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Diabetikerschulungen in Österreich

Fürs Leben lernen

Das Angebot ist vielfältig und je nach Organisation oder Bundesland sehr unterschiedlich – dennoch: Diabetikerschulungen sind unerlässlich!

Im Jahr 1989 beschlossen die Weltgesundheitsorganisation und Vertreter der Gesundheitsbehörden Europas die „St. Vincent Deklaration“. Ziel des Beschlusses ist die Reduktion der Schlaganfälle, Herzinfarkte, Amputationen, Erblindungen und Nierenversagen durch Diabetes. Zum Erreichen dieses Ziels ist die Durchführung eines Trainings bzw. einer Schulung von Diabetespatienten unerlässlich.

wie Schulungen wirken

Die Diagnose Diabetes mellitus Typ 2 trifft die meisten Menschen völlig unerwartet. Das zuckerabbauende Hormon Insulin wird unzureichend produziert oder wirkt auf Grund von Übergewicht nicht mehr richtig. Dadurch steigen die Blutzuckerwerte an. Diese können mit gesunder Ernährung, ausreichend Bewegung und, wenn nötig, mit Medikamenten gesenkt werden. Eine echte Herausforderung, die viele Fragen aufwirft. Auf diese und auf noch viele andere bekommt man in der Diabetikerschulung Antworten!
Die Wichtigkeit der Diabetikerschulung wird auch durch den deutlich besseren Informationsstand über Diabetes bestätigt. Im Rahmen einer Patientenbefragung beurteilte der Großteil aller Diabetiker, die eine strukturierte Diabetikerschulung besucht hatten, ihren Informationsstand als sehr gut bzw. gut (DMP: 92,9 % / Nicht-DMP: 84,2 %). Auch führten geschulte Diabetiker die Selbstkontrollen regelmäßiger durch.1

In Österreich starteten Selbsthilfegruppen das Angebot von Diabetesschulungen. Durch die Einführung des Disease Management Programms „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“ wurden die Schulungen für Diabetiker im niedergelassenen Bereich in mehreren Bundesländern (Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Vorarlberg und Wien) institutionalisiert, und auch andere Organisationen wie etwa Krankenhausambulanzen beschäftigen sich vermehrt mit Diabetesschulungen. Aufgrund der Diversität von anbietenden Organisationen auf den verschiedensten Versorgungsebenen ist die Schulungspraxis neben „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“ in den Bundesländern ebenso unterschiedlich.

Neben dem Schulungsangebot, welches durch das Programm „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“ in den oben angeführten Bundesländern angeboten wird, stehen den Patienten auch weitere Schulungsmöglichkeiten zur Verfügung. Diese variieren in der angebotenen Menge und Intensität je anbietender Organisation in den Bundesländern. Im Burgenland etwa gibt es ein eigenes Schulungsprogramm „Modell Burgenland“, welches flächendeckend Schulungen für Patienten im niedergelassenen sowie stationären Bereich anbietet. In Ober- und Niederösterreich sowie Wien werden ergänzend zu den „Therapie Aktiv“-Schulungen auch Schulungen von Krankenhäusern/Ambulanzen angeboten. Weiters bieten das Land Kärnten und die Kärntner Sozialversicherungsträger in Kooperation Schulungen für Typ 2-Diabetiker flächendeckend in Kärnten an. In Salzburg erfolgen durch den Verein AVOS (Arbeitskreis für Vorsorgemedizin) die Schulungen für Therapie Aktiv- und Nicht-Therapie Aktiv-Diabetespatienten in ganz Salzburg. Für Tiroler Diabetespatienten werden Schulungen durch den Arbeitskreis für Vorsorgemedizin und Gesundheitsförderung (AVOMED) flächendeckend, auch mobil, kostenlos angeboten, wobei die Finanzierung durch den Tiroler Gesundheitsfonds erfolgt.

Therapie Aktiv

Im Programm „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“ wird nach einem evaluierten, standardisierten Schulungsmodell, das jedoch genug Platz für individuelle Fragen und Probleme lässt, geschult. Folgende Themen sind zwar fester Bestandteil jeder Schulung, werden jedoch auf die Bedürfnisse der Teilnehmer abgestimmt:
Was ist Diabetes, Selbstkontrolle, medikamentöse Therapie, Reagieren bei zu hohen und zu niedrigen Blutzuckerwerten, Ernährung bei Diabetes, richtig Abnehmen, Ernährung in Ausnahmesituationen, Bewegung und Diabetes, Fußpflege und Fußgymnastik, Folgeerkrankungen, wichtige Kontrolluntersuchungen.
Bei einer Patientenbefragung in der Steiermark wurde untersucht, ob die Diabetiker schon einmal an einer Diabetikerschulung (Gruppenschulung im Ausmaß von ca. 10 Stunden, aufgeteilt auf mehrere Tage) teilgenommen haben. 82,8 % der DMP-Teilnehmer gaben an, bereits mindestens einmal eine Diabetikerschulung besucht zu haben. Vergleichsweise führten nur 54,2 % der (Nicht-DMP-)Diabetiker an, eine Schulung erhalten zu haben.2
Zwar hat sich der Anteil der geschulten Diabetiker seit 2009 bzw. 2007 (DMP: 76 %/Nicht-DMP: 49 %) erhöht, insgesamt besteht jedoch auch hier noch Verbesserungsbedarf, damit das Ziel des Programms, dass alle Typ-2-Diabetiker mindestens einmal im Leben hinsichtlich Diabetes geschult werden, erreicht wird. „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“ wird derzeit in Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Vorarlberg, Wien und der Steiermark angeboten, wobei die Schulungen für die Patienten kostenlos sind.

1 vgl. Patientenbefragung, STGKK, 2012, S.14
2 vgl. Patientenbefragung, STGKK, 2012, S.14

Weitere Infos unter:
service@therapie-aktiv.at
Externer Linkwww.therapie-aktiv.at

Foto: © Privat

Mag.(FH) Matthias Schauppenlehner

Wiener Gebietskrankenkasse, Abteilung Gesundheitspolitik und Prävention
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