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Mobilität bedeutet Lebensqualität!

Wundbehandlung und Wundmanagement am diabetischen Fuß – eine interdisziplinäre Herausforderung.

Die Zahl der Diabetiker steigt stetig – damit auch die Zahl derer, die an Spätschäden erkranken. Das diabetische Fußsyndrom ist einer der schwerwiegendsten und kostenintensivsten Folgeschäden des Diabetes. Es ist die Hauptursache für Hospitalisierung.

Meist werden aufgrund mangelnder Aufklärung durch Behandler einerseits und durch mangelndes Interesse der Patienten andererseits die Probleme viel zu spät wahrgenommen und aus kleinen Bagatellverletzungen können menschliche Katastrophen entstehen, die sehr oft in Amputationen enden oder sogar im septischen Nierenversagen. Es werden leider immer noch viel zu oft unnötige Amputationen durchgeführt.

Die Prophylaxe hat deshalb einen extrem hohen Stellenwert. Dies setzt ausführliche Schulung und Aufklärung, aber auch Interesse an der eigenen Gesundheit der Patienten voraus. Ohne die Mitarbeit des Patienten geht gar nichts. Ein Arzt kann immer nur so gut sein, wie der Patient es erlaubt – Teamwork!

Entstehung

Diabetische Polyneuropathie (PNP) (Nervenschädigung) oder pAVK (Durchblutungsstörung in den Beinen), oder auch beides gemeinsam, sind verantwortlich für die Entstehung des diabetischen Fußsyndroms und der daraus resultierenden Gefahren. Sie sind meist zusammen mit unpassendem Schuhwerk, kleinen Bagatellverletzungen oder unsachgemäßer Fußpflege Verursacher bzw. Auslöser dieser heimtückischen Erkrankung. Leider werden manche Läsionen und Ulcera nur als Hühnerauge oder Hornhaut abgetan und nicht erkannt, um welches schwerwiegende Problem es sich tatsächlich handelt. Rasches und vor allem richtiges Handeln ist hier von äußerster Wichtigkeit, damit aus einer Bagatelle kein Supergau wird.

Rasches und richtiges Handeln ist von äußerster Wichtigkeit!

Polyneuropathie verändert die Biomechanik des Fußgewölbes, führt zur Deformierung, Krallenzehenbildung und Druckmaximierung plantar im Fußballenbereich und zur Ausbildung von Druckulcera (Wunden). Weiters kommt es zu einem Verlust der Schweißsekretion und dadurch bedingt zu trocken schuppender Haut und Bildung von Hyperkeratosen (Hornhautschwielen) und zur Erweiterung der Blutgefäße – die Füße sind typischerweise warm, rosig und trocken, die Beinbehaarung reduziert. Die sensible Neuropathie ist verantwortlich für das Vorliegen von Parästhesien (Gefühllosigkeit), die Patienten haben entweder vermindertes bis gar kein Schmerzempfinden oder Ruheschmerzen in allen Qualitäten.
Das Erstere für Patienten wenig belastend jedoch gefährlich, das Zweite äußerst unangenehm bis nahezu unerträglich. Gefährlich deshalb, weil die Warnfunktion der Schmerzen ausfällt und z.B. zu enges Schuhwerk, zu heißes Wasser etc. Verletzungen verursachen können, die von Patienten unbemerkt bleiben.

Therapieoptionen

Wundmanagement bedeutet mehr als nur die fachgerechte Versorgung einer Wunde. Eine erfolgreiche Therapie benötigt die entsprechende freiwillige Kooperation des Patienten und eine interdisziplinäre Zusammenarbeit. Ganz wichtig ist auch ein Blick über den Wundrand hinaus unter Berücksichtigung der jeweiligen Lebenssituation des Patienten. Für die Behandlung selbst gibt es kein Patentrezept. Die Ursachen sind multifaktoriell, daher muss auch die Therapie aus mehreren Ansatzpunkten bestehen. Am Beginn der Behandlung steht die richtige Einschätzung der Wundsituation (Diabeteseinstellung, Durchblutung, Neuropathie, Infektion, Ausmaß, Wundbeschaffenheit, Druck, Ursache). Nach Abklärung von Ursache und Auswirkung sollte als Voraussetzung für einen Therapieerfolg für jeden Patienten ein individuelles ganzheitliches Therapiekonzept erstellt werden unter Einbeziehung aller auslösenden Faktoren und auch unter Berücksichtigung des sozialen Umfeldes. Dieses und die Psyche spielen gerade im Bereich der chronischen Erkrankungen eine ganz wesentliche Rolle und die Therapie muss mit dem Alltag, manchmal auch dem Berufsalltag vereinbar sein. Dementsprechend brauchen die Patienten auch angepasste Schuhe um diesen bewältigen zu können. Es muss gewährleistet sein, dass die Patienten ihr Leben weiterleben und ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Wir behandeln Menschen und nicht nur eine Wunde!

Unter oben genannten Voraussetzungen und dem nötigen Know How können viele Katastrophen und unnötige Amputationen verhindert und den Betroffenen die Mobilität und somit auch die Lebensqualität erhalten werden!

Denn: Aus des Diabetikers Fuß soll kein Diabetischer Fuß werden – und schon gar kein Amputierter!

Foto: © Privat

Dr. Elisabeth Krippl
Fachärztin für Innere Medizin, Ärztin für Allgemeinmedizin, Zertifizierte Wundmanagerin®, MayrÄrztin®
EK-MedCenter

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Telefon: 0664 / 14 64 082
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