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Typ-2-Diabetes - Fakten. Fakten. Fakten.

Dr. Susanne Pusarnig, weitreichend bekannt als „die Zuckertante“, beantwortet die häufigsten Fragen aus der Praxis zu Typ-2-Diabetes.

Spielt die Vererbung eine Rolle bei Diabetes-Typ-2?

Jein.
Es gibt nicht das EINE Gen, das Typ-2-Diabetes auslöst.
So dass gelten würde: Man hat das Gen = man wird Typ-2-Diabetiker. Man hats nicht – man wird nicht Typ-2-Diabetiker.
So einfach ist es nicht! Was es schon gibt, und worüber wir schon recht gut Bescheid wissen: es gibt einige, verschiedene gentische Merkmale, die es wahrscheinlicher machen, dass ein Mensch Diabetes bekommt. Je mehr von denen man abgekriegt hat, umso eher wird man Typ-2-Diabetiker.
Das erklärt auch, weshalb es so verschiedene Verläufe des Diabetes gibt. Dass es eine deutliche Häufung in einzelnen Familien gibt. Generell kann man sagen: wenn beide Eltern Typ-2-Diabetes haben, bekommt es jedes 2. Kind – in der Bevölkerung sind es ca. 10%, also jeder 10.

Ist jeder Typ-2-Diabetes gleich?

Nein!
Schon aufgrund der verschiedenen genetischen Anlagen. Da gibt es viele verschiedene Kombinationen. Und entsprechend vielfältig zeigt sich auch der Typ-2-Diabetes. Es gibt Diabetiker, bei denen die Krankheit schneller, andere, bei denen sie ganz langsam fortschreitet, manche merken über viele Jahre gar keine Veränderung ihrer Blutzuckerwerte – noch nach Jahren funktionieren die Maßnahmen, mit denen man begonnen hat, genauso gut, sei es nun Diät, Bewegung oder Tabletten.
Andere haben bereits nach 5 – 7 Jahren schon alle Tabletten-Kombinationen „durch“ und brauchen Insulin – das alles ist erst mal unabhängig vom individuellen Verhalten, sondern beruht eben auf den verschiedenen Ausprägungen des Typ-2-Diabetes. Deshalb ist es auch so unfair, wenn ein Diabetiker dem anderen sagt. „Also bei mir funktioniert XY seit Jahren sehr gut – wenn es bei Dir nicht so ist, dann machst Du etwas falsch!“

Also ist es egal, was ich esse? Ob ich mich bewege?

Nein!
Selbst wenn Sie eine Anlage dazu haben, Diabetes zu bekommen, heißt das nicht unbedingt, dass er schon sehr früh ausbrechen muss.
Bei Menschen, die kein Übergewicht haben, die sich bewegen, die sich bemühen gesund zu essen, schafft es die Bauchspeicheldrüse viel länger, genug Insulin zu produzieren, so dass Sie keinen, oder erst viel später Diabetes bekommen.
Ist ja auch logisch – je mehr Kilos Ihre Bauchspeicheldrüse versorgen muss, desto schneller erschöpft sie sich. Wenn Sie eine Tendenz zu Diabetes mitbringen, kann das sehr früh zu Typ-2-Diabetes führen, es gibt ja auch schon Kinder mit Typ-2!
Genetische Veranlagung ist das eine – man kanns nicht ändern – Verhalten (gesundes Essen, Normalgewicht, Bewegung) das andere – damit kann man die Diabetes-Diagnose über viele Jahre hinausschieben.

Soll man sich auf Diabetes testen lassen?

Eventuell.
Bei fast allen Blutabnahmen und auf jeden Fall bei der Gesunden-Untersuchung wird der Nüchtern-Blutzucker bestimmt. Wenn der erhöht ist, wird weiter geschaut und ein HbA1c gemacht (Langzeitwert). In der Regel reicht das auch, aber wenn man unter den Verwandten viele Diabetiker hat oder wenn man aufgrund von Übergewicht, wenig Bewegung, viel Stress ein erhöhtes Diabetes-Risiko hat, dann macht es schon Sinn, alle paar Jahre nicht nur den Nüchtern-Blutzucker bestimmen zu lassen, sondern einen Zucker-Belastungs-Test machen zu lassen ( Zuckerwasser trinken, nach 2 Stunden Blutzucker bestimmen). Denn gerade am Anfang kann der Nüchtern-Zucker lange noch normal sein, wenn tagsüber die Zuckerwerte nach dem Essen schon deutlich zu hoch sind!

Hat jeder Typ-2-Diabetiker zu wenig Insulin im Blut?

Nein!
Gerade am Anfang des Typ-2-Diabetes ist der Insulin-Spiegel oft sogar höher als bei Gesunden! Das kommt daher, dass bei Typ-2-Diabetes zuerst die Zellen unempfindlicher auf Insulin werden. Das versucht der Körper zu korrigieren, indem er mehr und mehr Insulin produziert – was die Bauchspeicheldrüse überfordert und erst dann wird das Insulin im Blut zu wenig. In der ersten Zeit ist es also oft so, dass sowohl der Blutzucker als auch der Insulin Spiegel zu hoch sind!

Bekommen nur über 30-jährige Typ-2-Diabetes?

Nein!
Typ-2-Diabetes kann in jedem Alter beginnen! Früher hat man ihn auch „Alterszucker“ genannt, aber es gibt auch Kinder und Jugendliche mit dieser Form des Diabetes – deshalb heißt es ja jetzt auch „Typ-2-Diabetes“. Schließlich kann man jungen Leuten nicht gut erklären, sie hätten nun „Alterszucker“. Kinder und Jugendliche mit Typ-2-Diabetes werden sogar immer mehr!

Was ist an hohem Zucker eigentlich so gefährlich?

Zu viel Zucker im Blut schädigt unsere Adern. Er legt sich an der Innenschicht der Adern an, und zusammen mit Cholesterin, Calcium usw. wird eine kleine Auflagerung daraus, ein Plaque. Wenn diese Auflagerungen immer größer werden, dann werden sie irgendwann die Adern, diese dünnen Schläuche, ganz verschließen. Dann kann da kein Blut mehr durchfließen und das Gewebe dahinter bekommt keinen Sauerstoff geliefert – Zellen sterben ab.
Im Herzen ist das ein Herzinfarkt, im Gehirn ein Schlaganfall. Vom Zucker „verklebte“ Blutgefäße führen dazu ,dass die Netzhaut im Auge zu wenig Sauerstoff bekommt, die feinen Filter in der Niere reißen und lassen Eiweiß in den Harn, das eigentlich noch im Körper bleiben sollte – die Funktion der Nieren wird schlechter. Und die Füße werden schlechter durchblutet, was schon bei geringen Verletzungen zu schlimmen und gefährlichen Wunden führen kann.

Bringt „Diät“ wirklich was?

Aber ja!
Vor allem, wenn Sie zu viele Kilos haben: jedes abgenommene Kilogramm hilft Ihrem Stoffwechsel!
Und auch sonst: bei Typ-2-Diabetes hat ja Ihre Bauchspeicheldrüse Mühe, für Sie genug Insulin zu produzieren. Natürlich ist es für die Drüse leichter, wenn eher wenig Zucker im Blut ankommt nach dem Essen, und wenn das ein langsamer, sanfter Anstieg ist. Kohlenhydrate, also Stärke in Brot, Reis, Kartoffeln, Nudeln… werden im Darm in Einzel-Zucker zerlegt, die dann durch die Darmwand ins Blut aufgenommen werden. Je langsamer dieser Prozess vonstatten geht, umso sanfter steigt der Blutzucker an – das ist der Grund, warum Diabetikern von „schnellen“ Kohlenhydraten eher abgeraten wird, wie sie in Mehlspeisen, Süßigkeiten usw. zu finden sind, und warum Vollkorn-Produkte als besser geeignet gelten.

Und Bewegung?

Ja!
Bewegung hilft besser als jedes Medikament! Das gilt ganz besonders dann, wenn Sie sich in letzter Zeit kaum bewegt, keinerlei Sport gemacht haben! Schon Spazierengehen unterstützt Ihren Stoffwechsel, da reicht eine halbe Stunde täglich! Wenn auch das schwerfällt: langsam und mit kurzen Strecken anfangen!
Für alle Sportlichen: bleiben Sie dran! Trainieren Sie regelmäßig. Ausdauer und Kraft – beides ist wichtig und gut bei Diabetes!
Bewegung kann – und soll ja – den Blutzucker senken. Wenn Sie Insulin spritzen oder Medikamente nehmen, die Ihre Bauchspeicheldrüse dazu bringen, mehr Insulin zu produzieren („Sulfonylharnstoffe“ wie zum Beispiel Diamicron, Amaryl, Gliclazid, Glimepirid…) müssen Sie besonders gut aufpassen. Bitte mit Ihrem Arzt besprechen!

Sollen alle Typ 2 Diabetiker Tabletten nehmen?

Fast alle.
Ohne Tabletten geht es nur, wenn der Diabetes rechtzeitig entdeckt wurde. Dann ist es oft möglich, mit gesundem Essen und genug Bewegung Zuckerwerte wie ein Gesunder, wie ein Nicht-Diabetiker zu haben. Zumindest in der ersten Zeit, in den ersten Jahren.
Allerdings: Diabetes-Typ-2 ist eine Krankheit, die nicht stehen bleibt. Auch wenn Ihre Zuckerwerte jetzt sehr gut sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie in einiger Zeit wieder steigen werden, vielleicht erst in ein paar Jahren. Um da nichts zu übersehen, ist es ja so wichtig, regelmäßig den Langzeitwert, das HbA1c beim Arzt bestimmen zu lassen.

Eine Einstellung für immer?

Leider nein, das gibt es nicht!
Im Lauf der Zeit beginnen auch bei einer sehr guten Diabetes-Einstellung die Zuckerwerte meist wieder zu steigen.
Dann ist es Zeit, die Therapie zu verstärken – vielleicht ein 2. oder ein 3. Medikament dazu oder, wenn mit einer Tabletten-Kombination alleine keine guten Werte mehr erreicht werden können, der Umstieg auf Insulin. Da gibt es wieder viele verschiedene Möglichkeiten, vom ganz einfach „Insulin nur zum Schlafengehen“ bis zu komplexen Insulintherapien mit mehreren Insulinen oder Insulinpumpe.

Foto: © Privat

Dr. Susanne Pusarnig
Ärztin für Allgemeinmedizin,
Schwerpunkt Diabetes mellitus, FQSD-zertifiziert, DMP-Ärztin, Wahlärztin

1130 Wien, Dommayergasse 2

Mobil: 0699 / 178 872 25
Telefon: 01 / 877 80 60 (für Terminvereinbarungen)

E-Mail: ordination@pusarnig.at
Web: Externer Linkwww.zuckertante.at




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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 31.10.2018 - 09:05 Uhr

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