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Wir wollen keine Amputationen! Teil 2

Auf Grund der vielen Reaktionen zum Artikel “Wir wollen keine Amputationen” haben wir Herrn Dr. Strasser gebeten, uns in einer Fortsetzung zu erläutern, warum das Thema so wichtig ist.

Teil 2 – warum?
Das Echo auf den Artikel „Wir wollen keine Amputationen …“ war sehr groß, wie heißt es so schön, das Rauschen im Blätterwald. So wurde ich gebeten, einen Kommentar abzugeben. Eine Reihe von Anfragen sind gekommen – von schockiert und empört, bis hin der Wahrheit ins Auge zu blicken.

Warum schreibe ich so einen Artikel, warum zeige ich solche Bilder?
Fakten – in Österreich gibt es ca. 650.000 Diabetiker, die Zahl steigend. 20 % dieser Diabetiker – 130.000 – bekommen dann im Laufe ihres Lebens ein diabetisches Fußsyndrom, und 20 % werden amputiert.
Vor mittlerweile 25 Jahren wurde von der Weltgesundheitsorganisation gefordert, doch die Amputationsrate zu senken.
Experten aus ganz Europa kamen zu dieser Erkenntnis – was ist geschehen, die Amputationsrate hat zugenommen, es wird viel zu schnell amputiert, es werden keine Alternativen zur Amputation gesucht.

2.500 Amputationen pro Jahr sind eindeutig zu viel!

Das ist schrecklich, liebe Leserinnen und Leser. Sie sind betroffen!
Ich beschäftige mich nunmehr über ein Vierteljahrhundert mit dem diabetischen Fußsyndrom und chronischen Wundheilungsstörungen und ich kann Ihnen mitteilen, dass die Anzahl der betroffenen Patienten im steigen ist. Man möchte meinen, eine Lawine kommt auf uns zu. Die Lebenserwartung steigt, die Diabeteseinstellung wird sukzessive verbessert, ABER auch die Folgeschäden sind im Zunehmen.
Die Folgeschäden beim diabetischen Fußsyndrom setzten sich nunmehr aus einer Reihe von organischen Erkrankungen zusammen. Nicht nur die Erkrankungen der Arterien, wie drastisch dargestellt, nein auch die Erkrankungen der Nerven, Venen, des Lymphsystems tragen zu den Spätkomplikationen bei.

Diese Problematik wurde von mir in vielen Gesprächen, aber auch schriftlich an die verantwortlichen Stellen in unserem Gesundheitssystem weitergeleitet.
Vorsorge, Therapie, Kontrolle und Beratung waren und sind stets die Pfeiler meiner Behandlungsregime. Ich bin auch stolz darauf, dass ich in meiner Ordination die Amputationsrate drastisch senken konnte – auf 2 %.
Zeitliche und persönliche Betreuungskontinuität sind der Schlüssel des Erfolges, eine Rundumbetreuung.

Nun war es an der Zeit, nach Rücksprache mit Herrn Dr. Wolfrum, den ich über die Jahre hinweg schätzen gelernt habe, Sie liebe Leserinnen und Leser aufzurütteln.

Sie, als Betroffene, tragen mit die Verantwortung, die Verantwortung, Amputationen zu verhindern.
Was nützt es, wenn wir in unserem Kämmerlein wissen, dass es Amputationen gibt. Das Wissen darum, alleine, ist zu wenig. Fordern Sie von Ihren betreuenden Ärztinnen und Ärzten die Kontrollen Ihres Fußrisikos, fordern Sie es von Ihren Vertretern im Gesundheitssystem – haben Sie den Mut dazu.

Fordern Sie Fußkontrollen ein, schließlich geht es hier um Ihre Gesundheit!

Auch ich habe mich immer als Einzelkämpfer gesehen, oft in aussichtsloser Position, oft deprimiert, kein Gehör gefunden zu haben – aber, ich habe nie aufgegeben, ich habe weiter gekämpft.

Im September wurde ich von einer Redakteurin des ORF gebeten, in einem Beitrag von “Am Schauplatz” über die Volksdroge “Zucker” mitzuwirken.
Als ich mich in einem persönlichen Gespräch von der Ernsthaftigkeit der Thematik überzeugen konnte, sagte ich zu.
Der Drehtag in der Ordination war für alle Beteiligten emotionell außergewöhnlich belastend.
Chronische Wundheilungsstörungen bei Diabetikern, im Fernsehen, ein sehr brisantes Thema.
Wunden, die Realität, wurden nicht gezeigt, aber die Betroffenen, die über Ihre Ängste und Hoffnungen berichteten kamen zu Wort.

Sehr verehrte Leserinnen und Leser des ADAJournals, es sind keine Einzelschicksale mehr, die gezeigt werden, es sind 20 % von über 650.000 Patienten. Ich für meine Person werde, so lange ich noch beruflich tätig bin, all meine Kraft aufwenden, wenn auch in kleinen Schritten, um die Situation der betroffenen Patientinnen und Patienten zu verbessern – tun Sie es mir gleich.

Foto: © Privat

Dr. Adalbert Strasser
ADA Präsident
Facharzt für Chirurgie

1120 Wien, Hetzendorferstrasse 52-54

Web: Externer Linkwww.wundmed.com
E-Mail: Adalbert.strasser@aon.at
Telefon: 01/ 804 70 22




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