Warum essen wir, was wir essen?
![]() |
Warum essen wir, was wir essen? |
Kalorien, Broteinheiten, Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Fett - man hat schon viele Informationen darüber bekommen - man kennt sich theoretisch bestens aus.
Wenn es dagegen um die praktische Zusammenstellung und Zubereitung der Speisen geht, siegt häufig der Gusto und der Appetit über die Vernunft. Alles schmeckt jetzt doppelt so gut, und das schlechte Gewissen macht sich vielleicht etwas später leise bemerkbar.
Warum essen wir, was wir essen? Der Verstand sagt: "Iss, was gesund ist und nicht dick macht". Tatsächlich beeinflussen aber viele Faktoren unser Essverhalten.
Woher rührt die Unvernunft? Warum bevorzugt die Mehrheit immer noch Schweinsbraten mit Knödeln, warum schmeckt die Sachertorte mit Schlagobers?
Eigentlich müsste einem wegen dem hohen Zuckergehalt der Torte und dem Fettgehalt des Schlagobers der Appetit vergehen...
Und warum denken wir, wenn wir uns mit Essen belohnen wollen, an zart schmelzende Schokolade oder an ein leckeres Wienerschnitzel mit Kartoffelsalat und nicht an gesundes Vollkornbrot, saftige Äpfel oder ein ballaststoffreiches Müsli?
Viele verbinden den Begriff
"Essen" mit Lust und Genuss, "Ernährung" dagegen ist gesund - aber langweilig. So kommt es wohl auch, dass uns bei den "gesunden" Lebensmitteln (Gemüse, Salat, Obst, Körner, fettarme Milchprodukte, ...) nur selten das Wasser im Mund zusammenläuft, hingegen die Gedanken an eine Leberkässemmel oder an eine Tafel Schokolade uns schon zum Schlucken bringen. Wir essen meistens nicht , weil es gesund ist, sondern weil es uns schmeckt. In der Antwort auf die Frage, warum uns bestimmte Speisen besser schmecken als andere und warum nur selten der Hunger, sondern meist der Appetit unser Ernährungsberater ist, liegt gleichzeitig auch die Lösung zur wirksamen Veränderung unseres Essverhaltens.Viele verschiedene Faktoren wirken zusammen, wenn wir die Entscheidung "Ich will das jetzt essen" treffen. Unsere Wahl wird einerseits von der individuellen Bedeutung, die wir mit bestimmten Speisen verbinden beeinflusst. Andererseits prägen angeborene und erworbene Vorlieben unser Essverhalten. Geschmäcker sind verschieden - was dem einen vorzüglich mundet, findet der andere eklig, doch bei allen Unterschieden: Eines haben wir gemeinsam - die angeborene Vorliebe für Süßes.
Nicht angeboren, sondern "nur" erworben ist unsere Vorliebe für fette Speisen. Eine besonders verführerische Wirkung bekommt Fett in Kombination mit Süßem: Schokolade, Eiscreme, Mousse au chocolat, .... Fett ist ein Aromaträger und macht Speisen schmackhaft - und die meisten von uns leider dick. Angeborene und erworbene Geschmacksvorlieben, die im Laufe unseres Lebens immer wieder verstärkt werden, nehmen einen wesentlichen Einfluss auf die Zusammenstellung unserer Speisen. Die Tatsache, dass unser Geschmack durch jahrelange Gewohnheiten tiefgreifend geformt wurde, ist jedoch noch lange kein Grund, sich mit seinem Essverhalten abzufinden oder sie sogar als Ausrede für fehlgeschlagene Ernährungsumstellungen zu missbrauchen.Wir sind durchaus in der Lage, unsere Geschmacksvorlieben zu verändern.
Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass wir es auch wirklich wollen. So, wie wir gelernt haben, bestimmte Speisen zu mögen, so können wird diese Vorlieben auch wieder verlernen. Je öfter, je lieber: wir haben unsere Geschmacksvorlieben unter anderem durch ständiges "Üben" erlernt, deshalb können wir uns auch auf diese Weise an "vernünftigere" Speisen und Lebensmittel gewöhnen.Wenn wir unser Essverhalten ändern wollen, müssen wir häufig und immer wieder Speisen essen, die am Anfang vielleicht fremd schmecken, doch bereits nach wenigen Wochen gewöhnt man sich daran. Erst wenn wir über einen gewissen Zeitraum hinweg einen Geschmack erleben, können wir uns so daran gewöhnen, dass wir ihn immer wieder schmecken wollen. Besonders gut schmeckt es uns auch, wenn wir großen Hunger haben. Die Speisen, die wir mit wahrem Heißhunger essen, sind uns die Liebsten. Auch hier liegt übrigens eine Möglichkeit zur Geschmacksveränderung: Essen Sie bei den nächsten Hungerattacken mal etwas anderes als das Übliche: Kein doppelt belegtes Butterbrot, keinen cremigen Pudding, sondern vielleicht einen Gemüseteller oder Obst.
Das Problem ist aber, dass viele Menschen nicht mehr in der Lage sind, zwischen Hunger und Appetit zu unterscheiden.
Wenn es Hunger ist und nicht Appetit, dann haben wir in der Regel kein Verlangen nach Süßem, sondern nach einer "ordentlichen" Mahlzeit. Eine bewusste Auswahl unserer Speisen, mit viel Abwechslung und möglichst vielen Geschmacksrichtungen, hilft einen "Heißhunger" auf eine bestimmte Speise zu verhindern. Überhaupt sind Experten inzwischen der einhelligen Meinung, dass es keinen Sinn hat, wenn bestimmte Speisen "verboten" werden.
Essen ist eine wichtige Quelle der Lebensfreude, und Verbote oder strenge Vorschriften rauben uns dieses Vergnügen. Es gilt also, die Freude am Essen und das körperliche Wohlbefinden und die Gesundheit übereinzustimmen. Nicht alles, was uns schmeckt, tut uns gut; aber vieles was uns schmecken könnte und unsere Gesundheit verbessern könnte, ist uns fremd, deshalb probieren Sie auch einmal etwas Neues aus und trainieren Sie Ihr Essverhalten in Richtung gesunde Ernährung.
DDA&EMB Birgit Ranacher