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Hoher Blutzucker lässt Gefäße schneller altern

Gesundspazieren

Diabetes führt in erster Linie zu unterschiedlichen Erkrankungen der Gefäße. Vorbeugung und Therapien sind heutzutage gut.

Diabetes mellitus und die daraus resultierenden Spätkomplikationen zählen in der westlichen Bevölkerung wie in den Schwellenländern zu den führenden Todesursachen. Im Vergleich zur Normalbevölkerung überwiegen Gefäßkrankheiten als Haupttodesursache bei an Diabetes erkrankten PatientInnen. Je nach Studie sind etwa 40 – 50 % aller Todesfälle auf kardiovaskuläre Spätkomplikationen zurückzuführen. Der eindeutige Zusammenhang zwischen hohem Blutzucker und dem steigenden Risiko für Gefäßkrankheiten ist heute klar belegt. Steigt der Langzeitzuckerwert (HbA1c) um 1 %, steigt das Risiko, an koronarer Herzkrankheit oder an einem Schlaganfall zu erkranken, um 18 %.

Diabetes mellitus führt zu einer verfrühten und rascher voranschreitenden Gefäßalterung. Generell sind die Gefäße der an Diabetes erkrankten PatientInnen deren realem Alter um 15 Jahre voraus. DiabetikerInnen tragen somit automatisch ein kardiovaskulären Hochrisiko. Dementsprechend erhöht sich die Gefahr, Probleme mit Herz und Gefäßen zu bekommen, um das Zwei- bis Vierfache. Nicht zuletzt aufgrund der hohen Rate koronarer Herzkrankheiten beträgt die jährliche Sterblichkeitsrate 5,4 % und ist damit doppelt so hoch wie bei altersgleichen NichtdiabetikerInnen. Somit haben DiabetikerInnen ein dramatisch hohes Risiko für Herzinfarkte, welches gleich hoch ist wie bei NichtdiabetikerInnen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben.

Gefäße, Nerven, Augen

Neben Krankheiten der großen Gefäße wie Herzinfarkt, Schlaganfall und periphere, arterielle Verschlusskrankheit sind immer auch die kleinen Gefäße betroffen. Die frühzeitige Alterung der kleinen Gefäße ist verantwortlich für das diabetische Nierenversagen, den diabetischen Nervenschaden und den diabetischen Netzhautschaden im Auge. Wegen der modernen multifaktoriellen Diabetestherapie spielen Stoffwechselentgleisungen als unmittelbare Todesursache bei DiabetikerInnen heute keine Rolle.

Optimale Diabetestherapie basiert immer neben Lebensstilmodifikation auf drei wesentlichen Säulen: möglichst normnahe Blutzuckerwerte, optimale Blutdrucktherapie und Therapie der Blutfettwerte (siehe Abbildung oben). Generell gilt, dass eine effektive Blutzuckersenkung bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung verfolgt werden soll. Die primäre Zielgröße stellt hier der Langzeitzuckerwert (HbA1c) dar, welcher unter 6,5% gehalten werden sollte. Dieser Wert gilt für PatientInnen, die neu diagnostiziert wurden. Für Patient-Innen mit langdauerndem Diabetes, bzw. vielen Zusatzerkrankungen kann auch individuell ein höherer Wert als akzeptabel angesehen werden. Mit Hilfe dieser Therapie kann das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich reduziert werden. Das Auftreten von mikrovaskulären Komplikationen lässt sich durch eine gute Diabetestherapie um bis zu 70 % effektiv senken.

Weil PatientInnen mit Diabetes mellitus ein hohes Risiko für Gefäßerkrankungen haben, gibt es bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen einige wesentliche Punkte, welche unbedingt beachtet werden sollten:

Generell sollte einmal jährlich ein Elektrokardiogramm angefertigt werden, da aufgrund des diabetischen Nervenschadens eine Minderdurchblutung der Herzkranzgefäße nicht immer schmerzhaft ist und somit vom Patienten oft nicht bemerkt wird. Weiters sollte einmal jährlich eine Analyse der Blutfettwerte und eine Messung der Eiweißausscheidung durchgeführt werden. Gerade sie ist von großer Bedeutung, da diese einerseits als Screening für den diabetischen Nierenschaden und andererseits als Risikomarker für die Gefäßkrankheit verwendet werden kann.

Besonderes Augenmerk sollte auf die Symptome der Gefäßkrankheiten gelegt werden. Kommt es bei körperlicher Belastung oder in Ruhe zum Auftreten von Atemnot und/oder Schmerzen im Brustbereich, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Ein weiteres Symptom, welches häufig unterschätzt wird, ist die Schaufensterkrankheit (peripher arterielle Verschlusskrankheit), bei der es zu einer sehr schmerzhaften Minderdurchblutung der Beine kommen kann, welche nach einer kurzen Pause wieder verschwindet. Auch dieses Symptom ist ein Warnzeichen für eine im Rahmen des Diabetes mellitus entstandenen Gefäßkrankheit der Beingefäße.

Risiko kann reduziert werden

Dennoch kann heute mit Hilfe einer optimalen Diabetestherapie das Risiko für vorzeitige Gefäßkrankheiten wirklich effektiv reduziert werden. Allenfalls auftretende Verschlüsse an Herzkranz- und Beingefäßen können dank großer Fortschritte der modernen Medizin mit Hilfe von Ballondehnungen oder Implantation eines Stents (Metallgerüst) gut behandelt werden; die Schäden an den kleinen Gefäßen am besten durch frühzeitig gute Therapie des Blutzuckers, der Blutfette und des Blutdruckes.

Eine Studie aus dem Jahr 2003 bei 2.896 DiabetespatientInnen zeigte eindrücklich, dass zwei Stunden pro Woche zügiges Spazierengehen die Gesamtsterblichkeit um 39 % und die kardiovaskuläre Sterblichkeit um 34 % nach zehn Jahren Beobachtung senken kann. Es ist nie zu spät!

Foto: © Privat

Univ. Prof. Dr. Martin Clodi

Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie, Nephrologie, Intensivmedizin
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