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Sie können es sich mit Ihrem Diabetes richten

Herr der Spätfolgen

Ein Interview mit Diabetes-Spezialist Dr. Helmut Brath vom Gesundheitszentrum Wien Süd der Wiener Gebietskrankenkasse von ADA Journal-Chefredakteur Richard Andraschko

ADA Journal: Herr Dr. Helmut Brath, Sie sind im Kreis der DiabetesspezialstInnen ein allgemein anerkannter Fachmann, der ständig um seine Expertise gebeten wird. Halten Sie Diabetes für gefährlich?

Dr. Brath: Ja, Diabetes ist gefährlich. Schlechte Diabeteseinstellung begünstigt all die gefürchteten Folgeerkrankungen, wie Schlaganfälle und Herzinfarkte, Polyneuropathien und offene Füße bis zur Amputation, Augen- und Nierenschäden und vieles andere mehr. Jeder mit der Diagnose Diabetes sollte die Krankheit von allem Anfang an sehr ernst nehmen, also seine Ernährung und Bewegung entsprechend anpassen, nicht rauchen, nicht passiv rauchen und natürlich auch die verschriebenen Medikamente regelmäßig und nach den Vorgaben einnehmen.

ADA Journal: Kann man sich vor Diabetes schützen?

Dr. Brath: Bewegungsmangel, eine Ernährung mit reichlich tierischen Fetten, Rauchen, Schlafmangel und ein dauerhaft zu hohes Stressniveau können einen Diabetes mitverursachen. Viel Bewegung und Sport, viele Ballaststoffe in der Ernährung (Gemüse, Salate, Vollkornprodukte, Obst), ausreichend Schlaf und Erholungsphasen schützen. Gegen den Verlust der insulinerzeugenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse beim Typ 1 kann man sich nicht schützen. Vorbeugenden Schutz gibt es allerdings beim Typ 2, der im Körper seine unselige Wirkung entfacht, oft zehn Jahre, bevor er tatsächlich ausbricht. Eine gesunde Lebensweise mit vernünftigem Essen, Einhalten des Körpergewichts und viel Bewegung helfen weitgehend gegen unnötig frühe Spätfolgen.

ADA Journal: Wie sollte man sich verhalten?

Dr. Brath: Optimal sind Nüchternblutzuckerwerte unter 110 mg/dl und Werte um 135 mg/dl nach dem Essen. Damit wird auch ein guter Langzeitzuckerwert (HbA1c) von kleiner als 6,5 % gewährleistet. Unterzuckerungen sollten jedoch vermieden werden. Diese Ziele sollen nach der Erstdiagnose zügig angestrebt und nach Möglichkeit aufrechterhalten werden. Dazu sind regelmäßige Blutzuckerkontrollen und das Kennen der Symptome der gefährlichen Unterzuckerung ganz wichtig. Hohe Blutzuckerwerte sollen gesenkt werden, allerdings nicht um den Preis von Nebenwirkungen. Vor allem Unterzuckerungen und starke Zuckerschwankungen können gefährlich sein. Bei langer Diabetesdauer, hohem Alter und nach einem Herzinfarkt kann es günstiger sein, einen etwas höheren Wert zu akzeptieren, statt ihn mit Gewalt auf unter 6,5 % zu pressen. Der Spezialist hat dafür das Fingerspitzengefühl.
Je eher die Therapie einsetzt, desto weniger hat sich der Körper hohe Werte „gemerkt“ und wird auf therapeutische Maßnahmen reagieren.

ADA Journal: Welche Bedeutung haben Blutdruck und Blutfette?

Dr. Brath: Zu hohe Blutdruck- und Blutfettwerte sind genau so gefährlich wie hohe Blutzuckerwerte und sollten mit gleicher Intensität behandelt werden.
Leider scheint Diabetes auch die Krebswahrscheinlichkeit zu erhöhen. Die Ursachen scheinen Übergewicht, hoher Blutzucker und weitere zu sein. Metforminhaltige Medikamente schützen hier vermutlich.
Ein modernes Diabetesmanagement bezieht auch die erhöhte Krebsgefahr mit ins therapeutische Kalkül.

ADA Journal: Danke für das Gespräch.

Foto: © Koch

Dr. Helmut Brath

Diabetes & Stoffwechselambulanz
Gesundheitszentrum Wien Süd
1100 Wien, Wienerbergstraße 13

Telefon: 01 / 601 22 – 4264





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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 01.07.2011 - 06:23 Uhr

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