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Bericht zur allgemeinen Lage

Bericht von Dr. Erich Wolfrum bei der Generalversammlung am 26. Oktober 2014.

Unsere Diabetologen strahlen:
• die Diabetes-Sterblichkeit sinkt
• die Nierenersatztherapien verringern sich,
• ebenso die Erblindungen,
• und auch die Amputationen.
Der Grund dazu – und der muß anerkannt werden – sind die Verbesserungen in den verschiedensten Therapiemöglichkeiten.

Obwohl noch keine Sterblichkeitsdaten und Berichte über Langzeitschäden vorliegen, muß man die Ergebnisse der neuen Medikamente positiv und lobend hervorheben. Wenn ein Arzt sich auskennt, wenn er Erfahrung beim Einsatz dieser Methoden hat, und wenn er die für den jeweiligen Patienten passende Therapieart aussuchen kann und dies auch konsequent vornimmt, dann höre ich nur Positives.

Die Statistik strahlt nicht. Wir haben den 13. Platz unter 30 untersuchten europäischen Ländern, das beste Land erreicht 936 Punkte, das letzte in der Bewertung 473. Unser 13. Platz ist bei bedauerlichen 706 Punkten, zwar um 233 Punkte besser als das Schlusslicht, jedoch weit, weit entfernt von der Spitze, nämlich um 230 Punkte – und dies ist im Vergleich mit den Kosten, die die österreichischen Steuerzahler für das Diabetesmangement aufbringen (und von welchen niemand sprechen kann, da es keine genauen Unterlagen gibt) eine Schande.

Die allgemeine Lage wird besonders traurig gestimmt durch die Tatsache, daß fast nirgends richtige Schulung angeboten wird, und sicher keine Führung der Patienten, keine Unterstützung für unser Bemühen, Therapie und tatsächliches Leben in Übereinstimmung zu bringen und erfolgreich zu gestalten.

Das österreichische Normungsinstitut hat nun versucht, eine Ö-Norm für Diabetikerschulung zu entwickeln. Es war eine hervorragende Arbeit, es haben jedoch alle ärztlichen Meldungen, auf welche bei einer Schulung auch gewartet wird, gefehlt, da die Norm nur für Krankenschwestern gedacht war. Das Resultat: über die Norm wird noch weiter diskutiert.

Die Universität Graz versucht ebenfalls einen Universitätslehrgang für Diabetesschulung abzuhalten. Da dieser für Diplomkrankenschwestern vorgesehen ist und sehr teuer, kommt er nicht recht in Schwung.

Und wenn ich auf das österreichische Ärztegesetz hinweise, in welchem der verantwortliche Arzt (persönlich) Aufgaben an Verwandte, an Lehrer oder Kindergartenpädagogen, oder an Krankenschwestern weitergeben soll, wie § 50a sagt, dann stehe ich nur vor vollkommener Verständnislosigkeit. Dieses Gesetz ist ein Verfassungsgesetz, steht also rechtlich über allen Verträgen und Vereinbarungen, aber die Durchführung wird weder durch entsprechende Honorarordnungen noch sonstwie unterstützt. Daher unterbleibt dieser Einsatz des Arztes und in Folge auch Schulung, etc. Meine Schlußfolgerung: dieser $ 50 a gehört neu verhandelt und diabetesberatende Krankenschwestern aufgewertet, die Ärzte von der direkten Kontaktnahme mit den Lehrern, etc befreit.

Ich kann mir vorstellen, daß die Statistik viel schöner ausfallen würde, wenn die Frage der Schulung der Patienten richtig gelöst wird. Grob geschätzt: die Hälfte der 700.000 Diabetiker, also 350.000, sind nicht richtig geschult, und wenn wir in Österreich 1,500.000 Personen mit dem Metabolischem Syndrom haben, also mit Blutdruck- und Gewichtsproblemen, mit Bauchumfang > 80 / >100 cm , und davon auch die Hälfte geschult und beraten gehört, dann fehlen uns Schulungen und anschließend Führungen für über 1 Million Österreicher.

Dr. Erich Wolfrum
Wien, im Oktober 2014




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