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Wie unterschiedlich man Diabetes doch sehen kann!

Verschiedene Blickwinkel

Bei der Betrachtung der hohen Kosten für die Diabetesbegleitung kann man zwei verschiedene Standpunkte einnehmen: jenen des Systems oder jenen der Betroffenen.

Das System ist historisch gewachsen und weltweit sehr angesehen. Es setzt sich aus Ministerium und Beamtenschaft, aus unseren Ärzten und aus der Gemeinschaft aller Versicherten, die ja einen Großteil der finanziellen Lasten tragen, zusammen.
Betroffen ist der einzelne Diabetiker mit dem Versuch, die Diagnose Diabetes zu verstehen, in das jeweilige Leben einzubauen und die besten Wege zu finden, dem eigenen Körper die passende Hilfestellung zu geben.

Perspektivenwechsel

Wegen dieses Gegensatzes der verschiedenen Standpunkte habe ich bei der Bewertung einer Überschrift für eine Arbeit über Adhärenz schreiben müssen:
„Als Adhärenz bezeichnet man in der Medizin die Einhaltung der gemeinsam von Patient und Arzt gesetzten Therapieziele im Rahmen des Behandlungsprozesses“ sagt Wikipedia.
Ich fürchte, dass dabei der Eindruck entsteht: „Wenn der Patient nur folgen würde, wäre alles billiger.“ Dies entspricht dem Blickwinkel des Systems.
Als Betroffener, vom Blickwinkel des Diabetikers aus, möchte ich im Zusammenhang mit Adhärenz hören: „Wenn der Arzt wüsste, was er dem Patienten sagen muss, welche Maßnahmen er vorschreiben und wie er – gute Psychologen sind die Ärzte ja nicht – den Patienten zum Befolgen der Maßnahmen bringen könnte; und wie unser an sich hervorragendes System das Einüben der erfolgversprechenden Maßnahmen ermöglichen würde … dann wird der Patient lernen, sein Leben richtig zu steuern“ und dies bedeutet billigere und nachhaltigere Erfolge.

Wir Betroffene sind ja nicht dumm, wir sind auch nicht Feind unserer eigenen Gesundheit. Aber das Leben mit Diabetes ist ein dauernder Lernprozess, und dieser beginnt mit einer Umstellung des üblichen Lebens und einer immer wieder neuen Anpassung. Das Ziel – bleibe beim Blutzucker unter 200 mg/dl, damit Folgeschäden weitgehend vermieden werden – kennen wir alle, doch wie erreichen wir dies? Welche Ernährung gibt mir genug Kraft für den Alltag, ohne den Zucker hochzutreiben? Kann ich messen, wie der Ablauf ist, und wer bezahlt mir die Teststreifen? Und bevor ich am Abend nach der Arbeit mit 250 Zucker noch in ein Fitness-Center gehe, gehe ich lieber in Frühpension.
Bei diesen Gedanken brauchen wir einen Gesprächspartner, und da uns unsere „diabetesfiten“ Ärzte ja mit Schulung und Medikamenten in diese Situationen hineinführen, helfen sie uns auch, wenn wir mit diesen Fragen zu ihnen kommen – oder sie sollten zumindest dazu in der Lage sein.
Und viel schwieriger wird die Lage, wenn die Bauchspeicheldrüse müde wird und wir ihr mit Insulin helfen müssen. Wann steigen wir auf die Spritze um: eher frühzeitig oder erst, wenn nichts mehr hilft? Und wie vermeiden wir Schwankungen, die bis zum Verlust des Führerscheines gehen können, wenn unser behandelnder Arzt nicht wirklich sattelfest ist?
Natürlich muss die Frage, die Aufforderung nach einer anderen Betreuung von uns ausgehen. Wir müssen unseren Arzt ansprechen und melden, wenn die Ziele nicht erreicht werden. Und das ganze System – beginnend bei der Ärztekammer bis zu den Krankenkassen – sollte uns Wege zeigen, Gesprächspartner zu finden, die „diabetesfit“ sind.

Abschließend ein Lob für „Therapie aktiv“, dort wird im Sinn dieser Forderung versucht, Lösungen zu finden. Per 1. April sind 29.923 Patienten in diesem Programm.

Foto: © Kassin

Dr. Erich Wolfrum
Obmann der „Aktiven Diabetiker Austria“

E-Mail: erich.wolfrum@aktive-diabetiker.at
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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 30.04.2012 - 09:21 Uhr

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