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Folgen vermeiden – das Ziel unserer Bemühungen

Folgen + Kosten

Folgen des Diabetes lassen sich nur dann vermeiden, wenn alle Beteiligten – von den PatientInnen bis hinauf zum Ministerium – gemeinsam an einem Strang ziehen!

Was sind denn die „Folgen“? Dies ist z.B. wenn mich zu hoher Zucker schläfrig und müde macht und verhindert, so wie früher aktiv zu leben. Folgen bedeuten schlechte Wundheilung bis zu Fußamputationen, bedeuten Augenschäden, bedeuten Entzündungen in unseren Gefäßen, führen uns schließlich zu schwerster Krankheit und Tod. Folgen sind aber auch Frühpensionen, Berufsunfähigkeit, unendliche Kosten für unser Gesundheitssystem.
Und da ganz Europa vom Sparen spricht, will ich dies jetzt auch.

Wer vermeidet die Folgen?

Vorerst einmal: Wir als Betroffene selber müssen Folgen vermeiden. Wir wissen alle, wo bei uns eigentlich die Grenzen sind – und überschreiten diese trotzdem täglich. Wir könnten aber Rat suchen, wie diese Grenzen eingehalten werden können: bei unseren ÄrztInnen (bekomme ich keinen zielführenden Rat, suche ich mir eine Zweitmeinung… das muss man sich nur trauen). Im Gespräch mit Gleichbetroffenen, in der Selbsthilfegruppe, auch, wer es kann, im Internet.

Unsere ÄrztInnen: Nicht Durchwinken im 7-Minuten-Takt, sondern eingehen auf die Probleme. Die Füße ansehen, die Gewichtszunahme bemerken und nachweislich vor kommenden Problemen warnen, Fragen, warum das Tagebuch so katastrophale Werte meldet und überlegen, ob durch Verschieben der Spritzzeitpunkte, durch Einsatz anderer Medikamente, durch Anpassen an das allmähliche Nachlassen der Insulinlieferfähigkeit unserer Bauchspeicheldrüse unser Leben erleichtert werden kann.

Wer verursacht die Kosten?

Das medizinische System in Österreich: Die Arbeit unserer ÄrztInnen muss erleichtert werden! Nicht jede/r ist Top-SpezialistIn auf unserem Gebiet, viele sind nicht diabetesfit – warum bietet das System nicht endlich die Möglichkeit, dass unsere HausärztInnen (sogar zugunsten der PatientInnen unter Zwang) uns zur verbesserten Zuckerbehandlung an eine zweite Ebene verweisen können, wo Folgen erfolgreich vermieden werden.

Wir haben im ADA-Journal 01/2012 gelesen, dass sogar ausgezeichnete SpitzendiabetologInnen einen weiten gedanklichen Umweg um dieses Thema machen – wie sollen dann die BeamtInnen im Ministerium die Notwendigkeit dieses Schrittes verstehen?

Was kann denn ein/e Arzt/Ärztin in Wien machen, der/die zwar viele Therapie aktiv-PatientInnen auf die richtige Schiene gestellt hat, bei 50 PatientInnen jedoch keine Erfolge, keine HbA1c-Verbesserungen sieht? Man weiß, dass Spitäler und Ambulatorien in Wien schrecklich überlaufen sind! Soll den PatientInnen etwa geraten werden, die nötige Hilfe selber zu bezahlen? Sollen sie zu WahlärztInnen geschickt werden, die natürlich in der Lage sind, unsere Probleme zufriedenstellend zu lösen? In Oberösterreich z.B. funktioniert es besser, dort arbeiten Ärzteschaft und örtliche Spitäler gut zusammen.

Die Finanzverwaltung: Die Österreichische Ärztezeitung spricht von „Kosteneinsparung von 620 Euro pro PatientIn und Jahr“ (9.-10.5.2005) – es soll also nicht nur Betroffenen das Leben erleichtert, sogar verlängert werden, es sollten eigentlich auch unser Staat und die Allgemeinheit der SteuerzahlerInnen etwas davon haben.

Eine verrückte Rechnung:

Angestrebt wird, dass jede/r zweite DiabetespatientIn bei Therapie-aktiv richtig und kostengünstig behandelt werden kann. Nehmen wir an, unsere ÄrztInnen sind bei 300.000 PatientInnen erfolgreich: Das ergäbe für das Jahr 2005 Kosten von nur EURO 186.000.000,-

Dabei spricht die Ärztezeitung von Einsparungen, die am Anfang stehenden Anlaufkosten sind also bereits berücksichtigt.
Warum kümmert sich niemand im Finanzministerium um diese unnötige Geldverschwendung? Ich habe gesagt, dass ein größerer Teil der Invaliditäts- und Frühpensionen mit Diabetes und seinen Vorstufen zusammenhängt.

Jeder Statistiker kann ausrechnen, was es heißt, wenn

  • 50 % der Bevölkerung über 50 Jahre von Diabetes oder dessen Vorstufen (z.B. dem weit verbreiteten Übergewicht) betroffen sind.

  • es in Österreich zwischen 700.000 (lt. ÄrztInnen) und 1.000.000 (lt. Vergleich mit Deutschland) DiabetikerInnen gibt und etwa gleich viele Personen in Vor- und Begleitstadien (hoher Blutdruck, falsche Fettwerte, Übergewicht)

Das zuständige Ministerium weiß nicht, wie viele AntragstellerInnen für Invaliditäts- oder Frühpension durch diesen Zustand dazu gezwungen werden. Warum eigentlich nicht?!

Vielleicht ist der Grund darin zu suchen, dass niemand andere Bereiche unseres öffentlichen Lebens unter Druck setzen will:

  • die Spitäler, die bei erfolgreich therapierten DiabetikerInnen auf einträgliche Augenoperationen oder Amputationen verzichten müssten?!
  • die ÄrztInnen, die ohne Benchmarking (also vergleichende Kontrolle) zu Erfolgen angehalten werden müssten,
    die Parteien, deren GesundheitssprecherInnen diese Probleme selbstverständlich kennen, sich aber seit Jahren dazu nicht gemeldet haben?!

Abschließend die Meldung, die ich in jedem Journal bringe: Es ist den Krankenkassen bis zum 31.1.2012 gelungen, 28.854 Therapie-aktiv PatientInnen unter Vertrag zu nehmen.

Foto: © Kassin

Dr. Erich Wolfrum
Obmann der „Aktiven Diabetiker Austria“

E-Mail: erich.wolfrum@aktive-diabetiker.at
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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 27.02.2012 - 14:16 Uhr

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