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Blutzuckersenkung durch Wirkung auf die Leber

Alles über Metformin

Ein altbekanntes und kostengünstiges Medikament zur Behandlung von Diabetes trat vor gut zehn Jahren seinen Siegeszug an.

METFORMIN – aus der Arzneigruppe der Biguanide – brachte in der bisher größten Studie (UKPDS) zu Typ-2 Diabetes so gute Erfolge, dass es zum Medikament der ersten Wahl auserkoren wurde. Begeistert hat besonders das Ergebnis, dass Metformin als einziges orales Antidiabetikum in der Lage ist, Herzinfarkte zu verhindern. Auch tritt die so problematische Gewichtszunahme bei dieser Therapie am wenigsten auf – bei gleich starker blutzuckersenkender Wirkung. Sämtliche Länder empfehlen somit Metformin in ihren Therapieleitlinien für Personen mit Typ-2 Diabetes als erstes und wichtigstes Medikament –sofern ein BMI von 23, also Normgewicht oder Übergewicht vorliegt.

Wie wirkt Metformin?
Das ist das Gute: Metformin macht den Körper auf Insulin wieder empfindlich. Die Blutzuckersenkung beruht im Wesentlichen auf einer Wirkung auf die Leber. Diese produziert täglich bis zu 250 g Glucose. Man bedenke: Isst man tagelang nichts, ist immer noch Zucker im Blut vorhanden. (Unser Gehirn funktioniert nur mit ausreichendem Blutzucker und hat keine anderen Möglichkeiten, mit Energie versorgt zu werden). Woher kommt diese Glucose? Die Leber bildet sie, besonders in den Stunden vor dem Aufwachen – sozusagen als morgendlichen Energieschub. Bei DiabetikerInnen ist meist eine überschießende Glucoseproduktion vorhanden. Bis zu 500 g kann eine diabetische Leber pro Tag produzieren.
Kennen Sie den typischen zu starken morgendlichen Blutzuckeranstieg, auch Dawn-Phänomen genannt? Metformin kann hier gut bremsend einwirken. Metformin verbessert auch die Glucoseaufnahme im Muskel- und Fettgewebe. In Summe wirkt es gegen die Insulin-RESISTENZ, d.h. das eigene Insulin kann durch die Einnahme von Metformin wieder besser wirken, sogar mit niedrigerem Insulinverbrauch.
Letzte Neuigkeiten: Es hat sich gezeigt, dass mit Metformin behandelte DiabetikerInnen deutlich seltener an Krebs, z.B. Bauchspeicheldrüsenkrebs, erkranken!

Ist durch Metformin eine Unterzuckerung möglich?
Nein. Bei alleiniger Metformintherapie gibt es keinen Unterzucker.

Das große Wundermittel?

Wie stark kann Metformin den HbA1c-Wert senken?
Um 1,5%. Die mittleren Blutzuckerwerte um ca. 40 mg/dl.

Gibt es gefährliche Nebenwirkungen?
Die gefährlichste Nebenwirkung ist die Laktatazidose, d.h. eine (lebens-)gefährliche Übersäuerung mit Milchsäure. Das ist auch der Grund, warum man lange mit den Biguaniden zurückhaltend war. Heute weiß man, dass bei guter Nierenfunktion diese praktisch auszuschließen ist. Also, bei Metformineinnahme regelmäßig die Nierenfunktion prüfen! Zu beachten ist auch: Bei Organschwächen (Leber, Herz, Sauerstoffmangelzustände) ist Metformin nur mit Vorsicht einsetzbar oder kontraindiziert. Vor Operationen oder Röntgenkontrastmittelgabe sollte Metformin 24 Stunden vorher und 48 Stunden nachher pausiert werden, im Fastenzustand oder bei Alkoholkonsum muss man Metformin absetzen.
Als unangenehme Nebenwirkung, meist zu Therapiebeginn, ist Übelkeit und Durchfall bekannt. Mit niedriger Dosis und langsamer Steigerung lässt sich das aber in den Griff bekommen.

Welche Alternativen gibt es bei anhaltender Metformin-Unverträglichkeit?
Als zweites Präparat, welches die Insulinresistenz verbessert, ist Pioglitazon zu erwähnen. Ansonsten stehen alle übrigen Diabetesmedikamente zur Verfügung. Altbekannt: Sulfonylharnstoffe, die noch mehr Insulin aus der Bauchspeicheldrüse fördern, Acarbose und natürlich Insulin, das gespritzt wird. Seit wenigen Jahren sind auch Inkretinmimetika auf dem Markt, die teilweise oral zu verabreichen sind (DPP4-Hemmer) und teilweise zu spritzen (Inkretinanaloga). Diese Arzneimittelgruppe verspricht Gewichtsneutralität, bzw. sogar leichte Gewichtsverluste.
Die Therapiealternativen sind sehr umfangreich, erweitern sich ständig und können hier nicht ausreichend abgehandelt werden.

Foto: © privat

Dr. Sabine Nöbauer
Fachärztin für Innere Medizin

4400 Steyr, Handel-Mazzetti-Promenade 8

Telefon: 0676 / 944 22 99
E-Mail: Sabine.Noebauer@gespag.at





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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 06.01.2012 - 11:03 Uhr

Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien