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Geleitet oder eingestellt

Diabetes ist keine Standardkrankheit – jeder Betroffene braucht eine individuelle Therapie. Und es wird Zeit, dass jeder Betroffene diese auch bekommt!

Es ist nicht leicht, als Arzt einen Diabetiker so zu begleiten, dass die Ergebnisse im Leben des Betroffenen akzeptabel sind. Besonders in größeren Ambulanzen oder Ambulatorien, wo der Betroffene nicht immer den gleichen Arzt antrifft, kann dieser ja nur eine Standardantwort für eine Standardsituation geben, jedoch nicht auf individuelle, patienteneigene Notwendigkeiten eingehen. Diese kommen meist gar nicht zur Sprache.

alles individuell

Um dies deutlicher zu machen: Mein Freund beklagt, dass er immer um 17 Uhr einen zu hohen Zuckerwert misst. Wir haben die Profile seines Messgerätes am Computer ausgedruckt und sind draufgekommen, dass die Verschiebung eines Spritzzeitpunktes um 2 Stunden plötzlich ein schönes, gleichmäßiges, zufriedenstellendes Ergebnis liefert.
Und jetzt kommt die Frage: Bei welchem Arzt wird denn dieses Protokoll, mit dem sich die einzelnen Messpunkte in jedem Messgerät auf (Un-) Regelmäßigkeiten untersuchen lassen, angesehen bzw. überhaupt vom Messgerät auf den Ordinationscomputer übertragen, erfasst und dann besprochen?!

Die Realität ist oft das größte Hemmnis

Noch deutlicher: Kürzlich habe ich vor vielen Ärzten behauptet, dass es in einem Spital nicht möglich ist, Mischinsulin (Langzeit 8 Stunden wirksam, Kurzzeit zum Abdecken des jeweiligen Essens), das hervorragende Ergebnisse ohne hohe Schwankungen bringt, richtig einzustellen: Der Ablauf in den Spitalsküchen macht es schlicht unmöglich, Insulin dreimal, jeweils im Abstand von 8 Stunden, zu verabreichen. Die Diabeteseinstellung wird von der Spitalsküche aber nicht durch den Wirkmechanismus des Insulins bestimmt! Und zu meiner größten Überraschung haben mir vom Podium dieser Diskussion aus zwei Leiter von großen Diabetesabteilungen Recht gegeben.

neue Medikamente – neue Kontrollen

Was Tabletten betrifft, tauchen ähnliche Fragen auf: Im vorhergehenden ADAJournal (Nr. 04/2012) hat Frau Dr. Lechleitner eine neue Medikamentengruppe, die DPP-4-Hemmer, ausführlich vorgestellt. Diese DPP-4-Hemmer zeigen so hervorragende Ergebnisse, dass jeder Arzt sie ausprobieren und dann immer öfter verschreiben wird, ungeachtet dessen, dass es noch keine Todesfallstatistiken für diese Medikamente gibt.
Herr Dr. Clodi hat – ebenfalls in der letzten Ausgabe des ADAJournal – über Nebenwirkungen, Kombinationsmöglichkeiten und Wechselwirkungen berichtet: Bei Gabe von DPP-4-Hemmern sind unbedingt Kreatinin und Leberwerte zu erfassen, und der Arzt sollte auf Entzündungen der Bauchspeicheldrüse achten – vorausgesetzt, er kann dies machen und weiß überhaupt darüber Bescheid!
Dass solche Dinge bei dem alle drei Monate vorgesehenen Kurzbesuch (kurz das ärztliche Gespräch, lange die Wartezeit) in Ambulanzen oder Ambulatorien beachtet und ausführlich mit dem Patienten besprochen werden, halte ich bei den derzeit in Wien vorherrschenden Umständen für ausgeschlossen. Da ist mir schon der treue Familien-Hausarzt lieber, der noch auf meine persönlichen Bedürfnisse eingeht, der sich meine persönlichen Schwierigkeiten mit der Therapie wirklich anhört und – vielleicht erst beim nächsten Besuch, aber immerhin – korrekt darauf eingeht.
Noch besser wird es natürlich, wenn die Hausärzte die „Mühe“ auf sich nehmen, diabetesfit zu werden. Nicht nur aus dem Lehrbuch, sondern bei teilweise ausgezeichneten Schulungen und durch Computer-Kurse. Es gibt für unsere Hausärzte hervorragenden Diabetesunterricht – ganz abgesehen davon, dass sie damit gleichzeitig obligatorische Fortbildungspunkte erwerben können. Und dann ist es auch leicht, in die Liste der Externer LinkTherapie-Aktiv Ärzte – aufgenommen zu werden!

Patient UND Arzt müssen diabetesfit sein!

„Ich muss wieder zur Zuckereinstellung ins Spital“ ist die eine Seite. „Mein Hausarzt führt mich, er begleitet mich, er ist mein Coach im Leben mit Diabetes“ – das ist die andere.

Und wenn es irgendwann endlich so weit sein wird, dass spezielle, den Diabetes behandelnde Arztordinationen – diese ersehnte „zweite Ebene“ – meinen Hausarzt bei schwierigeren Fragen unterstützen und ihn bei der Wahl einer genau für mich passenden Diabetestherapie beraten können, wird es noch einfacher!

Therapie-Aktiv Logo

Dieses Logo an jeder Ordinationstür – ein frommer Wunsch! Per 31.7.2012 betreuten 991 teilnehmende Ärzte 31.943 Patienten.

Die Gefahr, dass dann alle Patienten gleich zur „zweiten Ebene“ strömen, muss allerdings vermieden werden. Deshalb müssen wir uns bewusst sein: Niemand weiß über mich so gut Bescheid wie mein Hausarzt – und er sollte die Möglichkeit erhalten, mich durch das Leben zu führen. Und sich darauf auch ausreichend vorbereiten können.
Zucker nicht über 200 mg/dl, auch nach dem Essen, Bewegung und Muskelaufbau, richtiger Blutdruck, etc. – das sind die Anliegen, die mein Coach, mein Hausarzt, bei mir erreichen soll. Unsere Aufgabe wiederum sollte sein, ihn dabei zu unterstützen, seine Führung zu fordern! …aber dann müssen wir uns auch daran halten!

Foto: © Kassin

Dr. Erich Wolfrum
Obmann der „Aktiven Diabetiker Austria“

E-Mail: erich.wolfrum@aktive-diabetiker.at
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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 10.09.2013 - 10:17 Uhr

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