die Blutgefäße: Es wird zwischen • Makroangiopathie (Schädigung der großen und mittleren arteriellen Blutgefäße) und • Mikroangiopathie (Schädigung der kleinen Gefäße) unterschieden.
Bei der Makroangiopathie sind die großen und mittleren Gefäße des Organismus durch arteriosklerotische Veränderungen (Ablagerungen an der Innenseite der Gefäßwände und dadurch Verengungen) betroffen, wodurch lebensbedrohliche Krankheitsbilder entstehen. Nicht immer treten diese Veränderungen erst im späteren Verlauf auf. Die Anzeichen dafür sind oft schon nachweisbar, wenn der Diabetes noch gar nicht richtig ausgebrochen ist. Neben andauernd erhöhtem Blutzucker fördern auch die ja häufig in Kombination mit Diabetes Typ 2 auftretenden Krankheiten, wie erhöhter Blutdruck, Übergewicht, Cholesterinerhöhung (siehe Metabolisches Syndrom) sowie Nikotinabhängigkeit die Bildung von Ablagerungen in den Blutgefäßen.

Herz und Hirn

Aus diesen Gefäßschäden resultieren als häufigste Krankheitsbilder:
• Koronare Herzkrankheit, die zur Verkalkung der Herzkranzgefäße und damit zur Minderdurchblutung des Herzens mit ihren Folgekrankheiten Angina pectoris und Herzinfarkt (55 % aller DiabetikerInnen sterben an Herzinfarkt!) führen kann.
• Arterielle Verschlusskrankheit der Hirnarterien und daraus resultierend: Schlaganfall, sowie
• Periphere arterielle Verschlusskrankheit, bei der die Durchblutung vor allem an den Beinen zunehmend gestört ist. Diese Erkrankung beginnt als die sogenannte Schaufensterkrankheit (beim Gehen Schmerzen in den Beinen, die immer wieder zum Stehenbleiben zwingen). Bei Nichtbehandlung drohen chronische Geschwüre (Ulcera) bis hin zur Amputation. Wegen diabetischer Nervenschädigung kann der Schmerz als Warnsymptom sowohl bei Angina pectoris als auch bei der Mangeldurchblutung der Beine manchmal fehlen.
Bei der Mikroangiopathie sind die kleinen Arterien in verschiedenen Organen betroffen. Am wichtigsten sind sicher die daraus resultierenden Erkrankungen der Niere, der Augen und der Nerven.
• Nephropathie: Kleinste Gefäße der Niere verstopfen, die Funktion des Organs der Blutfilterung und -entgiftung wird zunehmend gestört. Im schlimmsten Fall droht die Dialyse (Blutwäsche). Am Anfang verläuft die Nierenschädigung nahezu symptomlos, kann aber bei Nichtbehandlung innerhalb von zwei bis drei Jahren zum Nierenversagen führen. Auch hier gilt: regelmäßige ärztliche Kontrollen (Eiweiß im Harn) und optimale Blutzucker-einstellung!

• Retinopathie: Im Auge können kleinste Gefäße der Netzhaut platzen, zu wuchern anfangen oder schrumpfen. Die Folge daraus ist eine zunehmende Einschränkung der Sehfähigkeit bis zur Erblindung.
• Neuropathie: Von der Schädigung durch überhöhten Blutzucker sind vor allem die kleinsten Nervenendigungen an den Füßen betroffen. Die Patienten klagen über brennende oder stechende Schmerzen an den Beinen und Füßen, auch plötzliche Hitzeempfindungen werden genannt.

Verletzung? Keine Ahnung

Diese unangenehmen Erscheinungen treten vor allem im Ruhezustand auf. Gleichzeitig kann es zu Kribbeln oder Taubheitsgefühl kommen, die Füße erscheinen wie eingeschlafen. Dabei vermindert sich aber das Vermögen der Sinneswahrnehmung an den Füßen. Die Betroffenen merken nicht, wenn sie sich verletzen. Entstehende Wunden heilen sehr viel schlechter. Der ständig erhöhte Blutzucker dient als idealer Nährboden für verschiedene Bakterien, was wiederum zu Wundinfektionen führen kann.
Diabetes mellitus ist gefährlich und darf keinesfalls unterschätzt werden. Da liegt es vor allem in der Hand der Betroffenen, mit vernünftiger Ernährung, regelmäßiger Bewegung und konsequenter Einnahme der verordneten Medikamente den Blutzuckerspiegel auf annähernd normalem Niveau zu halten. Nur so lassen sich die durch den Diabetes vielfach möglichen Schäden weitreichend verhindern.

Foto: © Gunter Fischer

Dr. Gabriela Grasser
Ärztin für Allgemeinmedizin
4400 Steyr, Koloman Wallisch-Straße 1

E-Mail: gabi.grasser@gmail.com




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