Logo der Aktiven Diabetiker Austria

Mittersteig 4/21, A 1050 Wien
Telefon & Fax: 01/587 68 94


Artikelanfang:

10 Jahre ADA Oberwart

Diabetes mellitus - Die Niere im Fokus

Das Referat begann Dr. Graf-Althon mit dem Hinweis, wie wichtig die Lebensstilmodifikation am Anfang jeglicher Therapie ist.

OA. Dr. Alfred Graf-Althon, Diabetesspezialist aus dem LKH Feldbach in der Steiermark, lobte das 10-jährige Bestehen der Gruppe in Oberwart mit über 70 Mitgliedern und zusätzlich mehreren, die zu Hause betreut werden.

Die Gruppe unter der Führung von Frau Eleonore Benedek, so sagte er, habe in den letzten Jahren hervorragende Arbeit geleistet. Wir alle waren überrascht, dass der nicht so kleine Saal voll war und kein halber zusätzlicher Platz zur Verfügung stand. Eine Gruppe lebt von ihren Mitgliedern und diese Gruppe in Oberwart lebt wirklich.

Das Referat – Diabetes mellitus – Die Niere im Fokus – begann Dr. Graf-Althon mit dem Hinweis, wie wichtig die Lebensstilmodifikation am Anfang jeglicher Therapie ist.

Er zitierte dabei eines der bekanntesten Rezepte der Medizingeschichte aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts.
„Kaufen Sie sich einen Hund und gehen Sie mit ihm 3 mal täglich spazieren“ schrieb E. P. Joslin aus Boston auf ein Rezept, und diese Empfehlung (Bewegung!) gilt auch unverändert im 21. Jahrhundert!
In weiterer Folge wurden in anschaulicher, verständlicher Art und Weise die verschiedenen Funktionen der Niere dargestellt, die zentrale Rolle in der Entgiftung, der Zuckergegenregulation, der Blutdruckregulation, der Blutbildung und der Steuerung von Säure-Basen-, Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushalt besprochen.

Die Nierenfunktion kann durch unterschiedliche Parameter bestimmt werden. Die errechnete glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) hat sich dabei in den letzten Jahren als Parameter aber durchgesetzt und wird sowohl von der Österreichischen Diabetesgesellschaft (ÖDG) als auch der Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN) empfohlen.
Die Einteilung der Nierenfunktion wird nach derzeit gültigen Kriterien in die Stadien I-V durchgeführt (siehe Tabelle)
Die Mikroalbuminurie gilt als wichtiger prognostischer Marker. Sie signalisiert nicht nur die Nierenschädigung sondern ist auch ein zusätzlicher Parameter für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Beim Typ 1 Diabetes soll das erste Mal 5 Jahre nach, beim Typ 2 Diabetes beginnend mit der Diagnosestellung eine Testung im Harn durchgeführt werden. Leider übernimmt derzeit die Krankenkasse die Kosten von etwa 5 Euro pro Test beim Hausarzt nicht.

Was kann man gegen die Nierenschädigung tun?
Schulung ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Schulung, wie schon Prof. Dr. Hellmut Mehnert aus München so vortrefflich meinte. Die Therapie beginnt mit der Information. Diese erhalten Sie in Selbsthilfegruppen, bei Ärzten, im Internet, in diversen Printmedien oder von anderen Betroffenen. Informieren Sie sich!
Wegen des hohen kardiovaskulären Risikos von Patienten mit diabetischer Nephropathie müssen in jedem Stadium der Erkrankung alle kardiovaskulären Risikofaktoren konsequent vermieden bzw. behandelt werden. Ein multifaktorielles Management ist dabei notwendig. Am Anfang und als Grundlage dient dabei die Bewegung, die gesunde ausgewogene Ernährung und wenn nötig auch Medikamente. Diese können in Form von Tabletten und/oder Insulin verabreicht werden. Ein wesentlicher Risikofaktor nicht nur für Herz und Kreislauf, sondern besonders für die Nieren stellt der Nikotinkonsum dar – daher Nikotinkarenz an vorderste Stelle.
In weiterer Folge wurden von Dr. Graf-Althon die verschiedenen Medikamentengruppen besprochen und auf die oft notwendige Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz hingewiesen. Die Empfindlichkeit und damit die Neigung zu Unterzuckerungen kann mit zunehmender Nierenschädigung steigen. Einzelne Medikamentengruppen wie z.B. die Sulfonylharnstoffe oder die Insuline sind hier besonders zu beachten. Nicht so selten ist die Ursache für eine Hypoglykämie die verstärkte Wirkung der Medikamente bei Nierenschäden.

In der abschließenden lebhaften Diskussion wurden weitere Fragen beantwortet. Den krönenden Abschluss stellte ein gemütliches Beisammensein in der Stadtschenke dar.
Die Gruppe lebt!

Nochmals herzliche Gratulation zum 10-jährigen Bestehen.
OA Dr. Alfred Graf-Althon
LKH Feldbach
E-Mail: graf-alton@utanet.at




zurück zur Übersicht


ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 04.11.2012 - 12:45 Uhr

Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien