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Bericht zur allgemeinen Lage

Bericht von Dr. Erich Wolfrum bei der Generalversammlung am 24. November 2013.

Die Diabetes-Therapie wird immer genauer, effizienter. Immer mehr Firmen bemühen sich, auf diesem Markt Fuß zu fassen – der breite Bogen der Therapie wird immer präziser. Problem dabei: immer weniger Ärzte kennen sich dabei wirklich aus.

Herr Dr, Brath hat uns im ADA-Journal aufgezeigt, welche Medikamente die Insulintherapie verbessern. Grundsätzlich kommt zum Einsatz von Insulin noch Metformin dazu und nun hängt es vom Zustand des Patienten ab, wie weitere Erfolge versucht werden können. Nach Schlaganfall denkt er an Pioglitazon, DPP-4-Hemmer helfen bei erhöhtem Glukagonspiegel, Gewicht reduziert könnte mit Einsatz von GLP-1-Rezeptor-Antagonisten werden, und besonders erfolgreich scheint Dapagliflozin zu sein, bei welchem der Zucker über Niere und Harn abgebaut wird.

Schulungen sind derzeit in Wien und Niederösterreich fast nicht zu finden. Ein neuer Diabetesbericht, gerade erschienen, betont zwar, daß der erste Schritt zu einer Therapie eine Schulung sein muß, die strukturiert, nach Plan aufgebaut und in Gruppen über mindestens 12 Stunden zu erfolgen hat, aber niemand bietet diese an.
Das Resultat: immer mehr Diabetiker versuchen, durch einen Kuraufenthalt eine solche zu erhalten – mit viel Erfolg und unendlichen Kosten.

Ich persönlich habe jedoch die Hoffnung, daß die maßgeblichen Persönlichkeiten endlich begriffen haben, daß die Stolpersteine der Krankenkassen die Ursache dieses Dilemmas sind: Abrechnung nur in Gruppen zu viert (Insulin) oder zu zehnt möglich (wer schult den elften ?), und Querverweisungen, die Übernahme der Diabetesführung durch einen Kollegen, sind untersagt. Vielleicht gelingt es auch, die Apotheken in diese Arbeit einzubinden.

Bewegung und angepasste Ernährung sind in unserem Land für die meisten ein Fremdwort. Die aktuelle Pressekampagne ist ja sehr schön, aber der Erfolg scheint spärlich.
Das Resultat: Diabetes oder als Vorläufer das metabolische Syndrom nehmen rasant zu, unsere Bäuche werden immer größer, die Kosten für Behandlung der auftretenden Spätfolgen steigen und unsere letzten Lebensjahre schauen oft traurig aus.

J e d e r Arzt mit Krankenkassenvertrag muß Diabetes behandeln können: diese Aussage stammt von unserem Gesundheitsminister und sie bewirkt, daß die Anzahl der unbehandelten Diabetiker rasant steigt. Kenntnisse in guter Diabetesbehandlung erreicht man nicht in Kurzschulungen oder Wochenendtreffen, man muß monatelang auf diesem Gebiet gearbeitet haben, besonders beim Einsatz von Insulin. Und Ärzte mit solchen Kenntnissen sind selten, auf alle Fälle nicht j e d e r . Dabei fordern wir, daß ein Arzt, der sein Geld als Schularzt verdient, insulinfit sein muss, wenn ein Diabetiker unter den Schülern ist. Die Errichtung von Gruppenpraxen und die Möglichkeit von ELGA, Therapieergebnisse zu überprüfen, geben uns allerdings Hoffnung.

Dr. Erich Wolfrum
Wien, im November 2013




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